Raffinierte Idee: Biodiesel neben dem Solarturm

Von: Karl Stüber
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Ehrgeiziges Projekt: „Im Schatten” des Solarkraftwerkes in Jülich will Ulrich Wirtz eine Anlage errichten, in der aus Biomasse auf „raffinierte” Weise Dieselkraftstoff gewonnen wird. Foto: Stüber

Jülich. Ulrich Wirtz hat mit seiner Geschäftsidee die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses überzeugt. In einer extra für dieses Thema angesetzten Sondersitzung stellte Wirtz sein Konzept einer Biomasse-Raffinerie zur Erzeugung von Diesel der zweiten Generation aus regenerativen Energieträgern vor.

Die soll auf einem Gelände zwischen der High-Tech-Mall und der Solarkraftwerk im Gewerbegebiet Königskamp entstehen. Rund 8100 Quadratmeter werden benötigt. Davon befinden sich 4600 Quadratmeter im Besitz der Stadt, 3500 gehören der Gesellschaft für Wirtschaft und Strukturförderung (GWS) des Kreises Düren. Die Option besagt, dass nun die Stadt Jülich dieses Areal zurückkauft, um es später an Wirtz zu veräußern, wenn alle genehmigungsrechtlichen Hürden und Beteiligungsverfahren für die Bioraffinerie genommen sind.

Der studierte Betriebswirt Wirtz ist bereits seit 1997 im Jülicher Gewerbegebiet mit einer Firma ansässig, der WSE. Das Kürzel steht für „Wirtz Software Entwicklung”. Spezialisiert ist er auf Software zur Vermarktung von Werbeflächen, speziell Außenwerbung, wie er erzählt.

Wie kommt der Programmierer, der seit seinem 13. Lebensjahr dieser Passion erlegen ist und daraus seinen Beruf machte, ausgerechnet auf die Veredlung von Biomasse? Ein Bekannter brachte Wirtz darauf, sich mit zukunftsorientierten und wettbewerbsfähigen regenerativen Energieträgern zu befassen: Bauingenieur Peter Scholz aus Welldorf. Schnell war Wirtz klar, dass die Umwandlung von kompletten Pflanzen viel effizienter ist, als nur die Frucht wie beim Raps „auszuquetschen”. Im November letzten Jahres wurde die Firma „DiNaWa” gegründet, was für „Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen” steht - oder international „biomass to liquid”.

Bei dem Verfahren, das er möglichst bald in Jülich anwenden will, können Pflanzen „mit Haut und Haaren” durch rein thermische Vergasung ohne Katalysator in Biodiesel umgewandelt werden. „Es wird nichts anderes zugefügt als Energie”, sagt er.

Wirtz, der als organisierter und engagierter Pfadfinder gern nachhaltig umweltschonend agiert, will die Biomasse aus der Region beziehen. Den Anfang soll Stroh machen, das bei der Weizenproduktion übrig bleibt und bislang auf den niederländischen Markt gegangen ist. Aus einer Tonne Stroh könnten ungefähr 320 Kilo Biodiesel gewonnen werden.

Auch unbelastetes Tiermehl hat er in Aussicht genommen. Hintergrund ist, dass der hinter dem Projekt stehende Investor in Irland angesiedelt ist und in dieser Branche tätig ist. Auch Holz komme in Frage. Die Zuckerrübe hat Wirtz allerdings nicht als Energiespender „im Kopf”.
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