Radiodtherapie: Heilen durch den zerstörenden Strahl

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Jülich. Rund 30 Prozent aller Bundesbürger über 60 Jahre haben ein Schilddrüsenerkrankung. Viele von ihnen machen sehr früh ihre Erfahrung mit der Nuklearmedizin. Allerdings nicht gleich in der Therapie, sondern in der Phase der Diagnostik - im Rahmen der Szintigrafie.

Davon ist allerdings abhängig, „was weiterhin mit den Patienten gemacht werden soll”, erklärt Dr. Hubertus Hautzel, Leitender Oberarzt der Nuklearmedizinischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Forschungszentrum Jülich. Er ist einer der Referenten bei unserem 19. Forum Medizin, das sich mit Schilddrüsenerkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten befasst. Über die Szintigrafie erfolgt die Bestimmung, um welche Art Erkrankung es sich bei den knotigen Veränderungen handelt, die in der Regel bei der hausärztlichen Untersuchung auffallen.

Die so genannten heißen Knoten „sind Erkrankungen, die zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen”, erläutert Dr. Hautzel. Die könne man zwar medikamentös behandeln, setzt man aber die Medikamente ab, „ist die Überfunktion auch wieder da”. Hier müsse man eine definitive Therapie anstreben: Operation oder Radiodtherapie, wie sie in der Klinik im Forschungszentrum seit 1962 praktiziert wird. Ziel ist es, das Gewebe in den heißen Knoten zu zerstören.

„Das funktioniert bei der Radiodtheraphie sehr elegant. Man muss nämlich dem Patienten nur eine Kapsel mit Jod 131 zu schlucken geben.” Dieses radioaktive Jod findet seinen Weg von ganz alleine in die Schilddrüse und spezielle in diese Knoten. Durch die hohe Strahlendosis sterben die Knoten in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Wochen ab. Diese Therapieform ist gleichermaßen anwendbar bei nur einem wie auch bei mehreren „heißen Knoten”. Durch die täglichen Untersuchungen erfolgt nicht nur die Dosisbestimmung, sondern auch die Kontrolle der Strahlenschutzvorgaben des Gesetzgebers.

Die Radiodtherapie kommt in zwei weiteren Bereichen der Schilddrüsenerkrankung zum Einsatz. „Das sind die Autoimmunerkrankungen, die mit einer Überfunktion einhergehen, die Basedowsche Krankheit im Allgemeinen.” Hier wird eine höher dosierte Strahlenbehandlung angesetzt.

Die dritte Gruppe sind Patienten mit einer deutlich vergrößerter Schilddrüse. Das sei zwar eigentlich Domäne der Chirurgen, aber die Nuklearmedizin schaffe ebenfalls „Verkleinerungseffekte auf die Hälfte der Ausgangsgröße”, so Dr. Hautzel. Dieser Effekt wird zum Segen für Patienten, die bereits eine Schilddrüsen-OP hinter sich haben und wieder an einer Schilddrüsenvergrößerung leiden. Chirurgen würden den zweiten Schnitt wegen der erhöhten Komplikationsrate gerne vermeiden. Hier kann der Strahl den Stahl ersetzen.
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