Jülich - Qi Li: Kein Heimweh bei „Oma und Opa” in Linnich

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Qi Li: Kein Heimweh bei „Oma und Opa” in Linnich

Von: Stefanie Erkeling
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Ist Weihnachten nicht allein: Elektrotechnik-Studentin Qi Li verbringt das Fest mit ihren Linnicher Großeltern. Foto: Stefanie Erkeling

Jülich. Die klare, kalte Luft in der Jülicher Innenstadt ist erfüllt von weihnachtlicher Musik. Tausend kleine weiße Rauchwölkchen steigen aus Nasen, Mündern und Glühweinbechern. Wer genauer hinschaut, entdeckt auch zahlreiche chinesische, südamerikanische und afrikanische junge Menschen, die entweder staunen oder etwas betrübt aussehen.

Es sind jungen Leute, die an den Campus Jülich der FH Aachen kamen, um dort zu studieren und die deutsche Kultur kennenzulernen. Viele erleben hier erstmals Weihnachten.

Wie Wang Yan und Fang Yuan. Die beiden studieren seit Kurzem Elektrotechnik in Jülich - und sind begeistert von der Weihnachtszeit. „Besonders schön ist die Dekoration der Stadt. Die Weihnachtsbäume und all die schönen Lichterketten”, schwärmt Fang Yuan.

Für die junge Chinesin war, wie für den Großteil ihrer Landsleute, Weihnachten kein besonderer Tag, denn die große Mehrheit der Chinesen ist buddhistisch, und die Zahl der Christen in China ist vergleichsweise gering. Unter jungen Leuten wird das Fest jedoch zunehmend populär, wenngleich es keine Bescherung gibt und man sich eher mit Freunden in einer Kneipe trifft.

So bleiben denn auch die meisten der über hundert chinesischen Studenten der FH Aachen über Weihnachten in Jülich. „Unser Fest, das Frühlingsfest, findet zwei Monate später statt. Da sind zum Glück Semesterferien, und wir können unsere Familien besuchen”, erklärt Wang Yan.

Heimweh kommt, zumindest unter den chinesischen Studierenden, dennoch nicht allzu sehr auf. „Wir bleiben ja alle hier und sind nicht allein”, sagt Qi Li und lacht. Die 21-jährige Elektrotechnik-Studentin wird Weihnachten allerdings nicht mit ihren Kommilitonen feiern, sondern mit einem deutschen Ehepaar, das sie liebevoll ihre „Großeltern” nennt.

„Ich habe Oma und Opa vor drei Jahren im Hallenbad kennengelernt, da war ich ganz neu hier. Wir haben uns angefreundet, und jetzt habe ich deutsche Großeltern”, erzählt sie. Jede Woche besucht sie seitdem ihre Wahlgroßeltern und feiert in diesem Jahr zum dritten Mal Weihnachten im Kreise der Linnicher Familie.

Auch Wianda Elvis aus Kamerun verbringt Weihnachten nicht allein. Vor einem Jahr kam der 25-Jährige nach Deutschland, um am Campus Jülich seinen Master im Fach Medizintechnik zu machen. In einer baptistischen Kirche in Köln traf er eine Frau, die ihm spontan anbot, Weihnachten mit ihr und ihrem 22-jährigen Sohn zu feiern. „Ich hatte ein wenig Angst vor Weihnachten, aber nun freue ich mich darauf”, sagt Elvis.

Für diejenigen Studenten, die nicht mit Freunden und Kommilitonen feiern oder familiären Anschluss gefunden haben, kann die besinnliche Weihnachtszeit hingegen ziemlich einsam sein. So erging es im vergangenen Jahr dem libanesischen Maschinenbau-Studenten George Maalouf. „Alle waren bei ihren Familien, niemand war da. Das war langweilig und ich habe meine Familie schrecklich vermisst”, erinnert sich Maalouf. „Zum Glück besuchten mich spontan ein paar Freunde, sonst wär es wirklich schlimm geworden.”

In diesem Jahr fliegt er zu seiner Familie, um sich dem Alleinsein während der Feiertage nicht noch einmal auszusetzen. Einen Heimaturlaub während der Weihnachtstage können sich jedoch nur die wenigsten Studenten leisten.

Sollte Ihnen also in der Stadt, auf dem Weihnachtsmarkt oder in Campusnähe ein junger Mensch aus Asien, Afrika oder einem anderen Teil der Welt begegnen, der etwas verloren und allein wirkt - laden Sie ihn doch einfach zu sich nach Hause ein. Frohe Weihnachten!
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