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Psychiaterin: F. lebte in einem Wahnsystem

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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In diesem Haus im Heckfeld ereignete sich die Bluttat, für die Alexej F. nun vor dem Aachener Schwurgericht steht. Foto: Horrig

Jülich. Er habe bei der Tat in einem „geschlossenen Wahnsystem“ gelebt, hat am Mittwoch die forensische Psychiaterin Konstanze Jankowski im Fall des wegen Mordes an seiner Ehefrau beschuldigten Alexej F. (37) festgestellt.

F. hockte wie an allen Verhandlungstagen vor dem Aachener Schwurgericht gebeugt mit gesenktem Kopf und sichtbar unter Tabletteneinfluss in der Anklagebank neben seinem Strafverteidiger Björn Hühne, ein Arzt aus der Psychiatrie saß in Reichweite.

Der Fall der mit wuchtigen Messerstichen in Nacken und Rücken – so schilderte es am Mittwoch der Rechtsmediziner in seinem Gutachten – in der Nacht des 3. Dezember 2013 getöteten Mutter zweier Kinder ist außerordentlich tragisch. Denn der Kraftfahrer und im Leben eher „ruhige Vertreter“ aus Jülich hat laut Gutachten der Kölner Psychiaterin nicht langsam, sondern relativ schnell eine wahnhafte Psychose „in seiner Lebensmitte“ entwickelt. Das sei ein Altersphase, in der nach den Ausführungen der Medizinerin langlebige psychische Erkrankungen ausbrechen können, sie seien gefährlicher als in der Jugend.

Alexej F. habe sich von seiner Umgebung ausgehend von seinem Umfeld an der Arbeitsstelle gemobbt und verfolgt gefühlt, sagte die Ärztin. Er habe ein Wahnsystem mit „halluzinatorischem Erleben“ aufgebaut, er vermutete beispielsweise Mikros in seiner Wohnung, er wähnte vom Haus gegenüber aus abgehört zu werden. Letztlich sah er sich einer Verschwörung ausgesetzt, die wolle, dass er homosexuell werde. Jankowski beschrieb, F. habe letztlich vermutet, seine Ehefrau sei auch ein Teil dieses Komplotts. Was sie natürlich nicht war, wie die Schwester und die Schwägerin, beide 26 Jahre alt, der Getöteten im Zeugenstand bekräftigten. Sie schilderten gleichlautend, dass es zwar manchmal Streit gegeben habe und in jüngster Zeit die Eifersucht beim Ehemann angestiegen sei, das alles sei jedoch völlig unbegründet gewesen.

Psychiaterin Jankowski stellte letztlich eindeutig fest: „F. handelte im Zustand der Aufhebung seines Einsichtsvermögens“, also dürfte F. in den Augen des Gerichts schuldunfähig sein und dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden. Am heutigen Donnerstag wird ab 9 Uhr vor der Schwurgerichtskammer plädiert, später noch soll eine Entscheidung vom Gericht verkündet werden.

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