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Projektchor „Stimmungsvoll“: Anspruchsvolles Programm zur Premiere

Von: ptj
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Ein hervorragendes Debüt, das auch höchstem Anspruch genügte, feierte der Projektchor „Stimmungsvoll“ in der Linnicher Pfarrkirche St. Martinus. Foto: Jagodzinska

Linnich. Mit einem überwältigen Raumklang-Erlebnis in der Pfarrkirche St. Martinus führte der Projektchor „Stimmungsvoll“ in sein erstes Konzert ein: In Chorgruppen in den Seitentrakten und im Eingangsbereich blieben die Sänger stehen und stimmten klar und rein die Klangstudie „Immortal Bach“ an. Die hatte den norwegischen Komponisten Knut Nystedt bei ihrer Veröffentlichung 1988 sogleich über die Grenzen seiner Heimat hinaus berühmt gemacht.

Ausgangspunkt der Klangstudie ist der Bach-Choral „Komm, süßer Tod“, der sich durch eine besonders raffinierte Clustertechnik mit nahe beieinanderliegenden Tönen zu einem raumfüllenden Klangerlebnis entwickelt.

Dirigentin ist Judith Mohr, die erst 23-jährige Studentin der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Mittlerweile wird sie im Studiengang Chorleitung künstlerisch ausgebildet, ist in zahlreichen Chören aktiv und wirkt als Stimmbildnerin und Assistentin bei der Kölner Kurrende. Ziel des neu gegründeten Chores, bestehend aus Sängern beiderlei Geschlechts aus Jülich und Umgebung, ist es, anspruchsvolle Chormusik in einem kurzen Zeitraum zu erarbeiten und aufzuführen.

Das erste „Stimmungsvoll“-Chorprojekt trug den Titel „Komm sel‘ge Ruh“. Zwischen den insgesamt acht vorgetragenen musikalischen Werken las Sonderpädagogik-Student David Mohr zur Thematik passende Besinnungstexte. „Gemeinsam suchen wir nach dem Sinn des Lebens und des Sterbens und wollen dem Tod in Text und Musik entgegentreten und einer Hoffnung Nahrung geben“, hieß es etwa darin. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, hieß die folgende Bach-Motette nach den Worten Jakobs, die zu den ersten Bibelworten über den Segen Gottes zählen.

Weiter ging es mit „Christus factus est“ von Anton Bruckner, ein harmonisch gestaltetes Graduale (Zwischengesang in der Liturgie), das die schmerzliche Stimmung des am Kreuz leidenden Jesus und gleichzeitig das Geheimnis seiner Erlösung wiedergibt. „Lass uns einschlafen mit guten Gedanken“, lautet hingegen eine Passage im anschließenden „Nachtlied op 138“ von Max Reger. Mit der Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die Rudolf Mauersberger 1945 nach der Bombardierung Dresdens unter dem Eindruck der Zerstörung komponierte, stieg die Dramatikkurve im Konzert wieder an. „Was wird mit mir sein, wenn ich nicht mehr aufwache? Selbst Jesus geriet in Todesangst“, lauteten rhetorische Fragen in David Mohrs Texten. In „Richte mich Gott, op. 78“ von Felix Mendelssohn Bartholdy baten die hervorragenden Sopranistinnen, Altistinnen, Tenöre und Bassisten Gott musikalisch um Schutz vor „den falschen und bösen Leuten“.

Das lateinische „Virga Jesse“ (Die Wurzel Jesse) mit „Alleluja“-Rufen verhieß im Anschluss den Frieden, den Gott durch Jesu Geburt der Welt gab. Mit dem „Weingarter Reisesegen“ mit althochdeutschem Text „Von 55 Engeln behüt“ von Wolfram Buchenberg endete das Konzert, wie es begonnen hatte – mit höchstem Anspruch. Mit enormer Stimmkraft und Intonationssicherheit meisterten die Sänger die sich reibenden Intervalle in archaischer Klang-Atmosphäre. Reichlich beklatscht wurden sie für ihre außerordentliche stimmliche Leistung und den Mut, sich zwischen Volkstrauertag und Totensonntag an ein solch herausforderndes Repertoire gewagt zu haben.

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