„Programm Jülich 2020“: Sprung in die Zukunft

Von: Otto Jonel
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Die Zitadelle ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt. Mit dem Gymnasium hinter den mächtigen Mauern symbolisiert sie die Verknüpfung von Historie und angehender moderner Forschung. Sie soll künftig (wieder) stärker als Veranstaltungort zur Attraktivität der Stadt beitragen. Foto: Jonel

Jülich. Die 70 Seiten passen bequem in den Heftordner, ohne ihnen prall zu spannen, Und doch steckt jede Menge Zukunft in ihnen. „Programm Jülich 2020“ heißt das Werk. Es zeigt die Leitlinien, an denen sich die Stadtentwicklung orientieren soll.

Es vereinheitlicht Begrifflichkeiten, wie Bürgermeister Heinrich Stommel erläuterte, es bündelt vieles von dem, was in der öffentlichen Diskussion als Leitbild oder Masterplan bezeichnet wird. Als Strategiepapier legt es Etappenziele fest und schafft in seiner ganzheitlichen Ausrichtung Verknüpfungen unterschiedlicher Bereiche des Sozialwesens „Stadt“.

Dabei sei man sich bewusst, betonte Stommel, dass manches von der Stadt nicht leistbar sei, wenn es um Stadtentwicklung gehe. Die „Beteiligung lokaler Akteure“ ist Bestandteil des Konzepts. Wichtig sei, über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren einen Rahmen abzustecken, der Jülich Perspektiven und Ziele aufzeigt.

Das Zukunftsprogramm ist „sehr breit aufgestellt“. Anders formuliert: Es lässt kaum einen Lebensbereich unberührt. Das dokumentiert ein Blick auf die Gliederung der neun Handlungsfelder: „Kommunikation und Außendarstellung“, „Wirtschaftsförderung“, „Einzelhandel und Nahversorgung“, „Öffentliche Infrastriktur, Flächenmanagement und Verkehr“, „Wohnen, Wohnformen und Bevölkerungsentwicklung“, „Bildung und Betreuung“, „Freizeit, Tourismus, Historie und Kultur“, „Soziales Umfeld und Gesundheit“ und „Klimaschutz, Energie und Umwelt“.

Die Ansätze sind vielfach nicht neu, sondern fußen auf Erfahrungen und Gutachten der jüngeren Vergangenheit, erklärte Dezernentin Katarina Esser, die neben dem Beigeordneten Martin Schulz und dem Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), Frank Drewes, von Verwaltungsseite maßgeblichen Anteil an dem „Programm 2020“ hatte, Alle neun Handlungsfelder wurden so genannten SWOT-Analysen unterzogen.

Auf einen kurzen Nenner gebracht, handelt es sich eine Gegenüberstellung von Stärken und Schwächen, aus denen sich Handlungsmaßgaben ergeben (SWOT steht für die englischen Begriffe Strength, Weakness, Opportunities, Threats, also Stärke, Schwäche, Chancen und Risiken).

Für den Bereich „Kommunikation und Außendarstellung“ heißt das Ziel: Wuchern mit den Pfunden Jülichs. Das Logo „Historische Festungsstadt, Moderne Forschungsstadt“ müsse noch deutlicher herausgearbeitet, die Stärken der Stadt noch bekannter gemacht werden.

Im Handlungsfeld „Wirtschaftsförderung“ müsste Frank Drewes eigentlich leise treten. Jülichs Schwäche besteht aus wenigen Worten: „Wir haben im Moment keine Gewerbeflächen mehr.“ Die Entwicklung des Gewerbegebiets Merscher Höhe sei zwar auf einem guten Weg, aber das braucht seine Zeit. Neben der Bestandsentwicklung, der zukünftigen Ansiedlung junger neuer Unternehmen, gelte das Augenmerk auch der Bestandssicherung.

„Jung“ ist auch ein Stichwort bei der Betrachtung der Entwicklung im Bereich Einzelhandel. Dem an sich starken Inhaber-geführten Einzelhandel in der Stadt fehlt es an „Jugendangeboten wie H & M oder Saturn“, auch ein Baumarkt und ein kleineres Möbelhaus würden der Stadt gut zu Gesicht stehen. Ansätze sind daneben auch die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt und die Behandlung der Leerstandsproblematik.

In diesem Zusammenhang taucht ebenso wie in Schwerpunkthandlungsfeld „Öffentliche Infrastruktur, Flächenmanagement und Verkehr“ der Walramplatz als „Entwicklungsgebiet“ auf. Das Thema sei nach dem Bouwfonds-Projekt, das vor mehr als einem Jahrzehnt scheiterte, nicht zu den Akten gelegt.

„Spannende Flächen“, so Martin Schulz, hat die Stadt einige. Das alte FH-Gelände, der Bereich Stadthalle/alte Schirmerschule/Zitadelle und das Realschulgelände zählten dazu. Das seien zum Teil äußerst attraktive Flächen für Wohnbebauung. Das käme einem Trend entgegen, auf den Drewes hinwies: Die Jülich-Rückkehrer, die sich nach Jahren außerhalb auf ihre Wurzeln besinnen.

Viele Stärken, kaum Schwächen weist der Bereich „Bildung und Betreuung“ auf. Wer nach Jülich kommt, finde eine „hervorragende und differenzierte Schullandschaft“ vor. Die Weichenstellung, dass die Stadt der großen Herausforderung gewachsen ist, rund 10000 jungen Menschen, die hier lernen und studieren, beste Bedingungen zu bieten, sei erfolgt, sagte Katarina Esser.

Einigen Handlungsbedarf sehen die Programmentwickler im Bereich „Freizeit, Tourismus, Historie und Kultur“. Neben der Ausweitung des (Veranstaltungs-)Angebotes etwa in Brückenkopf-Park und Zitadelle und der Profilierung der Stadt als touristisches Ziel müsse die Entwicklung im Hotelwesen mit einer unbefriedigenden Auslastung von nur 25 Prozent der Gesamtkapazität wieder in positive Bahnen gebracht werden.

Ein Schwerpunkt im Bereich „Soziales und Gesundheit“ ist der Ausbau der seniorengerechten Infrastruktur und des Status als familienfreundlicher Standort. „Barrierefreie Stadt“ ist ebenfalls „ein großes Thema“, sagte Katarina Esser.

Im Bereich „Klimaschutz, Energie und Umwelt hat Jülich schon sehr viel geleistet“, lobte Beigeordneter Schulz. Der Weg sei also schon vorgezeichnet.

Allein in die Sanierung des Schulzentrums werden bis Mitte 2014 rund 22 Millionen Euro investiert worden sein. Geplant fürs nächste Jahr sei auch die Einstellung eines Klimaschutzmanagers. Mit dem weiteren Ausbau des Solarkraftwerks der DLR schließlich werde der Ruf Jülich, „in Sachen regenerativer Energie weit vorn“ zu rangieren, gefestigt.

Bei der Fülle an Einzelfacetten und der Komplexität der Gesamtthematik „werden wir auf viele andere Akteure angewiesen sein“, sagte Bürgermeister Stommel. „Bei vielen Themen werden wir dicke Bretter bohren müssen.“

Um so wichtiger sei ein solches Kompendium wie das „Programm Jülich 2020“, das den Blick immer wieder auf das Ziel lenkt.

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