Pro Gästehaus, „sonst wäre alles für die Katz”

Von: Volker Uerlings
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Die Tage in den früheren Cont
Die Tage in den früheren Containern und heutigen „Baracken” sind mit dem Bau des Gästehaus-Komplexes für Dr. Dorothee Esser und die Park GmbH gezählt. Foto: Uerlings

Jülich. Nein, eine neue „Koalition” oder „Kooperation” gibt es im Jülicher Stadtrat nicht. Offiziell bleibt es bei wechselnden Mehrheiten. Es fällt allerdings auf, dass die beiden größten Fraktionen - CDU und UWG Jül - neben der FDP bei den großen Themen an einem Strang ziehen.

So war das auch beim Jugendgästehaus, dessen Finanzierungslücke von 2,4 Millionen Euro wie berichtet über einen Sponsoring- und Liefervertrag durch die Stadtwerke Jülich abgesichert wurde. Dem Vernehmen nach wurden noch Donnerstagabend die Verträge beim Notar unterzeichnet. Auf Bitte unserer Zeitung legten die Gästehaus-Befürworter in dieser Woche ihre Motive dar, warum sie die Einrichtung am Lindenrondell für unverzichtbar und finanziell machbar halten. Schließlich wendet die Stadt 1,5 Millionen Euro auf, und die Stadtwerke stehen nach dem Ratsbeschluss am Montag für bis zu 2,4 Millionen Euro gerade.

Peter Capellmann (CDU-Fraktionschef), seine Kollegen Heinz Frey (Jül) und Winfried Cremerius (FDP) sowie Landrat Wolfgang Spelthahn sind sich einig, dass der „Prophet im eigenen Land vollkommen unterbewertet” werde. So erklären sie sich auch, dass die Gegner des Projektes die touristischen Chancen der Stadt so skeptisch betrachten. Sie sehen Gästehaus, Bildungshaus und Energie-Pavillon unverrückbar mit dem Brückenkopf-Park verbunden.

„Der Park wird zwar nicht über Nacht durch das Gästehaus attraktiver, aber das ist der erste Schritt”, kündigt der Landrat an - und lässt aufhorchen. Bei keiner Stadt im Kreis sei das Potenzial so hoch wie hier. Jülich ist für Wolfgang Spelthahn das „Herzstück des Indelandes und der Energieregion”. Das werde künftig am Brückenkopf-Park deutlich. Weil viele im Kreis diese Auffassung teilten, habe er auch Mehrheiten für die Mittel aus dem Konjunkturpaket II (1 Million Euro) und der Entwicklungsgesellschaft Indeland (500000 Euro) problemlos erhalten.

Als wichtiges Zeichen wertet es Spelthahn, dass ein „renommiertes Unternehmen” wie die JUFA GmbH an Jülich glaube und 2,7 Millionen Euro investiere. „Sie bringen Bargeld, Knowhow und ein Management für 40 Jahre mit. Außerdem schaffen sie immerhin 20 Arbeitsplätze”, argumentiert Spelthahn. Wegen der vielen Finanzpartner beim Projekt wertet er den wohl wichtigsten Punkt so: „Die entscheidende Frage ist, ob das Projekt mit der Finanzkraft der Stadt kompatibel ist. Ich sage Ja, es ist eine einmalige Chance.”

Cremerius, Frey und Capellmann blasen ins selbe Horn. Der CDU-Fraktionschef: „Gerade jetzt, wo Indeland und auch die neue Innovationsregion mit ihren energetischen Schwerpunkten eine immer größere Rolle spielen, wird der Park für unsere Stadt richtig wichtig.” Von hier aus ließe eine „einzigartige Energieregion in Europa” (Frey) erschließen. Der Jül-Vertreter sagte auch: „Wenn wir jetzt nicht so handeln, dann wäre alles, was in der Vergangenheit in die Gartenschau und die Kulturdenkmäler investiert worden ist, für die Katz gewesen.” Und das waren zig Millionen Euro.

Auch das Risiko, das durch die kurzfristige Ratsentscheidung auf die Stadtwerke übergegangen ist, halten die Gästehaus-Unterstützer für überschaubar. Zum einen gewinne der Versorger mit dem Großkomplex einen neuen großen Kunden. Zum anderen würden weitere Sponsoren, die „Gewehr bei Fuß stehen”, den Aufwand erheblich reduzieren. Wer das genau sein soll, wurde indes wieder nicht gesagt.

Es deutet sich allerdings an, dass die von Kreis Düren, Stadtwerke Düren und Sparkasse Düren neugegründete Rur-Energie GmbH dabei eine Rolle spielen soll.

Das Quartett machte im Redaktionsgespräch auch klar, dass das Gästehaus nur der Anfang ist. Heinz Frey wurde konkret: „Wir brauchen auch das Schwimmzen-trum, und wir brauchen endlich auch ein Tagungshotel in Jülich.” Die Großeinrichtungen der Stadt kutschieren ihre zahlreichen Gäste nämlich teilweise im Stundentakt von Düsseldorf oder Aachen nach Jülich und zurück. Von dieser Wertschöpfung „sollte auch etwas im Kreis Düren bleiben”, genauer: in Jülich.

Die Herzogstädter werden laut Landrat übrigens mit dem Gästehaus um ein öffentliches Verkehrsmittel reicher. Die Rurtalbahn plant einen Shuttlebus vom Bahnhof zum Park und zum Gästehaus, der auf seiner Strecke natürlich auch als Citybus dient.
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