Prestigeauftrag aus Dubai öffnet Lopark einen riesigen Markt

Von: Volker Uerlings
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Der größte Auftrag der Firmengeschichte ist abgewickelt: Renate und Wolfgang Wetzler aus Jülich haben mit ihrem Niederzierer Traditionsunternehmen Lopark langfristig neue Märkte erschlossen. Foto: Uerlings

Niederzier/Jülich. Jeder Häuslebauer kennt das: Wenn viele Handwerker parallel arbeiten, ist Organisation alles oder das Chaos perfekt. Beim Bau des höchsten Gebäudes der Erde, des Turms (Burj) zu Dubai, schufteten zwischen 5000 und 6000 Kräfte - in einer Schicht! Mit dieser Beschreibung erklärt Wolfgang Wetzler aus Lich-Steinstraß, warum es bei der Errichtung des 818 Meter hohen Prestigeobjektes in dem Emirat zu zwei Jahren Verzögerung kam.

120 Arbeiter verlegten dabei das Edelparkett, das von der Anton Lorenz GmbH (Lopark) in Niederzier produziert worden war. Diesem Unternehmen stehen Renate und Wolfgang Wetzler als Geschäftsführer vor. Der größte Auftrag in der Firmengeschichte wurde reibungslos abgewickelt, was den Betrieb aber nicht vor allem bewahrte oder schützte.

Zum 30. September wurde das Sägewerk auf dem Lopark-Gelände in Huchem-Stammeln geschlossen. 23 Beschäftigte haben ihren Arbeitsplatz verloren. „Das Sägewerk hatte eine strategische Bedeutung für uns, als wir noch Massivholzparkett hergestellt haben”, sagt Wolfgang Wetzler. Aber der Markt hat dieses Produkt nicht mehr nachgefragt: Vor fünf Jahren musste die Produktion von Mosaik-Parkett eingestellt werden, vor zwei Jahren die von Stab-Parkett.

Inzwischen besteht Nachfrage in der Hauptsache nach Zwei-Schicht-Parkett, bei dem eine relativ dünne Holz-Nutzschicht mit einer Unterkonstruktion verleimt wird. „Darauf mussten auch wir uns konzentrieren”, berichtet Wetzler.

Lopark verwendet für den Unterbau zwar immer noch Eiche, aber dessen Herstellung hätte das eigene Sägewerk niemals ausgelastet, das zudem ausschließlich auf diese Holzart spezialisiert war. „Wir hätten hohe Summen investieren und einen neuen Markt schaffen müssen”, erklärt Wetzler weiter. Und weil dieses Risiko schwer zu überblicken schien, „haben wir uns entschlossen, das Sägewerk zu schließen”.

Das war für die 23 betroffenen Beschäftigten sicher ein Schlag ins Kontor, fiel aber auch der Geschäftsführung schwer. Das Ehepaar Wetzler blickt nun aber nach vorn, da sich das Unternehmen in anderen Segmenten sehr gut entwickelt und die weiteren 40 Arbeitsplätze sichert.

Der Prestigeauftrag in Dubai eröffnet Lopark neue Märkte und Perspektiven für das nächste Jahrzehnt. Wetzler: „„Vor zwei Wochen haben wir ein Hotel in Saudi-Arabien beliefert. Der Auftrag in Dubai war eine gute Sache für uns. Die Zukunft in den nächsten zehn Jahren spielt für unsere Branche in Abu Dhabi, Saudi-Arabien, Kuwait, Quatar.”

Oer weiter in Dubai, auch wenn das Emirat durch Schulden und Zahlungsschwierigkeiten in die Schlagzeilen geraten ist. Davon war Lopark im Sommer 2008, als die letzte Parkett-Lieferung für den Burj Dubai verschifft wurde, in keiner Weise betroffen. Über vereinbarte Anzahlungen und Vorkasse war der Material-Einkauf gesichert.

Das nächste Problem bestand darin, das Material fachgerecht zu verlegen. Wetzler: „Wir hatten ein Interesse daran, dass das funktioniert.”

Nach Versuchen mit einheimischen Arbeitern verpflichtete der Lopark-Partner am Golf, die Rohmix International, eine 120 Mann starke Fachkräfte-Crew, die die Aufgabe stemmte. „Der Bau war insgesamt nicht einfach. Die Leute auf 162 Etagen im Griff und unter Kontrolle zu halten, ist schwierig. Das ganz Bauprojekt war gigantisch und chaotisch”, berichtet Wetzler.

Und Überraschungen gab es allenthalben: Als die Handwerker zum Beispiel die Ausgleichsspachtelmasse mit Wasser aus der Leitung anrühren wollten, staunten sie nicht schlecht. 40 Grad heiß floss das Nass heraus, maximal 28 Grad sind zur Verarbeitung erlaubt. Da halfen nur Eiswürfel.

Am Ende hat für Lopark alles gepasst. Wenn am 4. Januar die „Eröffnung” gefeiert wird, strahlt auch das Produkt, das in der Gemeinde Niederzier hergestellt wurde.

Fertiggestellt ist der Turmbau zu Dubai aber Anfang 2010 noch nicht, weiß Wetzler aus eigener Anschauung. „Im Sommer vielleicht.” Sei# drum, das Ziel des deutschen Lieferanten ist erreicht - ein Vorzeigeobjekt erster Güte. Das spricht sich nicht nur in den Emiraten mit einer hohen Nachfrage nach exklusiven Produkten herum. Auch in Deutschland - zum Beispiel in Frankfurt am Main - kommt Lopark-Parkett zum Einsatz.

„Der Markt hat sich grundlegend geändert. Der Objektbereich ist enorm gewachsen”, sagt der Lopark-Geschäftsführer. Gemeint ist, dass der Betrieb nicht mehr die größten Mengen an Handwerker direkt absetzt, sondern Komplettpakete anbiete: Planung, Beratung, Produktion, Verlegung aus einer Hand. Wetzler: „Das ist die Zukunft.” Ob im Mittleren Osten oder um die Ecke.
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