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Pionier, Motor und Herz der Endoskopie geht in den Ruhestand

Von: Otto Jonel
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Noch ein Tag, dann geht seine
Noch ein Tag, dann geht seine Äre zu Ende. Dr. Budisetijadi Lie hat in diesem Raum vor 32 Jahren die Endoskopische Abteilung in Linnich augfgebaut. Im Januar wird ihn Verwaltungschef Jann Habbinga in der Räumend er neuen Endoskopie offiziell verabschieden.. Foto: Jonel

Linnich. „Noch habe ich nachts Alpträume.” Das sagt ausgerechnet einer, der am Mittwoch aus dem Berufsleben ausscheiden wird und einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man Dr. Budisetijadi Lie, Oberarzt am Linnicher St. Josef-Krankenhaus, erlebt.

Der Jung-Fünfundsechziger, am 4. Oktober hatte er Geburtstag, ist ein Energiebündel. Vorbereitung auf den Ruhestand fand so richtig nicht statt. Selbst in der Phase der Altersteilzeit mit reduzierter Stundenzahl war die Bremse nicht sein Pedal. Wenn er am Mittwoch geht, endet in Linnich eine unvergleichliche Ära. Dr. Lie war Pionier, Motor und Herz der Endoskopischen Abteilung des Linnicher Krankenhauses - und das seit 32 Jahren, in denen er weit über 30.000 Untersuchungen vornahm.

Studium an der Medizinischen Fakultät der University of Indonesia, Jakarta, 1966 Wechsel an die Naturwissenschaftliche Fakultät der Uni Köln und ein Jahr später an die Uni Göttingen. Am Krankenhaus Grevenbroich durchlief er die Chirurgie und die „Innere”, in der er als Funktionsoberarzt arbeitete.

Die nächste Station war Linnich, und hier blieb er bis heute. „Als ich vor 32 Jahren hierher kam, habe ich geweint”, sagt er. Nicht vor Freude. Im Gegenteil. In dem damals noch von Ordensschwestern geführten Haus sei alles alt gewesen. „Ich wollte nicht bleiben.” Doch er blieb und entdeckte seine Chance: Wo nichts ist, ist viel Platz für Neues. „Ich konnte hier alles aufbauen.” Das darf man getrost wörtlich nehmen.

Die Endoskopische Abteilung des Linnicher Krankenhauses ist Dr. Lies Lebenswerk. Er selbst hat sich den Ruf eines anerkannten Experten auf dem Gebiet der Ultraschalldiagnostik, für Magen und Darmspiegelungen und ERCP (Gallengang- und Bauchspeicheldrüsengang-Diagnostik) entwickelt. Spitzbübisch betont er, dass er sich seine Fertigkeiten quasi als Autodidakt angeeignet hat. So was lerne man eigentlich in großen Kliniken. Dr. Lie schaute im Rahmen von Hospitanzen den „Meistern ihres Fachs” über die Schultern - „und das habe ich mir dann gemerkt”.

Bis 2001 war Dr. Lie im Grunde der Mann für alles, was mit dem Blick ins Innere des Patienten zu tun hatte. Erst dann erfolgte die Dreiteilung in die Gastroenterologie, die Nephrologie (Nierenheilkunde) und Kardiographie mit den entsprechenden Personalien.

Der unglaublich klingende „Durchsatz” von 3700 Untersuchungen pro Jahr ist freilich nicht nur klinisch-stationär begründet. Dr Budisetijadi Lie besitzt seit 1985, abgesehen von einer relativ kurzen Unterbrechung, die Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung für gastroenterologische Leistungen, von der Magen- oder Darmspiegelung bis hin zur routinemäßigen Voruntersuchung.

Er übernimmt also die Rolle eines niedergelassenen Facharztes, an den die Allgemeinmediziner Patienten zur ambulanten Untersuchungen überweisen. Sein Untersuchungsraum, in dem sich mittlerweile auch ein ansehnliches Instrumentarium befindet, ist im Übrigen immer noch der, der ihm 1980, als er ihn betrat, die Tränen in die Augentrieb.

Dieses gewaltige Pensum zu bewältigen halfen ihm zwei Faktoren. Man sagt Lie nach, dass er ein sehr strukturierter „Arbeiter” sei, der Abläufe klar vorskizziert. Der zweite Faktor ist menschlich: „ Ich habe hier das beste Team”, schwärmt er. Die siebenköpfige Mannschaft ist eingespielt. Auf si wird sich Lies Nachfolger, Dr. Christian Rabe, stützen können.

Rabe ist bereits seit Februar im Haus um künftige Abteilung von Grund auf kennen zu lernen. Offiziell vorgestellt wird er Mitte Januar 2013 bei der Verabschiedung von Dr. Lie und der gleichzeitigen Eröffnung der neuen Endoskopischen Abteilung am St. Josef-Krankenhaus Linnich. Damit wird der beginn einer neuen Ära eingeläutet.

Dr. Budisetijadi Lie, dem Linnich in den vergangenen 32 Jahren zur Heimat geworden ist, wird jetzt erst einmal für einige Zeit zur seinen Verwandten nach Indonesien fliegen. Auch, „um den Kopf frei zu bekommen” und seinen neuen Lebensabschnitt zu durchdenken. „Ich habe keine Hobbys - nur Krankenhaus.” Bei dem Elan, der in Dr. Lie noch nicht erloschen ist, dürfte ihm eine sinnvolle Beschäftigung für die Zeit nach einem erfüllten Berufsleben danach schon einfallen.
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