Perfide Tricks: Betrüger haben Hochkonjunktur

Von: Stephan Johnen
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Sind dubiose E-Mails im Postfach gelandet? Neben den Beratungsangeboten der Polizei empfiehlt Kriminalhauptkommissar Friedhelm Fink das „Phishing-Radar“ der Verbraucherzentrale NRW. Dort gibt es viele Tipps und Infos. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Die Zahl der Betrugsfälle im Kreis Düren ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, ein Großteil der Fälle findet im Internet statt. Beinahe jede Woche warnt die Dürener Polizei aber auch vor Betrügereien an der Haustür. Welche Maschen gibt es? Und wie kann man sich schützen?

Darüber sprach Stephan Johnen mit Kriminalhauptkommissar Friedhelm Fink vom Kommissariat Vorbeugung.

Herr Fink, die Polizei und auch die Verbraucherzentrale werden nicht müde, vor Betrügern zu warnen. Warum sind diese dennoch „erfolgreich“?

Fink: Uralte Maschen funktionieren auch im Internet-Zeitalter noch, sie werden nur überarbeitet. Im Kern geht es darum, ein Opfer durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zu täuschen und sich an dessen Vermögen zu bereichern. Ausgenutzt werden dabei immer menschliche Schwächen wie Hilfsbereitschaft und Neugier, aber auch Eitelkeit und Gier. Betrüger haben Hochkonjunktur.

Welche Betrügereien werden oft an der Haustür versucht?

Fink: In der Regel sind ältere Menschen die bevorzugten Opfer. Die Betrüger sind geschult darin, ihre Opfer zu verwirren, sie mit erfundenen Geschichten emotional zu berühren und zu überfordern. Manche geben sich ganz selbstbewusst und überzeugend als Enkel oder Sohn aus, manche erscheinen in Arbeitskleidung und verlangen als Wasserwerker Zutritt zu der Wohnung, um etwas zu kontrollieren. In solchen Fällen sollte man nie überstürzt die Tür öffnen – und ruhig die eigenen Verwandten oder die Stadtwerke anrufen. Wer keinen Besuch erwartet, sollte entsprechend misstrauisch sein und sich auf keinen Fall unter Druck setzen lassen. Oft werden von vermeintlichen Verwandten die wildesten Geschichten erzählt, warum gerade jetzt größere Bargeldsummen benötigt werden.

Diese Masche zieht?

Fink: Die Täter überrumpeln ihre Opfer. Wir hatten schon Fälle, da haben Betrüger Opfer sogar zum Geldautomaten begleitet. Manche Straftat ist aber noch auf der Bank vereitelt worden. Gerade in den Zweigstellen kennen die Berater ihre Kunden. Wenn plötzlich größere Summen Bargeld abgehoben werden finde ich es richtig, wenn freundlich nach den Gründen gefragt wird.

Immer wieder wird davor gewarnt, dass Betrüger im Internet und am Telefon Daten wie Kontoverbindungen ausspähen. Wie kann man sich vor „Phishing“ schützen?

Fink: Misstrauen schadet nicht. Generell sollten Nutzer keinem Link in dubiosen E-Mails folgen, keine Anhänge öffnen und keine Programme installieren. Kein Geldinstitut verschickt Mails, die die Leser zu einer Transaktion oder Preisgabe von Daten auffordern. Da auch Kleinvieh Mist macht, sollte jeder Bankkunde Kontoauszüge nach kleineren Abbuchungen prüfen. Manchmal fällt so etwas erst auf den zweiten Blick auf. Und ein zweiter Blick lohnt sich immer. Das gleiche gilt auch bei Telefonaten. Mit wenigen Fragen haben geschulte Anrufer alle Daten, die sie brauchen. Oft werden Gewinne vorgetäuscht, die überwiesen werden sollen. Dafür müssten nur noch die Kontodaten abgeglichen werden. Fragen wie „Ihre Kontonummer lautet doch soundso“ sollten einen hellhörig werden lassen. Und sie sollten nicht beantwortet werden. Lassen Sie sich niemals ausfragen!

Ist das Internet auch für Betrüger das Netz der ungeahnten Möglichkeiten?

Fink: Ein Großteil aller Fälle findet dort statt. Die Maschen sind zum Teil perfide. So werden teure Dinge in Auktionshäusern billig verkauft. Die Freude des Käufers endet abrupt, wenn er beispielsweise nur die Originalverpackung des neuen Smartphones in der Hand hält. Genauso, wie es im Kleingedruckten geschildert war. Von Schnäppchen, die zu schön sind, um wahr zu sein, sollte man die Finger lassen. Es gibt aber auch Maschen, bei denen Betrüger über soziale Netzwerke über Wochen und Monate richtige Vertrauensverhältnisse zu Menschen aufbauen – um diese dann auszunutzen. Meistens geht es irgendwann um Geld. Viele Betrüger nutzen die Hilfsbereitschaft, aber auch die Einsamkeit vieler Menschen schamlos aus.

Welche Chancen hat die Polizei, die Täter zu ermitteln?

Fink: Gerade bei Internet-Betrug sitzen die Täter oft im Ausland. Jede Straftat wird von der Polizei verfolgt, aber oft genug werden die Ermittlungen eingestellt.

Gibt es eine Regel, die man sich immer vor Augen halten sollte?

Fink: Großes Misstrauen ist der Schlüssel zum Erfolg, könnte man vielleicht überspitzt sagen. Aber ich setze vielmehr auf das sogenannte gesunde Misstrauen, das Bauchgefühl.

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