Olaf Becker: Das Erfolgsrezept des Meistertrainers

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Nach siebenjähriger Pause als Trainer in Bourheim kehrte Olaf Becker im Septemner letzten Jahres wieder auf die Alemannia-Kommandobrücke zurück. Und mit ihm kam dann auch der Erfolg. Foto: hfs.
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Die Meistermannschaft von Alemannia Bourheim freut sich auf eine spannende Saison in der Kreisliga A. Foto: hfs

Bourheim. Der FC Alemannia Bourheim 1913 ist am Ziel. Ein Jahr nach dem hundertjährigen Bestehen glückte der Mannschaft um Trainer Olaf Becker der Aufstieg in die Kreisliga A. Bis zum letzten Spieltag lieferte man sich mit dem Hambacher Spielverein ein überaus spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende machten gerade einmal drei Punkte den Unterschied zum „kleinen HSV“ aus.

Damit kehrt die Alemannia nach 14-jähriger „Abstinenz“ wieder in die Liga zurück, in der man Jahrzehnte lang Erfolge feierte. Erfolge, die nicht planbar sind, wie Trainer Olaf Becker im Gespräch mit Helmut Schiffer unter anderem verdeutlichte.

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg,

Becker: Dankeschön.

....der ein Jahr zu spät kommt, schließlich war der doch für das 100-jährige Bestehen angedacht.

Becker: Stimmt. Aber man sieht, so etwas kann man einfach nicht planen, auch wenn damals eigentlich die Gegebenheiten da waren. Aber man braucht in den entscheidenden Spielen auch das Quäntchen Glück. Zum Beispiel in der 83. Spielminute ein 1:0, obwohl unser damaliger Gastgeber Niederzier mehrmals die Chance zum Führungstreffer hatte. Aber neben einer guten Mannschaft muss auch gegeben sein, dass der Sport allen Beteiligten Spaß macht. Dies war in diesem Jahr das Besondere, deshalb sind wir auch Meister geworden.

Worin besteht der konkrete Unterschied zwischen dem Team der Saison 2012/2013 zur jetzigen Meistermannschaft?

Becker: Da nenne ich einfach die Faktoren Spaß, Kameradschaft, Einsatzwillen, Trainingsbeteiligung. Erfahrene Spieler, so wie im Jubiläumsjahr, meinen oft, ohne Training auskommen zu können. Eine Fehleinschätzung, denn diese Auffassung teilen 18- oder 19-Jährige nicht. Wenige erfahrene Leute, daneben junge und willige Spieler sind eine Mischung, mit der du als Trainer gute Karten hast.

Also trifft im Nachhinein zu, was man damals von der Alemannia gesagt hat: „Eine Truppe voller Altstars, bei denen die Kondition nicht für 90 Minuten reicht“?

Becker: Dem muss ich zustimmen, denn Kondition bekommt man nur, wenn man regelmäßig trainiert, nicht nur einmal im Monat. Jetzt waren es die erfahrenen Spieler wie Mohamed Aitougrame, MHammed Aitougrame, Francesco Alberga oder Tahsin Cimen, die mit meinen jungen Akteuren die nötige Bereitschaft zeigten, sich als Führungsspieler erwiesen, und so eine eingeschworene Gemeinschaft bildeten. Nicht nur in den Spielen, sondern intensiv auch bei den Trainingseinheiten.

Jetzt steht die Meisterschaft fest, ein Ziel, das eigentlich zu Saisonbeginn nicht genannt wurde.

Becker: Dies bedarf einer Erläuterung. Wir haben nach der vorletzten Saison eingesehen, dass wir mit den so genannten Alten nicht weiterkommen, haben deshalb auf junge und talentierte Spieler gesetzt. Zudem wollten wir unser Image verbessern, denn wir waren als arrogante, ja, man kann fast sagen, als Schläger-Truppe verrufen. Viele rote Karten, Schlägereien mit Zuschauern oder Auseinandersetzungen mit gegnerischen Spielern, all dies hatte zu unserem schlechten Ruf beigetragen. Da wir nicht wussten, wie die neue Ausrichtung mit der Imageverbesserung und mit 15 neuen Spielern verlaufen würde, haben wir bewusst kein Saisonziel genannt. Mit Mario Nacev – auf Wunsch der Spieler installiert – sollte dies als Coach gelingen. Aber die Saison fing mit dem Pokalspiel in Niederzier an, endete mit einer Schlägerei, Mario im Mittelpunkt. Eine Woche später Turnier in Kirchberg, rote Karte für Mario Nacev. Der Vorstand zog die Reißleine, ich wurde gefragt, ob ich das Traineramt übernehmen würde. Das war im September. Nach siebenjähriger Pause stand ich wieder bei der Alemannia als Trainer an der Außenlinie.

Damit kamen dann „Zucht und Ordnung“ in die Mannschaft?

Becker: Wenn man so will, ja. Ich muss aber dazu sagen, dass zum Beispiel Spieler wie Michael Leimbach oder Tobias Logen in der Mannschaft sind, die ich schon als Zwölfjährige trainiert habe, mit deren Vätern ich 1989 in die Kreisliga A aufgestiegen bin, wir ein Superverhältnis haben, was sich auf die ganze Mannschaft übertrug. Es passte einfach alles zusammen.

Wann ist denn erstmals der Gedanke beim Trainer aufgekommen, ganz oben mitmischen zu können?

Becker: Als wir in Lich-Steinstraß und Hambach gewonnen hatten, da preschten die Spieler nach vorne, meinten, die Aufstiegschance zu wittern. Aber ich weiß, was alles an Unwägbarkeiten kommen können, fehlendes Glück, Verletzungen, eine schlechte Serie, nichts ist planbar. So stand die Niederlage bei Aldenhoven/Pattern sicherlich nicht auf dem Plan, auch nicht die überragende Rückrundenserie, in der wir von 17 Spielen nur eins 1:3 in Koslar verloren haben. Und dies, weil an diesem Tag unsere Chancenauswertung grottenschlecht war, zudem der Koslarer Keeper über sich hinaus gewachsen ist und sensationell gehalten hat.

Am Ende hat dann die spielerisch stärkste Mannschaft verdient den Aufstieg geschafft?

Becker: Ja, dem würde ich zustimmen.

Wie geht es denn bei der Alemannia weiter, in der neuen Umgebung?

Becker: Ich werde als Co-Trainer die zweite Mannschaft übernehmen, werde natürlich meinen Nachfolger Dirk Lehmann in der A-Liga unterstützen. Wir versuchen, die Reserve-Spiele freitags stattfinden zu lassen, angedacht ist zudem, die A-Liga-Paarungen samstags austragen zu können. Denn Dirk Lehmann möchte als Spielertrainer tätig sein, dies lässt er sich auch nicht mit 42 Jahren nehmen.

Apropos Dirk Lehmann, der bringt nicht nur seinen Sohn Dennis von Borussia Freialdenhoven mit zur Alemannia?

Becker: Das ist richtig, denn auch sein zweiter Sohn Marvin wird das Trikot der Alemannia überstreifen. Darüber hinaus haben aber auch weitere Borussen wie Jens Meurer, Jens Engert, Yassin Bourhil oder Muhammed und Ali Türkmen zugesagt. Vom alten Kader bleiben alle 24 Spieler, hinzu kommen insgesamt 22 neue. Für uns als Trainer sicherlich künftig keine leichte Aufgabe. Aber ich glaube, dass wir beste Voraussetzungen haben, dass das Fußballspielen auch in der neuen Saison für alle Beteiligten in Bourheim zu einem Erlebnis wird. In beiden Mannschaften.

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