Österliche Tradition: Fünf Mal innere Einkehr bis zum Gipfel

Von: ptj
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Sechste und letzte Station des
Sechste und letzte Station des Kreuzwegs die Sophienhöhe hinauf ist traditionell das Gipfelkreuz. Foto: Jagodzinska

Stetternich. Erneut war Hunderten von Teilnehmern der steile Prozessionsweg bis zum Gipfelkreuz auf der Sophienhöhe eine Herzensangelegenheit. Sechs Mal wurde Halt gemacht, um sich dort „Stationen des Loslassens zu stellen und sich daran zu erinnern, dass Gott selber sich auf diesen Weg eingelassen hat”.

Konny Keutmann, Pfarrer der veranstaltenden Pfarre St. Rochus Jülich, führte gemeinsam mit Markus Kieven vom Liturgiekreis an der ersten Station in das Thema ein.

Er erinnerte an die „vielen kleinen, täglich gestorbenen Tode, die immer mit Loslassen einher gehen”. Als Hilfestellung, „trotz aller Dramatik des Lebens die Hoffnung nicht zu verlieren”, las der Priester aus Psalm 23: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.”

Unterthemen

Stets eingeleitet vom gemeinsamen Liedruf „Aus der Tiefe zu dir ruf ich, Herr erhöre mich” reflektierten, sangen und beteten die Gläubigen an den Stationen zu je einem Unterthema, das im Anschluss symbolisch an das mitgetragene Kreuz genagelt wurde. „Macht-los” hatten die Trierpilger ihren Beitrag an der zweiten Station benannt.

Sie schlugen einen Bogen von der „Hilf- und Machtlosigkeit zur Handlungskultur”. Wann „wir uns machtlos fühlen”, machten sie an einigen Beispielen fest. Sie betonten: „Nur bei uns selbst schreien wir auf”, um daran zu erinnern: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine”.

An der dritten Themenstation „Schutz-los” besannen sich die Kommunionkinder St. Rochus darauf, wie die „Soldaten Jesus der Lächerlichkeit preis gaben”, und spürten dieser Schutzlosigkeit mit eigenen Beispielen nach. Darin retteten Freunde einander aus gefühlten Notsituationen wie Mobbing oder Versagen. „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her...”, sangen sie zum Abschluss.

Eigene Station

Kommunionkinder aus Welldorf/Güsten begleiten im Übrigen bereits seit einigen Jahren mit ihrer Katechetin den Kreuzweg. Auf ein Angebot Keutmanns hin werden sie demnächst eine eigene Station vorbereiten.

Zum Thema „Trost-los” hatte sich die Frauengemeinschaft für die vierte Station Gedanken gemacht: „Du bist als Mensch ein Verlierer, du kannst nichts festhalten. Ohne die unsterbliche Liebe am anderen Ufer erscheint alles trost- und sinnlos.” Hoffnung brachte hier die „Legende vom Senfkorn”, in der eine betrübte Frau auf der Suche nach dem „Zaubersenfkorn” sich mit dem Leid anderer befasst und darüber ihr eigenes Anliegen vergisst.

Die Freie Evangelische Gemeinde, die seit sieben Jahren am Kreuzweg teilnimmt, hatte die fünfte Station „Wert-los” vorbereitet. Pastor Simon Diercks verlas einige „Gedankensplitter” zum Thema, begleitet von einer Lesung aus Markus 15,22 aus der neuen Basis-Bibel.

Hierbei handelt es sich um die weltweit erste Übersetzung für die elektronischen Medien in einer Sprache, die deren Nutzer verstehen. „Jesus lässt los. Er lässt seinen Wert los, den der Selbstbestimmung, Unversehrtheit, Eigentum und Ansehen, seines Werkes. Und du? Kommt dir das bekannt vor, dich wertlos zu fühlen?”, lautete Diercks rhetorische Frage. „Du bist Jesus so wertvoll, dass er allen Wert loslässt. Es ist dein Karfreitag”, war sein Resümee.

„Macht-los” war schließlich die sechste, vom Liturgiekreis vorbereitete Station am Gipfelkreuz überschrieben. „Wo ist denn dein Gott, wenn dein Schrei nach Hilfe selbst von ihm nicht gehört wird?” Auf diese entscheidende Frage folgten die Deutung: „Er wollte es wissen, wie es ist, Gott-los zu sein” und die letzten Worte Jesu: „Eloi, Eloi, lema sabachtani?” (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen). In der Gewissheit, dass das helle österliche Licht das Dunkel des Karfreitags ablöst, machten sich Gläubigen wieder an den Abstieg.
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