Nicht jeder Riss ist zwingend ein Bergschaden

Von: Jörg Abels
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Ein Riss in der Hauswand: Wie man erkennen kann, ob es sich womöglich um einen Bergschaden handelt, erklärten Experten in Niederzier. Foto: imago/Steffen Schellhorn

Niederzier/Kreis Düren. Ein Riss in den eigenen vier Wänden ist der Alptraum für jeden Hausbesitzer. Es droht eine kostspielige Reparatur. Dass viele Immobilieneigentümer im Rheinischen Braunkohlerevier den Tagebaubetrieb als Verursacher verdächtigen, liegt nahe. Nur 15 Prozent der rund 270 jährlich neu gemeldeten Fälle aber werden von RWE Power auch als Bergschaden anerkennt.

Ein Grund für die Diskrepanz: Die für den Tagebaubetrieb unerlässlichen Grundwasserabsenkungen allein lösen noch keine Setzungsrisse aus, erklärte Johannes Schürken, Vorstandsmitglied im Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer (VBHG) am Rande des ersten Bergschadensforums, bei dem Experten von Hochschulen, Verbänden und der Bezirksregierung Köln Vertretern von Kommunen und Behörden, aber auch Sachverständigen in Niederzier einen Überblick über ihre Erfahrungen mit Bergschäden gaben.

Unerlässlich für einen Bergschaden sei eine weitere Voraussetzung, erklärte Schürken: Das Haus müsse entweder in einem von Grundwasserabsenkungen besonders beeinflussten Auengebiet liegen oder auf einer sogenannten tektonischen Störzone stehen, an deren Grenze sich der Boden unterschiedlich stark durch die Grundwasserentnahme senkt. Dies gelte es, im Einzelfall genauestens zu prüfen, sprach er von oft langjährigen Analysen.

„Ein diagonaler Riss, der sich vom Keller aus durch das Gebäude zieht, könnte auf einen Bergschaden hindeuten”, erklärte Schürken weiter. Muss er aber nicht. „Jeder Hausbesitzer sollte auch überlegen, welche baulichen Veränderungen er in den zurückliegenden Jahren angebracht hat”, empfahl Prof. Jürgen Güldenpfennig von der RWTH Aachen und machte deutlich, dass Setzungsrisse auch andere Ursachen haben können: defekte Regenfallrohre oder Kanalhausanschlüsse beispielsweise, die den Untergrund ungleichmäßig verformen - für den Laien nicht oder nur sehr schwer einzuschätzen.

Um so wichtiger ist deshalb, dass seine Rechte in der oft langwierigen Beantwortung der Frage, jetzt noch einmal durch die angekündigte Einrichtung einer Anrufungsstelle bei der Bezirksregierung Köln gestärkt wurden. „Wir sind davon überzeugt, dass die Qualität unserer Arbeit bei der Überprüfung etwaiger Bergschäden von dieser Anrufungsstelle bestätigt wird”, betonte Alois Herbst, Liegenschaftsleiter von RWE Power.

Denn wird ein potenzieller Bergschaden gemeldet, ist es zuerst einmal RWE Power, das den Fall prüft, dokumentiert, die geologische und hydrologische Situation analysiert und bewertet. Für den Hauseigentümer ist dies ebenso kostenlos wie eine „Technische Vorprüfung”, die der VBHG im Rahmen der Gesamtmitgliedschaft der Revierkommunen anbietet. „In rund 85 Prozent können wir danach zutreffende Aussagen machen, ob ein Bergschaden vorliegt”, erklärte Schürken.

Nach einer RWE-Prüfung könnte freilich der Eindruck bleiben, das Unternehmen würde sich aus der Verantwortung stehlen. Dem widersprach Herbst mit der Versicherung, alle gewonnenen Erkenntnisse inklusive einer ausführlichen Stellungnahme zur Schadensursache offenzulegen.

Bevor ein Hauseigentümer gezwungen ist, bei einem negativen Bescheid auf eigene Kosten die RWE-Erkenntnisse überprüfen zu lassen und womöglich zu klagen, kann er sich in Zukunft - ein weiteres Mal kostenlos - noch an die Anlaufstelle richten.

Sie soll bis zum Sommer mit einem Vorsitzenden mit Befähigung zum Richteramt sowie je einem Beisitzer von Seiten des Antragstellers und von RWE eingerichtet werden und dazu beitragen, das Kostenrisiko des Klageweges zu vermeiden, erklärte Heribert Hundenborn von der Bezirksregierung Köln.
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