Jülich/Düren - Neue S-Bahn-Gleise und Digitaloffensive im Kreis Düren?

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Neue S-Bahn-Gleise und Digitaloffensive im Kreis Düren?

Von: Volker Uerlings
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Hambach: einer von drei Tagebauen im Kreis Düren. Was passiert, wenn die Kohle-Kommission ein vorzeitiges Ende der Förderung vorschlägt? Dietmar Nietan (MdB/SPD) und Patricia Peill (MdL/CDU) setzen beim Strukturwandel auf massive Investitionen in die Infrastruktur im Kreis Düren. Foto: Abels

Jülich/Düren. Marketingstrategen suchen gern nach „Alleinstellungsmerkmalen“. Sie kurbeln den Verkauf an. Der Kreis Düren hat davon in den Bereichen Forschung, Industrie und Tourismus sicher durchaus Taugliches im Angebot, aber auch eines, dessen Tage gezählt sind. Er ist die einzige Gebietskörperschaft in Deutschland mit drei Braunkohletagebauen. Inden und Hambach liegen mittendrin, und bei Titz-Jackerath grenzt der Kreis auch noch an Garzweiler. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass das Düren-Jülicher Land in besonders starker Weise von einem vorzeitigen Ausstieg betroffen sein wird. Über einen solchen berät gerade die vom Bund eingesetzte Strukturkommission und soll bis Oktober zu einem Ergebnis kommen. Was dann?

Weil sich Druck und Dynamik nun enorm erhöht haben, starteten die Landesbezirke der Gewerkschaften Verdi sowie Bergbau, Chemie, Energie am Freitag einen Revier-Appell und stellten ein Instrumentarium vor, mit dem der Strukturwandel zu schaffen sein könnte (siehe auch Titelseite und „Region & NRW“). Aber wo und wie sollen ganz konkret über 30000 Arbeitsplätze (im gesamten Rheinland) ersetzt werden?

Diese Frage stellte die Redaktion zwei politisch Verantwortlichen aus dem Kreis, die in Berlin und Düsseldorf nah am Thema Strukturwandel dran sind: Dr. Patricia Peill (MdL/CDU). Sie ist einzige Abgeordnete aus dem Wahlkreis Düren I im Landtag und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Landesplanung. Und Dietmar Nietan (MdB/SPD). Er ist von Parteichefin Andrea Nahles nun als einer von drei Leitern eines hochkarätig besetzten Arbeitskreises „Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung“ ernannt worden, der die Kohle-Kommission begleiten soll – „darüber habe ich mich sehr gefreut“. Beide Parlamentarier haben ohne Zögern den Revier-Appell der Gewerkschaften am Freitag unterzeichnet. Sie liegen auch inhaltlich nah beieinander.

Nietan: „Ich schlage vor, wir investieren in Infrastruktur. Das Rheinische Revier wird zu einer Sonderzone, in der der Breitbandausbau in besonderer Weise vorangetrieben wird. Wären wir die Region mit den leistungsfähigsten Breitbandangebot, wäre das ein Standortvorteil für Unternehmen, die sich im Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0 betätigen.“ Patricia Peill pflichtet ihm bei: „Wenn wir den Breitbandausbau priorisieren und in allerbester Form ausstatten, zieht das Firmen an. Ich bin für Gewerbegebiete, die Wertschöpfung bringen.“

Und ein solches sehen Nietan und Peill im Brainergy-Park Jülich, der sich gezielt an Unternehmen richtet, die die Energiewende und die „Erneuerbaren“ voranbringen wollen. Sie können in der Herzogstadt gleich drei wissenschaftliche Einrichtungen „anzapfen“. Das Areal, das auch „normale Flächen“ beinhaltet, wäre zugleich großes Energiewende-Versuchslabor.

Dieser Themen-Park, den die Kommunen Niederzier, Titz und Jülich gemeinsam auf den Weg bringen wollen, könnte Ziel einer weiteren Initiative sein, die den Wandel durch Infrastruktur vorantreibt. Dietmar Nietan plädiert für eine neue Gleisverbindung von Jülich in den Kölner Raum, von der weite Teile des Kreises profitierten: die S-Bahn von der Merscher Höhe nach Bedburg. Damit würde eine weitere direkte Anbindung in den Ballungsraum geschaffen, die es in Düren und Merzenich schon gibt, und man könnte den Osten des Kreises nicht nur für Berufspendler attraktiv machen, sondern auch für neue Einwohner, die im Großraum Köln kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden. Denen müssten passgenaue Wohngebiete in Arbeitsplatznähe angeboten werden: „Campus-Landschaften“. Würde das gelingen, wäre ein Gürtel vom Süden Nörvenichs über Merzenich, Niederzier, Titz inklusive der großen Städte Düren und Jülich sehr viel besser angebunden. Dass auch die fehlenden sechs Kilometer Schienen von Linnich nach Baal kommen müssten, um den Kreis wieder an die Strecke Aachen-Düsseldorf anzuschließen.

Letztlich bringt Patricia Peill einen Vorschlag, der kurzfristig bedeutsam werden könnte: die Strukturwandel-Region durch einen Sonderstatus von bürokratischem Ballast beim Planungsrecht zu befreien. Denn: „Wenn der harte Brexit kommt, dann suchen englische Firmen gute Orte und gute Flächen. Wir haben sie.“ Dazu aber müsste es schnell gehen...

 

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