Natur-Sirenen und zwei lustlose Großkatzen

Von: Volker Uerlings
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Bei den Luchsen stand in diese
Bei den Luchsen stand in diesen Tagen Ratte auf dem Speiseplan. Das Paar ist zwar immer hungrig, aber nicht eben heißblütig. Foto: Uerlings

Jülich. Die Polizei hat davon keine Ahnung, die Feuerwehr auch nicht. Und selbst die Rettungsdienste sind arglos. Dabei haben alle, die mit Blaulicht und Tatütata über die Aachener Landstraße brausen, vollkehlige Unterstützung auf acht Beinen.

Die beiden Wölfe im Brückenkopf-Zoo nämlich halten die Sirenen der Einsatzfahrzeuge für Artgenossen und heulen mit, jedes Mal und so laut es geht. Die grauen Eminenzen wirken ohnehin häufig nervös, aber das ist ihre Natur. Wachsamkeit hilft halt, wenn sich in freier Wildbahn Fressfeinde oder Beute nähern. Gleich nebenan ist das „Jülicher” Luchs-Duo zu Hause. Alle vier Frischfleisch-Fans im Zoo der Herzogstadt haben im nächsten Jahr eine Gemeinsamkeit: Sie sind beim Speisen nicht mehr unbeobachtet. Die „Fütterung der Raubtiere” wird vielmehr öffentlich, um den Park- und Zoo-Besuchern noch mehr zu bieten.

Das ist eine und verhältnismäßig kleine Neuerung, die dem jüngsten Jülicher Tierpfleger Henry Fischer für die Zukunft vorschwebt. Dazu zählen auch die Einführung neuer Zoo-Bewohner wie Katta-Affen und Erdmännchen oder eines Streichelzoo-Bereiches, wie Fischer vor einigen Wochen beim Brückenkopf-Verein darlegte. „Wir müssen sehen, was machbar ist”, sagt Fischer und meint neben der Finanzierung auch die Behörden, die ein Wörtchen mitzureden haben.

Ein größeres Gehege für die beiden Luchse steht auch auf Fischers Ideenliste. Möglicherweise könnte das den langbeinigen Großkatzen auch im „Eheleben” zum Durchbruch verhelfen. Die Zoo-Experten wissen nicht so recht, warum Kater und Katze bislang keinen Nachwuchs in die Welt gesetzt haben. Theoretisch könnte das auch am Gehege liegen, das dem Paar nicht passt und die Libido einschränkt, mutmaßt Fischer, um das gleich wieder zu verwerfen: Er kenne Zoos, wo sich Luchse auf viel kleinerem Raum „lustig vermehren”.

Eventuell sind es auch biologische Gründe: etwa dass die Dame unfruchtbar sei „oder der Kater nicht kann”. Letzteres ist bei den Wölfen am Brückenkopf definitiv der Fall. Die Fortpflanzung der Isegrims wurde dauerhaft operativ verhindert. Das war vor einigen Jahren anders, aber da war dann das Rudel gleich so stark, dass es die Kapazitäten sprengte.

Das Profil hat sich bewährt

Was passiert, wenn die Wölfe einmal nicht mehr sein sollten, muss man sehen. Im Moment sind sie sicher ein „Zugpferd” des kompakten Zoos und sollen wie auch die Luchse bei öffentlichen Fütterungen den Besuchern buchstäblich näher gebracht werden.

Sein Profil als kleiner Tierpark, der mit heimischen Arten Akzente setzt, soll der Brückenkopf-Zoo nicht verlieren. Das sei wichtig und richtig, weiß Fischer, schließe aber ja Veränderungen und Ergänzungen, die die Attraktivität steigern, nicht aus.

Natürlich sind alle Neuerungen auch und vor allem eine Kostenfrage, zumal die letzten beiden Jahre wetterbedingt schwierig waren. Wenn der Sommer verregnet ist, kommen halt auch weniger Besucher. Der Zoo konnte und kann sich grundsätzlich der Unterstützung des Brückenkopf-Vereins als auch der Park GmbH sicher sein. Wichtig sind natürlich auch Gönner und Paten, die in jüngerer Vergangenheit wieder stärker gewonnen wurden. Für die heulenden Wölfe aber zum Beispiel fehlen noch Interessenten.

Der Brückenkopf-Verein feiert 2011 sein 50-jähriges Bestehen und vermittelt Patenschaften für die Zootiere. Mit einer Patenspende werden anteilig Futterkosten, artgerechte Haltung, Betreuung und Pflege des jeweiligen Tieres bezahlt. Informatinen gibt es auf der Homepage des Zoos.

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