Nahversorgung in der Gesamtstadt ist ausreichend

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
studie-nahbu
In Jülich ist die Situation nicht schlechter als anderswo. Das hat Professor Michael Gramm (r.) in einer Untersuchung zur Nahversorgung herausgefunden. Bürgermeister Heinrich Stommel (l.) freut es. Foto: Gottfroh

Jülich. Brot, Wurst und Käse, Obst und Gemüse - alle diese Lebensmittel gehören zu den Waren des täglichen Bedarfs. Doch wo bekommen die Menschen, die auf dem Land leben, diese her, wenn der nächste Supermarkt kilometerweit entfernt ist. Wo einkaufen, wenn es in der Umgebung noch nicht einmal einen Tante-Emma-Laden gibt?

Mit diesem Thema hat sich der Professor Michael Gramm vom Büro für regionale Strukturentwicklung und Wirtschaftsförderung im Rahmen einer von der Stadt Jülich in Auftrag gegebenen Studie befasst. Die Untersuchung zur Nahversorgung stellte er nun vor einer interessierten Zuhörerschaft im Rathaussaal vor.

Im Rahmen der Studie hat der Wissenschaftler rund 800 Haushalte in 14 Jülicher Ortschaften befragt. Die Kernstadt wurde wegen der sehr guten Versorgung nicht mit in die Studie integriert, ebenso wie der Ortsteil Lich-Steinstraß aufgrund seiner „integrierten Randlage”.

Gramms Fazit: In den Jülicher Ortschaften ist die Situation nicht schlechter als anderswo. „Hier gibt es keine Abweichungen von der Norm”, betont Gramm. Das liege aber vor allem daran, dass die Bewohner in der Ortschaften in hohem Maße motorisiert seien. „Das ermöglicht ihnen, den Einkauf in der Kernstadt zu erledigen.” Denn auch wenn Jülich als Gesamtstadt über ausreichend Versorgungsangebote verfügt, so lässt die Nahversorgung „auf dem Dorf zu wünschen übrig”, erklärt Gramm. Einzig Koslar und Barmen bildeten hier eine Ausnahme.

Die Bewohner profitieren von einer Nahversorgung auf „unterster Stufe”. „Barmen ist mit seinem Dorv-Zentrum eine besondere Ausnahme”, sagt Gramm. Hier haben die Bewohner in Eigenregie einen Laden eröffnet, engagierte Bürger haben den Aufbau mit finanziert und „halten das Geschäft mit großem Einsatz am Laufen”, erklärt Gramm. „Zudem profitiert das Dorv-Zentrum von der Nähe zum Gymnasium Haus Overbach.” Denn viele Schüler decken sich dort mit Pausensnacks ein. „Ein solches Modell kann nur funktionieren, wenn die Bewohner viel Zeit und Engagement in ein solches Zentrum stecken”, sagt Gramm.

Anders sieht es in den übrigen Ortschaften aus. In einigen Ortsteilen sind noch vereinzelt Bäcker oder Metzger zu finden. Doch wenn im Kühlschrank Sahne, Marmelade oder Limo fehlt, dann ist die Fahrt in die Stadt unausweichlich. „Das muss dann aber nicht immer Jülich sein”, spricht der Wissenschaftler ein Problem an.

Denn der neue Trend hieße: einmal einen Parkplatz suchen und in seinem Dunstkreis alle Einkäufe erledigen. Denn sogenannte Kombikäufe sind in. Kombinationen aus Discounter, Supermarkt, Getränkemarkt und einer Drogerie sind bei den Käufern sehr beliebt. Und so etwas hat Jülich im Gegensatz zu Titz und Aldenhoven nicht zu bieten. Zwar erledigen die Bewohner der Ortsteile ihren Einkauf noch immer zum größten Teil in der Herzogstadt.

Doch 30 Prozent der Befragten ziehen einen Einkauf in Titz vor. Besonders Haushalte aus Merzenhausen, Mersch, Pattern, Welldorf, Güsten und Bourheim. Immerhin unterscheidet sich die Entfernung nur minimal. „Und die spielt beim Einkauf ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Preis und Qualität sind viel bedeutendere Faktoren”, erklärt Gramm. Gramm: „Die Kernstadt hat in den vergangenen zehn Jahren beim Lebensmitteleinkauf deutlich Kunden an die Nachbarkommunen verloren.”

Kaufkraft geht verloren

Das schadet der Jülicher Innenstadt. Denn wer seine Einkäufe in einer anderen Kommune erledigt, der macht nur selten einen Abstecher zum Bummeln in die Herzogstadt. Dadurch geht in Jülich Kaufkraft verloren. „Jülich hat einen bedeutenden Vorteil auf seiner Seite: den Wochenmarkt”, sagt der Wissenschaftler. Gestaltete man diesen für die Bewohner der Stadtteile attraktiver, so würden auch die Händler der Innenstadt davon profitieren.

„Eine Attraktivitätssteigerung könnte durch gemeinsame Angeboten von Marktbeschickern und ansässigen Händlern erreicht werden”, folgert Gramm. Für ihn steht fest: Zwischen der Kernstadt und den Ortsteilen besteht eine Abhängigkeit. Für Jülich sei es wichtig, im überregionalen Wettbewerb mitzuhalten und die Bewohner der Dörfer nach Jülich zu locken. „Die Stadt braucht ein Struktur- und Funktionsverständnis. Das ist eine Aufgabe für das Stadtmarketing”. Denn die Stadt Jülich funktioniert nur als Ganzes und sie braucht eine Entwicklungspolitik, um sie zukunftsfähig zu machen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert