Nachbarschaftsstreit eskaliert: Rentner muss 1000 Euro zahlen

Von: gep
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Linnich/Jülich. Rentner H. (62) wollte am Muttertag mit Frau und Schweigermutter im Garten seines Hauses im Linnicher Stadtgebiet Kaffee trinken, doch dann eskalierte ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit. Wegen Sachbeschädigung und falscher Verdächtigung wurde er vom Amtsgericht Jülich zu einer Geldstrafe von 1000 Euro und den Kosten des Verfahrens verurteilt, strafmildernd wirkte sich dabei die nachbarschaftliche Fehde in der Sackgasse aus.

Zuvor hatte H. gegen den Rat seines Verteidigers eine Einstellung des Verfahrens nach Paragraph 153a der Strafprozessordnung gegen Zahlung von 300 Euro abgelehnt. H.: „Das mach ich nicht. Ich lass mich doch nicht auf meinem eigenen Grundstrück kaputt fahren.“ Er sei bei dem Vorfall verletzt worden, er habe Prellungen am Bauch und an beiden Schienbeinen erlitten.

Laut Beweisaufnahme hatte H. vom Wagen des Nachbarn P. (24) den Heckspoiler abgerissen und diesen dann wegen Unfallflucht angezeigt. Laut H. wollte P. sein Auto, ein Subaru-Rallyefahrzeug, wenden und das stets rückwärts auf seiner etwa vier Meter tiefen Garagenzufahrt. Dabei sei er angefahren worden, so der gehbehinderte Rentner, und er habe sich am Heckspoiler festgehalten, um nicht überrollt zu werden. Der Spoiler ging dabei links „ganz leicht raus“. Er habe auch „auf den Kofferraum geklopft“, um sich bemerkbar zu machen. P. sei dann davongefahren.

Dass der Tathergang derart abgelaufen sei und der Angeklagte „wie ein Maikäfer auf dem Kofferraum“ gelegen habe, zweifelte Strafrichterin Claudia Wolny nach den Aussagen von Zeugen stark an.

P. selbst schloss bei seiner Vernehmung aus, H. angefahren zu haben, denn er habe vorher niemanden in der Zufahrt gesehen. Er habe aber dann einen „leichten Knall“ gehört, als der Pkw stand, und im Rückspiegel gesehen, dass sich die Hand von H. in Richtung Spoiler bewegte.

Der Bruder von P., der nach eigener Aussage den Vorfall von der Dachterrasse aus beobachtet hatte, sagte aus, der Subaru habe gestanden, als H. aus dem Haus gekommen sei, unter die Heckschürze getreten und gegen den Spoiler getreten habe. Ein Nachbar hörte an dem besagten Tag im Badezimmer H. „schreien“. „Der brüllt immer, wenn da einer dreht.“ Dann habe er gesehen, wie der Angeklagte auf das Auto des 24-Jährigen zugelaufen soll und gegen den „Riesenspoiler“ geschlagen habe, als das Fahrzeug noch rollte.

Dagegen sagte die Ehefrau von H. aus, sie habe vom Hauseingang aus den Vorfall beobachtet, was aber nicht durch die Zeugen bestätigt wurde. Die 55-Jährige („Unser Grundstück ist voller Ölflecken“) beteuerte, P. „wollte meinen Mann umfahren“. H. habe in der Einfahrt gestanden, als P. rückwärts gesetzt habe. Ihr Mann habe gerufen, auf den Spoiler geklopft und sich auf dem Kofferraum abgestützt. Ihre Aussage, so befanden Staatsanwältin und Richterin aber, sei „nicht besonders glaubwürdig“ bzw. „unglaubwürdig“.

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