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Nach dem Aus der Gesamtschule im „Niemandsland“

Von: ojo
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Pausenhof der Hauptschule Aldenhoven. Foto: gep

Linnich. Das Scheitern der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich ist nicht nur ein Ereignis auf dem Papier geblieben. Es hat sehr konkrete Folgen, an die im Vorfeld offenbar niemand so recht gedacht hat. Was passiert eigentlich mit den Kindern, die an einer Schule angemeldet wurden, die nicht zustande kommt? Michael Deckers aus Kofferen hat dazu alles andere als erfreuliche Erfahrungen gemacht. Er sucht für sein Kind jetzt eine andere Schule – und stößt auf Ablehnung.

Als Aldenhoven-Linnich die Anmeldeliste schloss und das Scheitern an der 125-Kinder-Hürde offenkundig war, wollte der Vater aus Kofferen seinen Sprössling an der Willy-Brand-Gesamtschule in Übach-Palenberg anmelden. Er erhielt eine Absage, weil dort das Anmeldeverfahren abgeschlossen sei. Deckers machte die Erfahrung mehrfach. „Ich wurde überall weggeschickt. Keine Gesamtschule nimmt mein Kind.“ Der Vater wandte sich an die Stadt Linnich, wo man bedauerte, aber „nichts machen“ konnte, und sogar an die Bezirksregierung in Köln. „Dort hat man mir empfohlen, ich solle mein Kind auf die Warteliste setzen lassen.“ Ein Ratschlag, der ins Leere gehe. „In Übach gibt es keine Warteliste.“

Michael Deckers fühlt sich allein gelassen. Von den Verantwortlichen sei versäumt worden, „eine Alternative bei Nichtzustandekommen der Gesamtschule anbieten zu können“. Eine entsprechende kritische Anfrage bei der Elterninformationsveranstaltung sei „von unserem Bürgermeister abgewürgt“ worden. Bei der Stadt und der Bezirksregierung habe man ihm „lapidar mitgeteilt, dass wir damit gefälligst zu leben hätten, nach dem Motto: Guckt, wie ihr damit fertig werdet.“

Gemeinsames Vorgehen

Deckers möchte sich damit nicht zufrieden geben. Er findet, „dass sich die betroffenen Eltern dagegen massiv wehren sollten“. Er ruft Eltern, denen es ähnlich ergangen sein sollte, auf, sich bei ihm zu melden (Telefon 02462-905665), „um eine gemeinsame Vorgehensweise zu organisieren“.

„Wir können die Eltern verstehen“, sagte auf Anfrage unserer Zeitung Fachbereichsleiterin Gisela Lohmann von der Stadt Linnich, zu deren Amtsbereich das Schulwesen gehört. Aber abgesehen von diesem einen Fall habe es keine ähnlich gelagerten Anfragen gegeben. Allerdings habe sich bei der Ausweichanmeldung zur Realschule Linnich ein Elternwunsch herauskristallisiert. „Vor allem Berufstätige wünschen eine Übermittagbetreuung.“ In Linnich wolle man darauf reagieren. Es werde daran gearbeitet, diese Übermittagbetreuung einzurichten. Ausgehend von dem Fall Deckers will man zudem prüfen, ob die Stadt nicht intervenieren kann, um bei benachbarten Gesamtschulen vielleicht doch noch die Aufnahme Linnicher Kinder zu ermöglichen.

In Aldenhoven ist der Verwaltung kein Fall zugetragen worden, dass ein für die Gesamtschule gemeldetes Kind an keiner anderen Schule Aufnahme gefunden hätte, sagt Dezernent Horst Wassenhoven. „Aber möglicherweise entstehen jetzt die Härtefälle.“ Wie seine Linnicher Kollegin bedauert Wassenhoven diese Entwicklung, ist aber ebenso überzeugt: „Vorsorge konnte da schlecht getroffen werden.“ Die Dauer des Antrags- und Genehmigungsverfahren bis hin zu der letztlich erteilten Genehmigung der Gesamtschule eine Woche vor Beginn des Anmeldeverfahrens hätten keinen Spielraum gelassen.

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