„Mvsiche Varie”: Großartiges Konzert in der Schlosskapelle

Von: ptj
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Das Ensemble „Mvsiche Varie” begeistert mit musikalischer Nachempfindung der „Grand Tour” des Erbprinzen Karl Friedrich von Jülich-Kleve-Berg nach Rom. Foto: Jagodzinska

Jülich. Detaillierte Aufzeichnungen des Humanisten Stephan Winand Pighius machten es möglich: Pighius begleitete die im Jahre 1571 beginnende Bildungsreise des damaligen Erbprinzen Karl Friedrich von Jülich-Kleve-Berg über Wien nach Rom, eine Reise, die mit dem Tod des Erbprinzen 1575 an Blattern ein dramatisches Ende nehmen sollte.

Diese „Grand Tour” musikalisch nachzuempfinden, das hatte sich das Musikensemble „Mvsiche Varie”, welches sich auf alte Musik spezialisiert hat, auf Einladung des Jülicher Geschichtsvereins und des Museums Zitadelle zur Aufgabe gemacht.

Resultat war ein großartiges Konzert mit erstaunlicher Bandbreite in der Schlosskapelle, vom modernen weltlichen Lautensolo bis hin zur sakralen Renaissance-Polyphonie.

Das anspruchsvolle Konzert begann mit der Taufmotette für Karl Friedrich aus der Feder des Jülicher Hofkapellmeisters Martin Peudargent und endete mit der Begräbnismotette, somit verknüpfte es Reise- und Lebensweg. Ensemble-Leiter Martin Lubenow, gleichzeitig Organist und Zink-Spieler, bereicherte mit einigen interessanten Details die Konzertbeiträge: „Dux optatus adest” (Der ersehnte Fürst ist da) applaudierte Jülich 1555 zur Geburt Karl Friedrichs. „In seiner Jugend wird er ein paar verrückte italienische Stücke gehört haben”, vermutete Lubenow, denn welcher Musik der Erbprinz konkret lauschte, hatte Pighius nicht verzeichnet.

Frisch und fröhlich

Zur Jugend des Erbprinzen am Hofe hatte das Ensemble „Frais et gaillard” (Frisch und fröhlich) von Giovanni Bassano gewählt, gefolgt von Träumen über „Italia mia” des Münchner Hofkapellmeisters Philipe Verdelot.

Hierbei handelte es sich um eine Intravolierung (Notenübertragung in eine Griffschrift) des „Madrigal”, eines mehrstimmigen Vokalstücks für Sopran und Laute. Kontratenor Andrew Hallock übernahm die Rolle des „Discantus” und sang glasklar und glockenhell im Sopran.

Hintergrund ist: Eine Frau hatte früher in der Kirche zu schweigen. Damalige Ensembles waren von der vokalinstrumentalen Mischbesetzung geprägt. Dieses Klangbild unterstützte der mischungsfähige Klang historischer Instrumente wie der flötenähnlichen Zink, der Viola da Gamba (Kniegeige), des Dulzian (Bass-Holzblasinstrument) oder der Vihuela als Vorläufer der Gitarre.

Motetten, Psalmvertonungen und virtuose „Diminutionen” (Verzierungen), aber auch weltliche Trinklieder und Tanzmusik bezeichneten Karl Friedrichs Weg, zunächst nach Wien, wo er zwei Jahre verweilte. So ging er aus der Kirche ins Wirtshaus, auf das „Dixit Dominus” (Es sprach der Herr) folgte „Gut Singer und ein Organist” oder „Herr Wirt, bring uns ein guten Wein”.

Die Klänge der Schlacht

Der Erbprinz sah sich Militärparaden an, was etwa mit „Alla Battaglia” (In die Schlacht) von Andrea Gabrieli interpretiert wurde. Musikalisch nachempfundene Schlachtgeräusche durften hier nicht fehlen. Auch der Sieg in der Seeschlacht bei Lepanto, Weihnachten in Rom oder ein Ausflug nach Neapel waren Themenstationen. Besonderen Applaus erntete eine Diminution für Sopran und Laute mit kraftvollem Koloratursopran, die einen Gottesdienst in Rom mit modernster Musik „hinter verschlossenen Türen” nachzeichnete.

Grandioser Schlusspunkt war die fünfstimmige Trauermotette im alten polyphonen Stil „Carole qui nomen”, die Johannes de Cleve eilends nach Bekanntwerden der Todesnachricht schrieb. Als „Verbeugung” versteckte er einen speziellen Text aus zusammengesetzten lateinischen Notennamen in der Mitte der Symphonie.

Begeistert spendete das Publikum den verdienten Applaus. Das Konzert setzte einen würdigen Schlusspunkt hinter das Begleitprogramm zur Ausstellung „Renaissance am Rhein” im LVR-Landesmuseum Bonn.
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