Museumstag: Ein Festung zwischen Hass und Bewunderung

Von: ptj
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Blickfang der napoleonischen A
Blickfang der napoleonischen Ausstellung ist das Modell der „Schlacht von Waterloo”, in der Kampfhandlungen im Detail nachgestellt werden. Foto: Jagodzinska

Jülich. Mit diversen Führungen für Kinder und Erwachsene, Vorträgen und (interaktiven) Aktionen war das Programm zum Internationalen Museumstag in der Region reichhaltig gestaltet und erfuhr entsprechende Resonanz.

In Jülich wurden zahlreiche Gäste durch Zitadelle und Käsematten, die Napoleon-Ausstellung im Museum Zitadelle und die wiedereröffnete Schirmer-Ausstellung im Pulvermagazin geführt. Durch hochkarätige Werke ergänzt, heißt diese nun: „Blickfang”.

Neue Schätze der Jülicher Schirmer-Sammlung”. Da der bedeutende Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer 1807 im französischen Jülich geboren wurde, stehen die beiden Ausstellungen in direktem Zusammenhang. Eröffnet wurde die bis zum 31. Oktober gezeigte Ausstellung „Napoleon - zwischen Hass und Bewunderung”, ein Kooperationsprojekt mit dem Opladener Geschichtsverein.

Thema ist die Zerrissenheit der Rheinländer zwischen ihrem Hass auf die napoleonische Herrschaft von 1794 bis 1814 und ihrer Bewunderung für den gigantischen Ausbau der Festungsstadt Jülich. Eine Zäsur, so rief Bürgermeister Heinrich Stommel bei der Eröffnung in der Schlosskapelle in Erinnerung, ging auch durch die Herzogtümer Jülich und Berg, die über Jahrhunderte hinweg eine territoriale Einheit bildeten: „Das Herzogtum Jülich ging im französischen Roerdepartement auf, Berg wurde schließlich 1850 Großherzogtum Berg unter französischem Protektorat”. Als die beiden Gebiete 1815 unter preußischer Herrschaft wieder zusammen kamen, waren die territorialen Bande nachhaltig gekappt und wurden erst mit steigendem Geschichtsbewusstsein im Laufe im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.

Zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde ein beeindruckendes, vier mal sieben Meter großes Modell der Schlacht von Waterloo, mit der 1815 die napoleonische Ära endgültig endete, aus der Hand des Kölners André Rudolph. Attraktion im Außenbereich war die Reenactment-Gruppe „Contubernium Primum”, die in der Bastion Johannes ihre Zelte aufgeschlagen hatte, um den Alltag einer spätantiken Söldnergruppe im Römischen Imperium wieder lebendig werden zu lassen. „Radkultour genial regional” nennt der Linnicher Stadtmarketingverein „Wir in Linnich” die originelle Verbindung zwischen Kultur und Radtour, die in der dritten Auflage auf besonders großes Interesse stieß.

Nach der Teilnahme an der Führung durch die aktuelle Ausstellung „Universum in Glas” von Ludwig Schaffrath schwangen sich etwa 25 Leute auf ihre Fahrradsättel, um in eine rund 17 Kilometer lange Tour „voller Überraschungen” zu starten: „Vorspeise” war ein Kartoffelgericht auf dem Boslarer Hof Meyer. Zum Hauptgericht reichte Walter Müller in seinem Irish/American Pub in Kofferen „Irish Stew” mit Lamm und selbst gebrautes Bier. Zur Kaffeezeit informierte der Rurdorfer Metzger Dohmen umfassend über die Schafzucht und servierte Kaffee und Kuchen. Letzter Anlaufpunkt war die Linnicher Familie Ingrid und Gerd Jerathe, die selbst Wein produziert und zu „Wein, Weib und Gesang” einlud.

Zum dritten Mal beteiligte sich das LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen am Internationalen Museumstag. Auf dem Programm standen zunächst separate Führungen für Groß und Klein durch die ehemalige Synagoge und die Dauerausstellung im einstigen Vorsteherhaus. Mit 38 Teilnehmern besonders gut besucht war ein eineinhalbstündiger Hebräisch-Workshop mit dem Judaisten und Hebräischlehrer Ulrich Berzbarch.

Hebräisch schreiben

Die 22 Buchstaben der reinen Konsonantenschrift mit einem Kalligraphiestift in unterschiedlicher Dicke von rechts nach links zu schreiben, war gewöhnungsbedürftig, machte aber viel Freude. Alle Teilnehmer konnten schließlich ihren Namen in hebräischen Schriftzeichen schreiben. Ein viel beklatschtes Konzert mit dem Duo „Tangoyim” krönte den aktionsreichen Tag: Stefanie Hölzle und Daniel Marsch interpretierten mit Geige, Bratsche, Klarinette, Akkordeon und Gesang jiddische Lieder und Tangos, traditionelle Klezmermelodien, Lieder vom Balkan und Tänze aus Russland.
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