„Möbel und Mehr“: Sozialwerk kündigt Mitarbeitern

Von: Antonius Wolters
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Der Schließungsbeschluss war ihre bislang schmerzlichste Entscheidung: Schriftführer Herbert Kaltenbach (v.l.), Johanna Krawczynski, Dr. Thomas Kressner und Arne Schenk vom Vorstand des Christlichen Sozialwerks Jülich. Foto: Wolters

Jülich. Christliches Sozialwerk Jülich zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit e. V. steht groß auf dem Werbeschild der Halle von „Möbel und Mehr“ (MuM) an der Schützenstraße. Das Christliche Sozialwerk (CSW) wird sinnbildlich als Bötchen dargestellt und drohte zuletzt, in noch größere Seenot zu geraten. Der Vereinsvorstand hat deshalb am 1. Februar beschlossen, MuM zu schließen.

Die sechs Mitarbeiter erhielten ihre Kündigung zum 31. März. „Das war die schlimmste Entscheidung, die wir haben fällen müssen“, sagte Vorsitzender Dr. Thomas Kressner, der zugleich den Beschluss zum Aus von MuM verteidigt. Nach einem dicken Minus am Ende vergangenen Jahres sei es auch darum gegangen, den Verein vor einer neuerlichen Insolvenz zu bewahren, nachdem der Verein erst im vergangenen Jahr nach überstandenem Insolvenzverfahren einen Neuanfang versucht hatte.

Seit September 1989 engagieren sich im CSW Jülich die beiden großen Kirchen und Privatpersonen.Der Verein wirkt als Projektträger im sozialpolitischen Bereich. Spülmobil, arbeitsbegleitende Hilfen für Jugendliche in Ausbildung, eine Grünkolonne für Arbeiten im Garten und Müllsortierer waren Projekte, die das CSW anschob, um Arbeitslosen sinnvolle Beschäftigungen anzubieten, die aber aus unterschiedlichen Gründen nicht fortgesetzt wurden. Die Förderung erfolgte in der Regel aus Bundesmitteln. Ein Langläufer ist demgegenüber die Alten- und Familienhilfe des CSW, die es bereits seit 27 Jahren gibt und die 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Ende 2010 ist das Projekt „Möbel und Mehr“ aus der Taufe gehoben worden, das zunächst mit dem Konzept „Bürgerarbeit“ operierte. Drei Jahre lang wurden rund drei Viertel der Personalkosten finanziert, um im Kreis Düren sehr erfolgreich Alleinerziehende in Lohn und Brot zu bringen. Nach dem Auslaufen des Programms bestand die Hoffnung, das Projekt mit der nachfolgenden Förderung weiterführen zu können. Als das neue Programm jedoch nicht zu diesem Wunsch passte, hat das CSW gleichwohl seinen vier Beschäftigten die Treue gehalten und diese fortan mit eigenem Geld bezahlt.

„Darüber sind wir ins Trudeln geraten“, sieht der Vorsitzende hier den Grund für das „vorhersehbare“ Insolvenzverfahren, das im Juli 2016 verlassen worden ist. „Danach mussten wir uns neu erfinden“, sind zu dieser Zeit nach Worten Dr. Kressners strategische Überlegungen angestellt worden, einen hauptamtlichen Geschäftsführer für die Aquisition neuer Kunden und Fördermittel anzustellen, um das Projekt MuM lebensfähig zu halten.

Im Nachhinein gesehen habe diese Entscheidung das Aus für MuM eher beschleunigt, bekennt der Vorsitzende, denn der neue Mann habe das, wofür er eingestellt worden sei, „zu 0,0 Prozent getan“. Somit stand das Christliche Sozialwerk Ende 2016 wieder ohne hauptamtlichen Geschäftsführer da und musste gleichzeitig ein dickes Minus konstatieren, da die monatlichen Fixkosten für Personal, Hallenmiete, Fahrzeuge, Steuer und Versicherung „in keinem Verhältnis zu den Erlösen aus dem Verkauf von Möbeln und Mehr stehen. Deshalb zog der CSW-Vorstand die Notbremse.

„Das ist eine Katastrophe für Kunden und Mitarbeiter“, beklagt MuM-Mitarbeiterin Carmen Gerlach den Schritt, der ihre Arbeitslosigkeit besiegelt. Die rund 400 Quadratmeter große Halle muss bis 15. Mai um Mitternacht geräumt sein, so dass bereits mit dem Ausverkauf begonnen worden ist.

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