Mit Pauken und Trompeten auf die Sophienhöhe

Von: ptj
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Viele Gläubige werden Gipfelbesteiger, um den Taufgottesdienst auf der Sophienhöhe zu feiern. Es predigte Pfarrer Horst Grothe. Foto: Jagodzinska

Jülich/Hambach. Gottesdienst und Sakramentenempfang „unter offenem Himmel, ohne schützendes Dach“, vielleicht sogar in luftiger Höhe zu feiern, übt oft einen besonderen Reiz auf die Gläubigen aus. So packte auch die Evangelische Kirchengemeinde Jülich Kind und Kegel, Zeltzubehör, Essen und Geschirr, sogar Posaunen, Trompeten und Hörner ein, um zum Gipfelkreuz aufzusteigen – zumindest die Sportlichen unter ihnen.

Für Senioren und Familien mit Kleinkindern fuhr der Gemeindebus gleich zweimal vom Parkplatz Café Sophienhöhe in Hambach hoch zum Gipfelkreuz.

„Nicht bestellt“ war laut Pfarrer Horst Grothe allerdings das Wetter, das zwar trocken blieb, aber doch windig und deutlich kühler war als in den Tagen zuvor. Auch mit Liedern wie „Die güldene Sonne“ gelang es nicht, diese hervorzulocken. Für die rund 15 Kinder unter den Bergwanderen hatten Katrin Beck und Marion Wiechmann eine kurzweilige Waldrallye nach biblischer Orientierung organisiert.

Zöllner Zachäus

An die spätere gottesdienstliche Lesung angelehnt war der kleinwüchsige Zöllner Zachäus Thema. Es ging etwa darum, sich der Größe nach aufzustellen oder Münzen weiterzureichen.

„Wir ändern einmal bewusst den üblichen Standort des Gottesdienstes. Alles hinter sich lassen. Das ändert vielleicht unsere Sicht der Dinge?“. Diese Frage stellte der Pfarrer in seiner Begrüßung.

Höhepunkt des Familiengottesdienstes mit musikalischer Rahmengestaltung durch den Posaunenchor der Kirchengemeinde war die Taufe der Kinder Philipp Erdmann und Léon Maximilian Müller: „Mitten im Wald wollen wir heute taufen. Hier oben auf der Sophienhöhe wachsen Bäume als Zeichen, dass wir Menschen der Natur vieles nehmen, aber ihr auch etwas zurückgeben möchten“.

Grothe fand den thematischen Übergang zu dem „kleinen und gemeinen“ Zachäus, der „den Baum als Wachturm nutzt und die Menschen ganz abschätzend von oben herab betrachtet. Aber Jesus holt ihn herunter. Das ist ein Wunder. Er gibt seinem Leben eine neue Perspektive“.

Passend dazu sangen Kinder der Hortgruppe des evangelischen Kindergartens „Kleine Strolche“ unter Leitung von Ira Blum „Ich bin der Baum vor deinem Haus“. In seiner Predigt betrachtete Grothe schließlich die Gipfelbesteigung im biblischen Sinn: „Berge sind in allen Religionen Orte der Begegnung mit dem Heiligen“. Er nannte die Bergspitze des Ararat, wo „nach der tödlichen Sintflut wieder das Leben beginnt“, oder die Berggeschichte des Elia.

Dieser geht zum Berg Horeb, „um Gott zu begegnen, um dem Himmel näher zu sein und wieder ins Leben zu finden, das er verloren hat“. Die Kollekte ging zu gleichen Teilen an die Flüchtlingshilfe in Marokko und die Flutopfer im Süden und Osten Deutschlands. Wer nach dem Gottesdienst noch bleiben wollte, war herzlich eingeladen, in der nahe gelegenen Holzhütte Suppe zu löffeln und etwas Lagerfeuerromantik zu erleben.

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