Mit Musik und Tanz: Schulleiter des Gymnasiums Zitadelle verabschiedet

Von: ptj
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So kennt man ihn: Charly Kreiner lässt abschließend und stellvertretend seine Geige weinen. Foto: Jagodzinska
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Paul Palmen (r.), Regierungsschuldirektor bei der Bezirksregierung in Köln, überreicht dem scheidenden „Schulleiter der Herzen“ die Zurruhesetzungsurkunde. Foto: Jagodzinska

Jülich. Eine bewegende Verabschiedungsfeier mit abschließenden stehend dargebrachten Ovationen gestalteten Schüler und Lehrer „der besten Schule“ ihrem scheidenden „Schulleiter der Herzen“. Nach 18 Jahren in verantwortlicher Position verlässt Oberstudiendirektor Charly Kreiner mit 60 Jahren vor allem aus gesundheitlichen Gründen das Gymnasium Zitadelle.

„Kollegen, Schüler und Schülereltern können sich der Ausstrahlung dieses nachdenklichen und nachdenklich machenden Mannes nicht entziehen“. So zitierte Paul Palmen, Leitender Regierungsschuldirektor bei der Bezirksregierung in Köln, aus dem Abschlussgutachten eines Seminarleiters aus den ersten Jahren in Kreiners Laufbahn. Sein Spitzname im Seminar lautete „Sokrates redivivus“ (Sokrates ist wieder auferstanden). Ein Mitreferendar hatte damals kommentiert: „Kreiner ist besser als Sokrates“. Palmen überreichte Kreiner die Urkunde über die Zurruhesetzung, die Ende des Monats in Kraft tritt.

Etwas andere Grußworte

Danach ging die Feierstunde erst richtig los, in der etwas andere „Grußworte“ sich mit ansprechenden Musik-, Tanz- und Sketchbeiträgen abwechselten. Ans Rednerpult traten Bürgermeister Heinrich Stommel, die Schulpflegschaftsvorsitzende Marianne Marohn, Schülersprecherin Anne Kieven, Fördervereinsmitglied Dr. Gisela Eichhorn und Vize-Schulleiterin Angelika Wilms-Markett. Zusammengefasst bedankten sie sich beim scheidenden Schulleiter, dessen Fächerkombination Mathematik und Philosophie seine „besondere Geisteshaltung“ bezeuge, mit folgenden Worten: Der „verdiente Philosoph und gerechte und weise Herrscher über die Zitadelle“ verstand es unter anderem, „für diese Schule zu denken und zu handeln, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken“.

Er hatte für seine Schüler stets „ein großes Herz und immer offene Ohren, gewährte Freiräume und Schutz“ und war mit Kollegen und Mitstreitern in Gremien in „sehr enger und sehr vertrauensvoller Zusammenarbeit“ verbunden. „Immer konstruktiv und sachlich“ verkehrte er mit Dritten, etwa mit der Stadt Jülich. Sein Abschied hinterlasse eine „nicht so leicht zu schließende Lücke“. Doch den „Aufbruch in eine neue Zeit“ habe Kreiner wahrlich verdient, hieß es.

Wer Charly Kreiner näher kennt, weiß zudem, was der Lehrerrat mit einer netten „Kiste der Erinnerungen“ in Händen auf den Punkt brachte: Kreiner ist ein begnadeter Geiger und Tänzer, Freund des Theaters, des Karnevals, Freund von Austauschprogrammen, und FC Köln-Fan, der gerne „ein Bier trinkt“. „Seine Geigentöne klangen wehmütiger, wenn der FC verloren hatte“, rief Mariele Egberts in Erinnerung. Der Lehrerrat verlieh dem „hervorragenden Schulleiter“ die Goldmedaille.

Kombination hätte Platon gefallen

Besonders nett waren die Sketche: Die Fachschaft Philosophie stellte Vergleiche an zwischen Kreiners Person und Platons Politeia, die zu den bedeutendsten Texten der Philosophiegeschichte zählt. „Ein Geige spielender Mathematiker als Schulleiter, das hätte Platon gefallen“, da waren sich die Damen sicher, die nun den einzigen männlichen Fachkollegen entbehren müssen. Mit ihrer augenzwinkernden und stimmlich vorzüglichen „Hauptsatzkantate“ mit Soli und Duetten schossen die Fachschaften Mathematik und Musik gemeinsam den Vogel ab. Ihr Refrain lautete: „Substituieren, partiell integrieren, alles geht so elegant jetzt von der Hand“.

Mit seinem herzerfrischenden Gesang erfreute der Schulchor. Wunderschön musizierten und sangen Schüler aller Jahrgangsstufen die Klezmer-Traditionals „Oj, dortn“ und „Elkes Frejlech“. Die Lehrer Andrea Wlasak, Alexander Loup und Pedro Obiera brachten in wechselnden Instrumentalbesetzungen einen spanischen Tanz (Flöte und Klavier) oder das wunderschöne Klavierlied „An die Musik“ von Franz Schubert mit Text von Franz von Schober (Klavier/Streicher) zu Gehör. Eine gelungene Tanzchoreographie des gesamten Kollegiums rundete die Darbietungen ab. Weil Charly Kreiner nicht weinen mochte, ließ er beim musikalischen Abschied seine Geige weinen. Allerdings nur in dem Stück „Ose Shalom“, das für ihn „wie ein Gebet ist“.

Sein zweites Stück „Charleys frejlech“ war gleich wieder schwungvoll/fröhlich geprägt. Schulleiter Kreiner hinterlässt „ein wohlbestelltes Haus“ und hat selbst „noch viel vor“, vor allem im musikalischen Bereich. Also hatte die Festgesellschaft guten Grund, fröhlich im Zitadellenhof zu feiern, vorzüglich bewirtet von der hauseigenen Schülerfirma „Essbar“.

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