Mit Helm auf dem Rad: Die Vernunft ist auf dem Vormarsch

Von: Daniela Martinak
Letzte Aktualisierung:
5968105.jpg
Wird das Tragen von Fahrradhelmen bald Pflicht? Wie auch immer: Einen Kopfschutz sollte jeder verantwortungsbewusste Zweiradfahrer tragen! Auch Fahrradhändler wie etwa Ludger Kommescher, der den Fachhandel in Jülich betreibt, weist immer wieder darauf hin. Und die „Leute müssen inzwischen noch nicht einmal mehr erinnert werden“. Foto: Martinak

Jülich. „Uncool“, sagt Philipp. Mehr nicht. Dann donnert er seinen Rucksack in die Ecke und stampft auf den Boden. „Gut, dann eben nicht“, bleibt Mutter Angelika streng, packt das Kind am Arm, nimmt den Rucksack und verabschiedet sich. „Die kommen wieder“, bleibt Fahrradhändler Ludger Kommescher optimistisch. Solche Szenen kennt der 48-Jährige.

Ein Fahrrad würden die Kinder immer haben wollen, aber das mit dem Helm sei stets ein Problem. Zwei Stunden später steht der zwölfährige Philipp vor dem Spiegel im Jülicher Fahrradgeschäft auf der Großen Rurstraße und probiert einen Helm nach dem nächsten an. „Entweder Fahrradfahren mit Helm oder gar nicht“, lautet die Spielregel der Mutter.

Egal ob cool oder uncool, Fakt ist, dass ein Kopfschutz zum verantwortungsvollen Fahrradfahren dazugehört. „Immer mehr Kunden wird das bewusst, und oft müssen wir gar nicht mehr darauf hinweisen“, versichert Kommescher.

„Leider“, so stellt er fest, „muss meistens immer erst etwas passieren, damit die Leute merken, wie wichtig es ist, sich zu schützen. Sie brauchen halt einen Denkanstoß.“

Zahlreiche Unfälle im Kreis

Damit spielt der Jülicher auf die zahlreichen Unfälle im Jülicher Land und im Kreis Düren an, die nun schon mehrere tödlich verunglückte Radfahrer forderten. In den meisten Fällen erlitten sie schwere Kopfverletzungen, die laut Polizei „wenn ein Helm getragen worden wäre, hätten vermieden werden können“.

Bei der Polizei gilt die Helmpflicht schon. Beamte, die dienstlich Rad fahren – zum Beispiel bei der neuen Fahrradstaffel – müssen den Schutz tragen. Allen anderen Radfahrern ist es jedoch freigestellt – noch. Ob das Tragen eines Fahrradhelms zur Pflicht wird, ist noch fraglich. Da es noch keine gesetzliche Vorgabe gibt, erfasst die Polizei auch nicht statistisch, ob Unfallopfer einen Helm getragen haben.

„Wenn die Helmpflicht hier zum Gespräch wird, sagen viele, dass sie dann eben gar nicht mehr Rad fahren. Obwohl ich der Meinung bin, dass es den Leuten selbst überlassen sein sollte, ob sie einen Helm tragen oder nicht, finde ich solche Aussagen nicht richtig. So schlimm sieht ein Helm auf dem Kopf gar nicht aus“, spricht sich Verkäuferin Gerda Kuttner für das Tragen eines Kopfschutzes aus.

Nach der jüngsten Studie des Bundesverkehrsministeriums setzen 13 Prozent den Helm immer und 14 Prozent „meistens“ auf, zusammen also 27 Prozent. 55 Prozent setzen ihn nie auf. Die Zahlen sind von 2011.

Doppelt so viele Schutzhelme

Vergangene Woche kauften die Jülicher laut dem Inhaber des Fahrradgeschäfts an einem Tag so viele Helme, „wie es seit 30 Jahren nicht vorgekommen ist“. Jetzt schon, Mitte des Jahres, könne man sagen, dass doppelt so viele Schutzhelme verkauft worden sind, wie im gesamten Jahr 2012. „Ich würde behaupten, dass es tatsächlich an den Unfällen liegt. Besonders Mütter sind nun noch vorsichtiger geworden. Aber auch Senioren tragen inzwischen häufig freiwillig einen Schutz auf dem Kopf“, betont Kommescher. Besonders die E-Bike-Fahrer, die die Geschwindigkeit der Zweiräder oft überschätzten, sollten doch dringend ihren Kopf schützen.

Und nicht, dass noch ein modischer Trend aufkommt! Beim Betrachten der Vielfalt im Helmregal weiß der Kunde nämlich zuerst nicht, wo er überhaupt hinschauen soll. Nicht nur etliche Farben und darauf abgedruckte Figuren machen die Helme mittlerweile zum Hingucker. Auch verschiedene Formen sorgen dafür, dass „es nicht mehr so aussieht, als hätte man einen Schuhkarton auf dem Kopf“. Sogar eine Seniorenkollektion ist entworfen worden.

Tragekomfort

Während zunächst die äußeren Kriterien erfüllt werden müssen, spielen auch die eine Rolle, die zum Tragekomfort gehören: Ein Fahrradhelm sollte laut Fachhändler atmungsaktiv sein und leicht, perfekt am Kopf anliegen, auch, wenn der Kinnverschluss offen ist, und darf auf keinen Fall zu locker sitzen oder das Gegenteil: drücken.

Gute Helme gibt es bereits ab 50 Euro. „Die sollten im Fachgeschäft gekauft werden und nicht bei einem Discounter“, rät Kommescher. „Helme müssen anprobiert werden!“ Im Karton sollten sie nicht gekauft werden. Auch auf die aufgedruckten Testergebnisse sei nicht immer zwingend Verlass.

Nach einer halben Stunde und 14 Helme weiter hat Philipp dann doch den passenden gefunden: Dunkelblau mit silbernen Streifen. „Cool“, sagt auch seine Mutter.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert