Mit dem Pinsel hinterm Ohr entsteht der Kobold im Kopf

Von: Christina Diels
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Jülich. Haselnüsse wachsen nicht im Supermarktregal. Und auch Pilze nicht. Inge von der Gracht-Gröbel und ihre Schwester Anne Starke haben in ihrer Kindheit Pilze im Wald gesucht und Haselnüsse an kleinen Bäumen und Sträuchern wachsen sehen. „Wir sind in der Natur groß geworden”, sagt von der Gracht-Gröbel.

Heute ist diese Nähe zu Wald und Wiesen nicht mehr selbstverständlich. Kinder im Alter ihrer Nichte und ihres Neffen verbinden Haselnüsse eher mit dem Supermarktregal als mit Sträuchern. Und darum haben die Schwestern das Bilderbuch „Rufus, der kleine Kobold” herausgebracht.

„Wir wollten den kleinen Lesern einen Einblick in die Natur geben”, sagt von der Gracht-Gröbel, während sie Seite für Seite durch das Bilderbuch blättert. Es klingt fast ein bisschen wehmütig. Rund zehn Jahre ist es her, dass sie für das Familienprojekt einen Verlag gegründet haben, um das Buch herauszubringen. Kein wirtschaftlicher Erfolg. „Aber die Kinder, die es erreicht hat, die haben wir gepackt”, sagt von der Gracht-Gröbel. Ihr Mann André von der Gracht, mit dem sie seit 15 Jahren im Jülicher Norden wohnt, nickt zustimmend.

Anne Starke hat die Geschichte von Rufus für ihre zwei Kinder aufgeschrieben. „Als sie mir die Geschichte erzählt hat, hatte ich sofort ein Bild in meinem Kopf”, erinnert sich von der Gracht-Gröbel. Die studierte Grafik-Designerin blättert bis zu dem Bild, das sie meint: Rufus, wie er auf einem Baumblatt einen Teich überquert.

Von der Gracht-Gröbel hat die komplette Geschichte illustriert. Auf 14 Bildern lächelt die Hauptfigur Rufus die kleinen Leser mit seinen roten Haaren, Knollennase und zwei Zähnen an. Die Fortsetzung liegt in der Schublade. „Wer weiß”, sagt Andr von der Gracht. „Kinderbücher wie "Findus" haben auch zehn Jahre gebraucht, um sich zu etablieren.”

Schneller hat sich die Malschule seiner Frau etabliert. Seit 2005 zeigt Inge von der Gracht-Gröbel Sieben- bis 14-Jährigen in den Schulferien im Brückenkopf-Park, wie man mit Acrylfarbe, Staffelei und Pinsel auf Leinwand arbeitet. Wenn sie arbeitet, steckt immer ein Pinsel hinter ihrem Ohr. Und als sie längere Haare hatte, in ihrem Zopf. „Die Kinder kennen mich nur mit Pinsel im Haar”, sagt von der Gracht-Gröbel.

Pizza oder Pommes

Das Thema für den Kurs in den Osterferien steht noch nicht fest. „Das entscheiden wir frühestens eine Woche vorher.”. Viel wichtiger für die Kinder seien ohnehin die Pizza oder die Pommes, die ihr Mann für die Nachwuchskünstler kocht. Im Elternhaus ihres Mannes im Nordviertel fühlt sich von der Gracht-Gröbel wohl. Manchmal träumt sie von einem größeren Atelier. Bis ihr Traum sich erfüllt, arbeitet sie in ihrem kleinen Atelier unter dem Dach. An den Wandschrägen hängen kleinformatige Acrylbilder auf Leinwand.

Aus dem Fenster blickt sie auf ein Feld im Jülicher Norden. Als Kind hat ihr Mann an den Bahnschienen und Hochhäusern gespielt. Und heute? Ein Feierabendbier im Irish Pub trinken, nette Menschen beim Kommstraßenfest treffen und ansonsten die Natur genießen. „Wir laufen die Rur rauf und runter und genießen Êdie Ruhe”, sagt Andr von der Gracht. „Naja”, schränkt er ein, „mal abgesehen von der Linnicher Straße.”

Inge von der Gracht-Gröbel und ihr Mann sind keine Stadtmenschen. Sie wissen, dass Haselnüsse und Pilze nicht im Supermarktregal wachsen. Weder in einem, das im Jülicher Nordviertel steht, noch in irgendeinem anderen Supermarktregal der Welt.
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