Missbrauch in Overbach: Elf Fälle angezeigt

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:

Jülich/Wien. Vor vier Wochen ging die Ordensgemeinschaft in Wien in die Offensive: Die Deutschsprachige Provinz der Oblaten des Heiligen Franz von Sales veröffentlichte, dass sich drei Opfer von sexuellem Missbrauch aus dem Internat und späteren Gymnasium Haus Overbach in Jülich gemeldet hätten.

Diese Zahl ist auf elf gestiegen, wie der Provinzial Thomas Vanek auf Anfrage unserer Zeitung einräumte. Dabei gehe es ausnahmslos um die Zeit in den 50er und 60er Jahren.

„Mittlerweile sind zu den drei genannten weitere acht Missbrauchsvorwürfe eingegangen, die wir sehr ernst nehmen und untersuchen”, sagte der Ordensleiter in Wien. Er stehe mit der Diözese in Aachen in Verbindung. Vanek: „Falls es die Opfer wünschen, melden wir die Vorwürfe an die Staatsanwaltschaft weiter.”

Der Provinzial bestätigte ferner, dass der frühere Jülicher Internatsleiter Pater Konrad L. dienstfrei gestellt worden sei. Über eine Zeitung war der Pater von einem anonymen Opfer des sexuellen Missbrauchs bezichtigt worden, was sich nicht auf seine Zeit in Jülich bezieht. Ein damals 16-jähriger Messdiener hat erklärt, dass er von Konrad L. bei „Einkehrtagen” 1976 in Holzbüttgen sexuell missbraucht worden sei. Laut Ordensprovinzial könne sich L. an diese Einkehrtage „nicht erinnern”.

Der heute 67-jährige Beschuldigte war von 1985 bis 2005 für die Einrichtung in Jülich-Barmen verantwortlich, bevor er zurück nach Paderborn wechselte. 1973 hatte er dort schon einen Verein zur Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher gegründet. Nach seiner Tätigkeit in Overbach übernahm der Geistliche die Leitung des Paderborner Jugendhauses Salesianum.

Er habe sich jetzt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Das Jugendamt Paderborn spreche mit den Jugendlichen im Salesianum und prüfe, „ob irgendetwas in letzter Zeit vorgefallen ist”. Über die Zeit in Jülich „gibt es keinen einzigen Vorwurf”, erklärte Thomas Vanek unserer Zeitung.
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