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Milchgipfel soll den Preisverfall stoppen

Von: Juliane Kern
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Fordern schnelle Hilfen für die Milchbauern der Region: Kreislandwirt Franz Josef Kügelgen, MdL Josef Wirtz (CDU), die Bezirksvorsitzende der Landfrauen Margret Frings und Landwirt Jürgen Frings. Foto: J.Kern

Aldenhoven. Knapp ein Jahr ist vergangen, seit viele deutsche Milchbauern die Molkereien boykottierten. Über Tage hinweg ließen sie die Milch direkt nach dem Melken in die Gülle laufen. Ziel der Aktion: Ein Erzeugerpreis von 40 Cent pro Liter.

Durchschnittlich 36 Cent bekamen sie 2008 für jeden Liter, ein Preis der heute - wo 20 Cent und weniger erzielt werden - fast utopisch erscheint.

„Wir leben längst von der Substanz”, sagt der Aldenhovener Milchbauer Jürgen Frings. Wenn die Preise nicht schnell wieder steigen, dann könnte der 1989 nach Weiler-Langweiler umgesiedelte Betrieb mit 60 Milchkühen bald der Vergangenheit angehören.

„Ein Herz für Erzeuger

Josef Wirtz, CDU-Landtagsabgeordneter und selbst Landwirt, sieht die Ursache für den rasanten Preisverfall in der allgemein sinkenden Nachfrage nach Milch und Milchprodukten, der Überproduktion einiger Bauern und vor allem der Preispolitik der Handelsketten.

Erst im Februar habe ein Discounter mit dem Slogan "Ein Herz für Erzeuger" geworben, sagt Wirtz. Zehn Cent mehr pro Liter habe die Handelskette an die Milchbauern zahlen wollen, doch passiert sei nachweislich nichts. Stattdessen fielen die Preise immer weiter, und die Discounter nutzten die Krise, um satte Gewinne zu erwirtschaften. „Die Discounter sind nicht besser als die gierigen Banker, die für die aktuelle Finanzkrise verantwortlich sind”, sagt der CDU-Politiker

Wie Wirtz sieht auch Kreislandwirt Franz Josef Kügelgen das Hauptproblem beim Einzelhandel. „Damit endlich faire Marktbedingungen herrschen, muss das Bundeskartellamt prüfen, ob die derzeitige Markdominanz des Lebensmitteleinzelhandels überhaupt zulässig ist.”

Nach Ansicht von MdL Wirtz ist eine Entscheidung jedoch auch an an anderer Stelle nötig: Rund 15 Prozent der deutschen Milchviehhalter produzierten deutlich mehr, als die Quote eigentlich erlaubt. Doch da die Milchmengen kumuliert werden und Deutschland insgesamt unter der Quote produziere, bliebe das für die Überproduzenten folgenlos. Wo ein paar wenige Landwirte profiterten, litten viele andere. „Wir brauchen dringend Strafzölle, auch für die Länder der Europäischen Union, die sich nicht an die Quote halten”, fordert Wirtz.

Um die drängenden Probleme zu lösen und auch auf die Politik der Europäischen Union einzuwirken, fordern Kügelgen und MdL Wirtz einen „Milchgipfel”.

Unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel sollten Milchbauern, Molkereien und Einzelhandel diskutieren. „Der Einzelhandel muss sich endlich seiner gesamtwirtschaftlichen Verantwortung bewusst werden”, sagt Wirtz.

Qualitätsunterschiede

Für den Fall, dass ein solcher „Milchgipfel” erfolglos bleibt, zeichnet Kreislandwirt Franz Josef Kügelgen ein düsteres Bild für die 170 Milchviehbetriebe im Kreis Düren: „Wenn die Milchbauern der Region nicht mehr kostendeckend produzieren können, dann werden sie ihre Betriebe schließen.” Und darunter leide schließlich auch der Verbraucher: „Denn es gibt oft einen großen Unterschied zwischen der Qualität ausländischer und deutscher Milchprodukte”, sagt Kügelgen.

Trotz des rasanten Preisverfalls schließt der Aldenhovener Milchbauer Jürgen Frings einen erneuten Boykott der Molkereien derzeit aber aus.

„Die Betriebe können in dieser schwierigen Situation nicht auch noch auf die ohnehin geringen Einnahmen verzichten.” Das würde sie noch schneller in den Ruin treiben.
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