Jülich - Menschen mit Behinderung rocken für die Integration

Menschen mit Behinderung rocken für die Integration

Von: ng
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Die Bands auf der Bühne begeisterten das Publikum mit Liedern zum Mitsingen. Die „Rasselbande” hatte Schlager im Gepäck. Foto: Gottfroh

Jülich. Der Sänger Thomas Bachtenkirch und seine Bandkollegen der „Authentics” sind vor ihrem großen Auftritt nicht aufgeregt. Nicht wirklich. Das sagt zumindest der 29-jährige Sänger der Band, der von seinem Rollstuhl aus immer wieder einen Blick auf die vielen Menschen im Kulturbahnhof wirft. Alle wollen die Musik der Band hören.

„Die Aufregung kommt bestimmt erst kurz vor dem Auftritt”, erklärt Bandmitglied und Betreuer Sebastian Fries, der das Konzert im Kuba mitorganisiert hat. Denn immerhin tritt die Band des Stammhauses, einer Einrichtung für Menschen mit Handicap, an diesem Abend im Kuba gemeinsam mit den Bands „Rasselbande”, die sich aus Bewohnern der Caritas Lebenswelten zusammensetzt, sowie der Band „Rolling Bones” aus dem Vinzensheim in Aachen vor mehr als 150 Leuten auf.

Auch wenn die Musiker schon oft auf der Bühne standen: Auftritte vor so großem Publikum sind eher selten. Die Idee des Konzertabends „Rock für Integration” stammt von den Stammhausbewohnern selbst. „Sie wollten einen ein Konzert, bei dem die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderungen im Vordergrund steht”, sagt Cornel Cremer vom Kulturbahnhof. „Diese Idee stieß bei uns auf offene Ohren”.

Schnell das Eis gebrochen

Auch viele Jülicher finden die Idee toll, denn der große Saal ist brechend voll - und die Menge begeistert. Als Erste erobern die Mitglieder der „Rasselbande” der Caritas Lebenswelten die Bühne. Schnell ist das Eis gebrochen: Mit Schlagerhits, die wohl jeder im Raum mitsingen kann, eröffnen sie den Abend. „Griechischer Wein”, „Joanna” oder „So ein schöner Tag (Fliegerlied)” sind nur einige Lieder, die die Band im Repertoire hat und während ihres rund einstündigen Auftrittes zum Besten gibt. Das Publikum heizt die Stimmung an, beim ersten Song stehen schon die ersten Tanzfreudigen vor der Bühne, legen den flotten Foxtrott aufs Parkett oder schnappen sich die Luftgitarre und hauen zur Unterstützung der Musiker auf der Bühne in die unsichtbaren Saiten. Die Stimmung könnte kaum besser sein.

Im Anschluss gehört die Bühne den „Rolling Bones” aus dem Vinzenzheim. Sie spielen neben eigenen Songs auch Evergreens aus Rock und Pop. Und das schon ordentlich angeheizte Publikum geht auch bei diesem Auftritt mächtig mit. Zuletzt steht der Auftritt der Stammhausband auf dem Programm. Seit rund fünf Jahren machen Christoph Beckers (Keyboard), Christoph Krämer (Trommel), Thomas Bachtenkirch (Gesang) und die Betreuer Sebastian Fries und Melanie Bickschäfer gemeinsam Musik. Und auch bei „Rock für Integration” spielen sie für ihre vielen Zuhörer voller Begeisterung bekannte Lieder aus Pop und Rock. „Ein Kompliment” von den Sportfreunden Stiller gehört ebenso dazu wie Westernhagens Kulthit „Sexy” oder eine Auswahl an Beatles-Songs.

Nicht nur für die Musiker ist der Abend im Kuba ein ganz besonderer, auch für die vielen Gäste mit und ohne Behinderung, die gleichermaßen den Bahnhof gerockt haben. „Ich hoffe, dass es von dieser Veranstaltung noch einmal eine zweite Auflage geben wird”, sagt eine Zuhörerin. Auch Cremer und Fries sind mit dem Erfolg der Veranstaltung vollkommen zufrieden. Integration funktioniert eben auch im Bahnhof.
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