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Mehr Lebensraum für den Steinkauz?

Von: gep
Letzte Aktualisierung:
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Die Zahl der Steinkäuze im Kreis Düren hat sich in den vergangenen 20 Jahren nach Zählungen der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) halbiert. Foto: Imago

Aldenhoven. Der Kreis Düren erarbeitet einen Landschaftsplan für die Gemeinde Aldenhoven. Bislang stellt eine ordnungsbehördliche Verordnung der Bezirksregierung Köln bedeutsame Landschaftselemente in den Außenlagen wie etwa Streuobstwiesen unter Schutz - gültig bis Ende 2012.

Der Kreis Düren will als Nachfolgeregelung einen Landschaftsplan erstellen, der als Satzung vom Kreistag beschlossen wird und somit politisch gestaltbar ist. Vorgeschaltet in dem etwa dreijährigen Verfahren sind eine Bürgerbeteiligung und die Offenlegung des Entwurfs. Dies unterstrich Kreis-Dezernent Hans-Martin Steins vor dem Gemeinderat.

Wie er und seine beiden Mitarbeiter Egbert Wilhelm, Leiter des Amtes für Landschaftspflege und Naturschutz, und Lothar Gerhards, Architekt der Behörde, sowie Martin Castor vom Planungsbüro Grontmij, Mönchengladbach, im Gemeinderat erläuterten, werde „nicht gegen den erklärten Willen der Kommunen” geplant. Wilhelm: „Kooperation statt Konfrontation.” Zudem geht die Finanzierung zu Lasten des Kreises Düren (20 Prozent) und des Landes NRW (80 Prozent).

Plan sichert Erhalt und Pflege

Wie Gerhards sagte, schütze eine ordnungsbehördliche Verfügung ein Biotop nur vor der Zerstörung, während ein Landschaftsplan den Erhalt und die Pflege sicherstelle - etwa in Form des Vertragsnaturschutzes, bei der der Eigentümer oder Pächter finanziell entschädigt wird. Ein Landschaftsplan, so Gerhards, bestehe aus einer „Festsetzung” von Landschaftsschutzgebieten („Verbotsanteile”) und aus Zielen, die auf den Erhalt zielten und dies auch staatlicherseits förderten. Entwicklungs-, Pflege- und Erschließungsmaßnahmen sollen, so der Kreis, ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgen.

Wie der Dürboslarer Ortsbürgermeister Wolfgang Klems (CDU) dazu ergänzte, sei von den Obstwiesen, die in den 70er Jahren unter Schutz gestellt worden seien, „nicht mehr viel zu sehen”. Wenn flexible Regelungen möglich wären wie etwa eine Verschiebung der dörflichen Bebauungsgrenze, „stehen schon nächste Woche 300 Obstbäume” rund um Dürboslar, ist er sich sicher.

Obstwiesen sind Lebensräume mit einer sehr hohen Artendichte. Sie beherbergen bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten. Derzeit sind viele Obstwiesen, so die Biologische Station des Kreises Düren, überaltert, und der Bestand an Bäumen ist stark rückläufig. Obstwiesen locken zahlreiche Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, die für die Bestäubung sorgen, Wespen, Schlupfwespen und holzbewohnende Käfer an. Dieser Insektenreichtum lockt wieder viele andere Tiere wie Igel, insektenfressende Vögel und Fledermäuse an. Die alten Bäume sind zudem ein wichtiges Wohn- und Bruthabitat für verschiedene Specht- und Eulenarten.

Frühzeitig eingebunden

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft (FWG), Dieter Froning, registrierte im Rat zufrieden, dass für den Kreis Schutzgebiete „kein Absolutum” seien. SPD-Vormann Udo Wassenhoven begrüßte, dass die Gemeinde in das Planungsverfahren „frühzeitig eingebunden” werde. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Reinhard Paffen sieht für die Gemeinde eine „wesentlich bessere Position” im Planungsprozess. Nachdrücklich wies er darauf hin, dass die Bergehalde in Siersdorf „von enormer Bedeutung” sei. Da diese noch der Bergaufsicht (durch die Bezirksregierung Arnsberg) unterliege, „muss man sich reindrängen”.

Unter dem Strich gab der Gemeinderat dem Kreis für die Planung „grünes Licht”, wie es Bürgermeister Lothar Tertel formulierte.

Drei Landschaftspläne für den Nordkreis

Im Nordkreis besteht bereits ein Landschaftsplan für den Bereich Ruraue mit Teilen von Linnich und Jülich. Zwei weitere Landschaftspläne sind angedacht, doch ist die Abgrenzung noch nicht beschlossen: Nordkreis West (Aldenhoven, teilweise Jülich, teilweise Linnich) und Nordkreis Ost (Titz, teilweise Jülich, teilweise Linnich).

Ein Landschaftsplan besteht aus einem Karten- und einem Textteil. In der Entwicklungs- und Festsetzungskarte sind die Entwicklungsziele (in flächigen Farben), die verschiedenen schutzwürdigen Gebiete und Objekte (Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, geschützte Landschaftsbestandteile und Naturdenkmale) sowie die Maßnahmen zur Verbesserung des Naturhaushaltes dargestellt.

Der Textteil besteht aus einer Spalte mit der textlichen Darstellung bzw. Festsetzung und einer Erläuterungsspalte. In der ersten Spalte sind beispielsweise die Entwicklungsziele sowie der Schutzzweck der einzelnen Schutzgebiete formuliert und die notwendigen Verbote und Gebote aufgeführt.

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