Marschieren für Frieden und gegen atomare Nutzung

Von: ptj
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Etwa 150 Ostermarschierer zoge
Etwa 150 Ostermarschierer zogen zum Hochtechnologieunternehmen ETC und forderten den Stopp aller Atomanlagen und der Transporte von Castorbehältern quer durch Deutschland. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wir haben alle gemeinsam erreicht, dass Röttgen in der Westcastor-Frage umgekippt ist.” Dies betonte Siegfried Faust, Sprecher des Aktionsbündnisses „Stop Westcastor” und Stadtverordneter der Linken in seiner Abschlusskundgebung des Jülicher Ostermarsches vor dem Haupteingang der Enrichment Technology Company Limited (ETC), die jeweils zu 50 Prozent dem Urenco-Konzern und dem Areva gehört.

Insgesamt beteiligten sich knapp 150 Teilnehmer an der Aktion im Rahmen der bundesweiten Ostermärsche der Friedensbewegung, die sich gegen jegliche Nutzung der Atomenergie und gegen alle Atomtransporte richtet.

Veranstalter waren die Aktionsbündnisse „Stop Westcastor”, „Münsterland gegen Atomanlagen”, der „Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz” (BBU) der BUND, Kreisgruppe Duisburg und das „Antiatom-Bündnis Niederrhein”.

Dort, wo am Jülicher Bahnhof der Schienenstrang endet, startete symbolisch die Auftaktkundgebung. Als Atommüllbehälter in leuchtend gelbes Plastik gehüllt, mit Protestbannern und Megaphonen in Händen, begaben sich die Demonstranten auf den knapp drei Kilometer langen Weg in den Stetternich Staatsforst. Ihre Forderungen wie „Hop, hop, hop, Atomkraftwerden stop” blieben allerdings weitgehend ungehört, nur wenige Passanten kreuzten ihren Weg.

Bei der Abschlusskundgebung griffen neben Faust zum Mikrofon: Grünen-MdB Oliver Krischer, BBU-Vorstand Udo Buchholz, Martina Haase, Stop Westcastor und „AKW nee” Aachen, und Hannes Beuter, Stop Westcastor und Anti Atom Gruppe der FH Aachen. Thematisiert wurden etwa die unkontrollierbaren Risiken der Atomtechnologie, inklusive dem Zwischenfall in Jülich 1978. Ferner würden sich die in Leichtbauweise errichteten Zwischenlager in Jülich und Ahaus kaum voneinander unterscheiden und etwa Anschlägen aus der Luft nicht standhalten.

Faust und Krischer hinterfragten die Pressemeldung vom 16. März, nach der die Castoren nun doch bis 2016 in Jülich verbleiben sollten - eine Nebenerscheinung des plötzlich eingetretenen Wahlkampfes? „Fakt ist doch, die Antiatom-Initiativen von NRW haben gegen diese Transportpläne gekämpft, wir von Westcastor hier in Jülich an vorderster Front, und es ist unser Erfolg, dass alle bisherigen Pläne von Bundesregierung und Forschungszentrum inzwischen Makulatur sind”, so Faust.

Kundgebungsort war nicht zufällig der Sitz der Firma ETC, die als Hochtechnologieunternehmen Gaszentrifugen fertigt, mit denen „Uran nicht nur für den Betrieb von Atomkraftwerken, sondern bei Bedarf auch für waffenfähiges Material angereichert werden kann”, wie der Westcastor-Sprecher nachsetzte.

Er erinnerte an den Stimmungswandel in der Region: Der einst „belächelte Außenseiter kann nunmehr mit seinen Argumenten immer mehr Bürger erreichen”. „Uran gehört in den Boden - und Atomanlagen gehören stillgelegt! Sofort und für immer und ewig. In Jülich, Gronau und anderswo”, rief Buchholz aus, der nahe der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage in Gronau wohnt, betrieben von Urenco.

Haase, die mit dem Aufruf „Strahlung kennt keine Grenzen - Widerstand auch nicht!” zur Demo aufgerufen hatte, konzentrierte sich in ihrer Rede auf die Euregio. So habe etwa die neue belgische Regierung beschlossen, Tihange 1 oder Doel 1 und 2 im Jahr 2015 abzuschalten, bis dahin aber gefährde sie uns weiter und produziere Atommüll.

Beuter monierte die Doppelmoral der westlichen Industriemächte und mahnte, wer nicht aus der Urananreicherungstechnik auszusteigen, unterstütze weiter die Atomindustrie.
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