Güsten - Marien- und Justinaglocke läuten wieder in Güsten

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Marien- und Justinaglocke läuten wieder in Güsten

Von: ptj
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Glockenklang durch Hammerschla
Glockenklang durch Hammerschlag: Nach der Glockenweihe beziehungsweise der neuerlichen Einsegnung der Marienglocke brachte Pfarrer i.R. Heinrich Bardenheuer beide Geläute zum Klingen. Foto: Jagodzinska

Güsten. Eine Glockenweihe ist ein seltenes und großes Ereignis, zu dem normalerweise mindestens ein Weihbischof anreist. Zur Weihe offiziell befugt war in Güsten indes Pfarrer i.R. Heinrich Bardenheuer, der vor der eigentlichen Weihe die Heilige Messe mit den Güstener Gläubigen zum Geburtstag des Heiligen Johannes des Täufers feierte.

Ein stimmiger Anlass, galt der Täufer, der als einziger Prophet Jesus begegnete, doch als „die Stimme des Herrn in der Wüste”.

So wie die Glocken, die wie eine Stimme von Himmel rufen, mahnen und trösten, die „uns an die höchste Bestimmung auf der Erde erinnern, Gott zu dienen und sein Lob zu verkünden”, wie Bardenheuer es ausdrückte. Viele Jahre musste die Pfarre St. Philippus und Jakobus aufs volle Geläut verzichten, nun sind zwei Glocken zurück aus dem Schweißwerk Hans Lachenmeyer in Nördlingen: Die 1,6 Tonnen schwere bronzene Marienglocke, Baujahr 1415, die 2015 600 Jahre alt wird.

Die Überlegung: „Es wäre schön, wenn sie dann wieder läuten würde”, war nach Bekunden von Ortsvorsteher Erich Gussen Anstoß zu der Maßnahme. Die zweite bronzene Glocke aus dem 13. Jahrhundert, die eine Tonne wiegt und bisher namenlos blieb, ist historisch besonders wertvoll, wie alte Dokumente belegen. Sie wurde wegen ihres fehlenden Klöppels und der schlechten Aufhängung ins Schweißwerk gegeben.

Weil der Ortsnahme Güsten sich aus einer der heiligen Justina geweihten Kapelle ableitet, weihte Bardenheuer die Namenlose zur Justina-Glocke. Als Weihglockenstuhl dienten zwei Traktoren auf der Wiese vor dem Pfarrheim, die die beiden wie zur Hochzeit geschmückten Geläute mit dem Kran ein Stück emporgehoben hatten.

Nach vollzogener Weihe beziehungsweise neuen Einsegnung der Glocke Maria brachte der Priester beide nacheinander mit einem Hammer zum Klingen. Die Klöppel, die ein Stück weit aus den Glocken herausragen würden, waren noch nicht eingesetzt. Die ungewöhnliche Vorgehensweise gefiel den zahlreichen anwesenden Gläubigen, die begeistert Applaus spendeten.

Erich Gussen ließ anhand seiner Dokumente noch einmal die Geschichte der Glocken Revue passieren: Auf die Bemühungen des damaligen Pfarrers Kauff wurde Justina im Zweiten Weltkrieg gegen eine gleich schwere Glocke aus St. Marien in Düren getauscht und 1955 zu einem vertraglich vereinbarten Betrag von 3500 DM zurückgekauft.

Glocken wurden nämlich zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Die Pfarren durften jeweils nur die kleinste behalten. Zuvor aber wurden alle Geläute eingruppiert, erhaltenswert waren grundsätzlich Glocken der Stufe D.

1941 wurde Maria allerdings in Stufe C zurückgestuft. Alte Dokumente belegen die verzweifelten, und schließlich erfolgreichen Bemühungen unter Pfarrer Kauff, doch beide Glocken zu retten. Beim Rückzug der Truppen wurde 1945 der Kirchturm gesprengt. Maria stürzte ab, wurde aber „mit vorzüglichem Erfolg geschweißt”, bis nach neuerem Gutachten eine weitere Stilllegung vonnöten war.

Mit der Wiedereinsetzung der Glocken in den nächsten Tagen sollten die Klangkörper nun wieder jahrzehntelang in ihrer Güstener Heimat verbleiben. Grund genug für die Gläubigen, im Anschluss ein fröhliches Glockenfest zu feiern.
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