Männerballett lässt die Bretter in Jülich beben

Von: hfs.
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Ab in den Süden: die Jungs vom Rurblümchen-Männerballett hatten Hula-Hopp-Mädchen im Gepäck. Foto: hfs.

Jülich. „Mach dein Ding, klingeling“ intonierte die Kölner Mundart-Band Domstürmer, ein Lied, das anscheinend auch die Große Jülicher Karnevalsgesellschaft Rurblümchen verinnerlicht haben. Denn sie machten wieder „ihr“ Ding, die große Kostümsitzung unter der Leitung ihres wortgewandten Sitzungspräsidenten Frank Kutsch in einer restlos ausverkauften Stadthalle.

Angekündigte Büttengrößen wie Bernd Stelter und de Knallkopp hatten kurzfristig abgesagt. Stelter steckte im Schneetreiben ebenso fest wie Dieter Röder. Trotzdem mussten die Jecken nicht auf Büttenklamauk verzichten, denn mit Knacki (Klaus-Jürgen) Deuser war mehr als nur Ersatz erschienen. Auch wenn sich der Comedian erst seit der letzten Session in die Bütt traut, Deuser kennt die Eigenheiten der Kölner, die zum Beispiel beim „Umzug Kamelle werfen“ und zum Schunkeln bereits den Dom „durch die S-Bahn“ animiert haben.

Hinsichtlich der Pisa-Studie stellte er fest, dass Schüler immer Aufgaben lösungsorientiert angehen. „Zur Herstellung von Erdbeermarmelade schälen die nämlich Berliner.“ Deuser brachte es auf den Punkt: „Wenn man in Norwegen Rentiere schon mit Flip Flops sieht, dann muss die Klimakatastrophe da sein.“ Nein, Stelter wurde nicht wirklich vermisst, denn schon zuvor hatte ja Liselotte Lotterlappen ihren Soloauftritt.

Die Frau alias Joachim Jung aus dem Lahntal scheut absolut keine Konfrontation mit dem Publikum, sie sucht sie gerade zu, wortgewaltig und schlagfertig geht Lotte auf jede Situation ein. Die Stärke von Liselotte - Jung wurde gerade als Künstler des Jahres 2013 nominiert - sind Gestik, Mimik , Spontanität. Die Art, aus gerade passierenden Situationen Gags zu kreieren, beweist, dass der sympathische Entertainer immer bei der Sache ist.

Lotterlappen ist ein Hit auf der Bühne. So durfte eine Rakete zum Abschluss nicht fehlen – mitgezündet vom Jülicher Dreigestirn, das zur Freude der Narren dann noch von Lotte ins Programm eingebaut wurde. Wenn 17 Mädchen und Jungs ein musikalisches Potpourri aus Köln zelebrieren, von der super geilen Zick, dree mol Null oder von Meiers Kättche schwärmen, dann kann es sich nur um de Höppemötzjer handeln. Eigentlich „die“ Tanzformation aus Köln mit dem herausragenden Tanzpaar Simon Seidel und Marie Mona Schauer.

Ihr tänzerisches Vermögen, ihre filigranen Hebefiguren sind von fast keiner anderen Truppe zu toppen. Was den Augenschmaus bei den Blümcher anbelangt, waren sie zweifelsfrei der Höhepunkt des abends. Apropos Sitzungsabend, der ist ja immer bei den Rurblümchen mit einer Pause verbunden, als Reminiszenz an den Caterer. Zum Start in Teil 2 des Programms hatte Literat Wilfried Pauls einen sehr guten Griff getan.

Denn mit de Botzedresse traten acht Vollblutmusiker auf, die Fastelovend em Blod haben. Ihre Retro-Hits vieler bekannter Stars und Mundartbands aus Köln rissen das Publikum mit. Da wagte selbst Bandleader Ted Borgh abseits der Bühne ein Tänzchen. Dessen sieben Musiker gehören zu den Besten, die man im Karnveal bekommen kann. 4,2,1, nein, es ist keine willkürliche Zahlenkombination, es war zum Beispiel die Reihenfolge der Notenhefte, die die Funken Rot Weiß aus Hürth-Gleuel für ihren Auftritt brauchten.

Kurz überreicht, dem Einmarsch stand nichts mehr im Wege. Nichts lieben Garden, Funken oder Corps mehr als Live-Musik – diesmal von der Kapelle Borgh. Dass die Kölsch Fraktion und de Räuber selbst in die Tasten greifen, dies kann der Fan erwarten. Beide Gruppen wurden diesem Anspruch mehr als gerecht, ohne Zugaben ließ man sie nicht aus dem Saal.

Es folgte die Heimatrede von Tom Oellers. Dass der über das Jahr gesehen dem Volk aufs Maul schaut, das Gehabe von Politiker, Lokalgrößen, Honoratioren verfolgt , und dieses dann mit Annekdötchen in Reimform den Narren präsentiert, freut die einen, andere lässt das das Lachen vergehen. „Mir mache de Spillches vum Dürener Kreishuss nitt mi mitt.“ Wie zu erwarten, nahm Oellers den Landrat aufs Korn. Denn der hatte ihm ja so manche „Vorlage“ geliefert.

„So iss et aan de Zick, dat meer de Schandrat uss Düre verjare.“ Steigende Kreisumlage, das „Verhökern der Kommunen an Rheinbraun“ oder aber Jens Brökers Bestellung zum Indeland-Geschäftsführer lieferten viel Zündstoff. Und natürlich die Befreiung „vom Doof Nuss“-Kennzeichen.

„Mett JÜL määt ma Werbung, füür Jülich von janzem Hetze, da kann ma dä Schildertusch och als Werbungskosten von de Stüür affsetze.“ Und einmal auf der Nostalgiewelle unterwegs, reimte und rief Oellers „ahle Muttkrate wie Kuurte Banaan, Schmitze Vierkant, Schmitze Buchping oder Poppe Pütz in Erinnerung. „Vielleicht könne se ons helpe, die ahle Name widder intzeführe“, meinte er und benannte den Jülicher Neubürger Josef Wirtz zum „Landtags-Jüppche“.

Die Rakete war Oellers gewiss, ebenso die Ernennung zum Senator. Stehende Ovationen dann auch für das Herrenballett, immer der krönende Abschluss einer Rurblümchen-Sitzung. Diesmal hoben die Herren ab in den Süden, ließen sich von Hula Hopp-Mädchen an der Strandbar verwöhnen. Natürlich zwei Mal, denn die Jungs ließen wieder manche Mädchenherzen höher schlagen.

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