Ludwig Gall: Vor 150 Jahren starb der berühmteste Aldenhovener

Von: gre
Letzte Aktualisierung:
4882645.jpg
Am alten Rathaus in Aldenhoven erinnert eine Bronzetafel an Ludwig Gall. Foto: Greven

Aldenhoven. Vor 150 Jahren verstarb mit Ludwig Gall der wohl berühmteste Aldenhovener. An den Sozialreformer, geboren am 28. Dezember 1791 in Aldenhoven, gestorben am 31. Januar 1863 in Trier, erinnert eine Bronzeplakette am alten Rathaus in der Alte Turmstraße, das nach ihm benannt worden ist. Gall war ein Zeitgenosse des revolutionären Philosophen Karl Marx (1815 – 1883) und des genossenschaftlichen Selbsthilfe-Pioniers Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888).

Die vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) herausgegebene „Rheinische Geschichte“ widmet Gall mehrere Seiten. Darüber hinaus gibt es mehrere Werke, unter anderem in polnischer Sprache, über den Sohn eines katholischen Landwirtes aus Aldenhoven, der mit seiner Familie später nach Kleve verzog. Nach der Schule arbeitete er dort zunächst bei Anwälten, bevor er in den Staatsdienst eintrat, wobei sein Dienstherr in den Wirren der französischen Besatzung zwischen den französischen, preußischen und russischen Militärverwaltungen mehrmals wechselte. Er arbeitete in Lüttich und Luxemburg. 1816 wurde er in die neugebildete preußische Bezirksregierung von Trier übernommen.

Es war damals die Zeit der Massenarmut, die mit der Frühindustrialisierung einher ging. Nicht nur in der Stadt, auch im Umland war diese bei den Kleinbauern und Winzern verbreitet, die nicht zuletzt zu Auswanderungen führte.

1819 gab Gall seine Stellung auf und übernahm die Führung einer Gruppe Auswanderer in die USA. „Der Elan des Ausbruchs wich schnell der Ernüchterung. Gall und seine Frau kehrten nach einem Jahr wieder heim nach Trier. In einem zweibändigen Werk berichtete er über sein Amerika-Abenteuer, indem er die Auswanderung als Lösung für Behebung der Armut im Lande ablehnte.

Kapital und Arbeit

1825 erschien Ludwig Galls Hauptwerk „Was könnte helfen?“ Aus seiner Sicht sind es die „Interessengegensätze und Machtungleichgewichte zwischen den Geldprivilegierten und den arbeitenden Klassen“. Als einzigen Ausweg sah er die „Aufwertung der menschlichen Arbeit gegenüber dem Kapital“. Auch heute ebenso aktuell wie damals seine These , es gebe „das moralische Recht auf Arbeit und den moralischen Anspruch darauf, dass der Arbeiter von seinem Erwerb eine menschenwürdige Existenz führen kann“.

Gall verstand sich nicht als Sozialist. Er lehnte die Kritik des Sozialismus an Religion und bürgerlicher Moral ab. Allerdings wird er im „Deutschen Bürgerbuch für 1846 als Vertreter des (Früh-) Sozialismus angeführt. Angetan war Gall hingegen vom „Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft“ und von der Genossenschaftsidee, die Wilhelm Raiffeisen propagierte. In die letztere Kategorie gehört auch seine Idee von der „immerwährenden Getreidelagerung, um jeder Not des Mangels und des Überflusses zu begegnen“.

Während seiner Arbeit in der Domänenverwaltung im Regierungsbezirk Koblenz wurde er mit der Situation der Moselwinzer konfrontiert. Der preußische Beamte erwies sich als Praktiker. Zunächst befasste er sich mit der Dampfdestillation. Sein patentierter Dampfbrennapparat wurde schließlich erfolgreich bei der Bekämpfung der Cholera angewandt. Gall hielt sich zeitweise in Paris und London auf, in Ungarn war er Gutsinspektor und baute landwirtschaftliche Kleinindustriebetriebe auf.

Seine Rückkehr an die Mosel fiel in eine Zeit, als es den Moselwinzern ungeheuer schlecht ging. Mangelnde Qualität machten den Wein nahezu unverkäuflich. Hin- zu kamen Missernten. Gall experimentiere mit verschiedenen Methoden der Weinverbesserung. Er erfand die Nasszuckerung, das nach ihm benannte „Gallisieren“, welches sich an der Mosel bewährte, in anderen klimatisch günstigeren Regionen aber bekämpft wurde. Unbestritten ist, dass das Gallisieren damals die Moselwinzer gerettet hat.

Diese Methode wurde durch das Weingesetz 1975 endgültig verboten. Aber an der Mosel hat sich Gall mit dieser Verfahrenstechnik bleibende Sympathien erworben.

Auf seinen Grabstein ließ seine Trierer Frau Maria Anna Willewersch schreiben: „In der Zeit ein Streiter voll Feuereifer für das Wohl der Menschheit, für Wahrheit und Wissenschaft, ein Erfinder, der Tausende bereichert hat und arm gestorben ist.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert