„Love Letters”: Aus Liebe zum Briefeschreiben

Von: Hilde Viehöfer
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Liebesbriefe sind nicht immer
Liebesbriefe sind nicht immer nur rührend, sondern manchmal auch durchaus amüsant, wie Renan Demirkan und Gerhardt Haag auf der Jülicher Bühne beweisen. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Einen Theaterabend von besonderem Inhalt und von besonderen Schauspielern gestaltet erlebten die Zuschauer im Rahmen der Theaterreihe in der Jülicher Stadthalle.

Das Theater Highlight der 80er Jahre namens „Love Letters” von A.R. Gurney begeistert auch heute noch oder gerade heute das Publikum.

Die Geschichte der beiden Menschen scheint einfach erzählt. Melissa und Andy, beide aus der Mittelschicht Amerikas, besuchen beide die Klasse einer Grundschule. Erste Zettelchen wechseln unter der Schulbank, kindlich unschuldig, aber von großem Ernst.

Später werden richtige Briefe daraus. Wichtige und banale Informationen werden ausgetauscht. Aus dieser Kinder-Freundschaft entwickelt sich eine Verbindung bis zum Tod, die jedoch bis auf wenige persönliche Begegnungen nur auf Briefkontakt beruht.

Der Zuschauer wird Zeuge eines Wechselbades der Gefühle, die bei völlig unterschiedlichen Lebenswegen immer deutlicher zeigen, dass der freundschaftliche Briefkontakt Zeugnis einer großen Liebe ist. Aber erst nach dem Tod von Melissa offenbart sich Andy - zu spät für ein Happy-End.

Gleichzeitig ist dieses Theaterstück eine Liebeserklärung an das Briefeschreiben, hochaktuell im Zeitalter des Computers, der E-Mails, von Facebook und Telefonaten.

Neben der persönlichen Begegnung bedeutet ein handgeschriebener Brief eine besondere Intimität. Jeder Brief hat eine persönliche Note. Der Schreiber kann seiner Fantasie freien Lauf lassen, sich auf seinen Briefpartner konzentrieren und einstellen.

Der Empfänger kann lesen, Andeutungen interpretieren, mehrmals lesen, dem nächsten Brief entgegenfiebern oder -trauern, wenn der Kontakt zeitweise abbricht. Andy schreibt: „Dieser Brief, den ich mit eigener Hand schreibe, mit meinem eigenen Füller, in meinem eigenen Stil, kommt von mir und von niemand sonst und ist ein Geschenk von mir für Dich”.

Die Inszenierung der Love Letters zeugte von großer Behutsamkeit im Umgang mit dem Stoff und Sensibilität mit den Gefühlen der Menschen. Die Bühne war spartanisch eingerichtet. Zwei Schreibtische, an denen die Akteure saßen und ihre Briefe lasen, eine Schiefertafel, nichts lenkte sonst von Renan Demirkan und Gerhardt Haag ab, die bestens die Briefeschreiber in ihren verschiedensten Lebensphasen verkörperten, Sie lasen und spielten die Rollen sowohl als Kinder, Jugendliche und Erwachsene stimmlich und mimisch angepasst.

Durch Ein- und Ausblenden der Scheinwerfer wurden diskret Zeitabschnitte angedeutet. Die Musikeinspielungen untermalten und verstärkten dezent die Handlung.

Zwei Leben und Lebenswege wurden aufgerollt, mit allen Höhen und Tiefen. Hoffnungen, Eifersüchteleien, Beziehungen, Sehnsüchten, Lebensformen und Lebenseinstellungen, berufliche Entwicklungen und Enttäuschungen lassen den Zuschauer durch das Verlesen der Briefe an den Lebenswegen zweier Menschen teilnehmen.

Das tragische Ende Melissas und der Liebesbrief, mit dem Andy Abschied nimmt, rührte an, machte betroffen und traurig.

Renan Demirkan brillierte als impulsive, gefühlgesteuerte Melissa. Ihre Körperhaltung und Mimik verstärkten die inhaltliche Aussage der Briefe. Gerhardt Haag verkörperte glaubhaft den planenden, vernunftgesteuerten Andy, der sich zu spät zu seinen Gefühlen bekennt.

Das Publikum war gefangen von dieser Aufführung und den beiden exzellenten Schauspielern. Der große herzliche Applaus war mehr als gerechtfertigt.
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