Jülich - Löst Bürgerbus das Jülicher ÖPNV-Problem?

Löst Bürgerbus das Jülicher ÖPNV-Problem?

Von: Volker Uerlings
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Kurzer Draht zu den „Steuerleuten“ im Bürgerbus: Bald auch in Jülich? Foto: imago/Horst Rudel

Jülich. Der Öffentliche Personen Nahverkehr (ÖPNV) ist außerhalb größerer Städte eigentlich nie richtig, wenn man der landläufigen Meinung Glauben schenkt. Das trifft auch auf Jülich und seine zahlreichen Ortsteile zu. Irgendwie ist zwar fast jedes Dorf an die Buslinien angebunden, aber zu bestimmten Zeiten kommt man einfach nicht weg vom Fleck.

Dieses Grundübel hat Geschichte und auch die Jülicher Kommunalpolitik schon mehrfach beschäftigt. Konzepte gibt es viele, bezahlbare Pläne kaum. Im Planungsausschuss referierte mit Kai Pachan zum wiederholten Mal ein Experte, der im weitesten Sinn Hilfe zur Selbsthilfe propagierte, die relativ wenig kostet: ein Bürgerbus-System.

Der günstige Betrieb ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Fahrerinnen und Fahrer ehrenamtlich arbeiten. Der Vorschlag kann jedenfalls so schlecht nicht sein, denn in Nordrhein-Westfalen gibt es laut Kai Pachan vom Büro für Verkehrs- und Stadtplanung 220 Bürgerbusvereine, einen davon auch seit vielen Jahren gleich im benachbarten Linnich. Zum Einsatz kommen soll ein Kleinbus für maximal acht Fahrgäste im Linienverkehr, der von einem entsprechenden Verein organisiert wird.

„Der Bürgerbus soll Lücken schließen und richtet sich vorwiegend an Ältere, Behinderte Mütter und Jugendliche“, erklärte Pachan im Jülicher Rathaus, der auch gleich die Kernfrage beantwortete: Das Land gibt einen satten Zuschuss zur Anschaffung des kostspieligen Fahrzeugs und unterstützt auch den Trägerverein jährlich. Auf die Stadt Jülich käme nur ein Risiko zu: Sie müsste per Ratsbeschluss zusichern, ein mögliches Defizit zu übernehmen. Auch das sind keine Unsummen. Manche Bürgerbusvereine arbeiten sogar profitabel, eine Mehrheit fährt leicht in die Miesen. Ein Durchschnittswert liege laut Pachan bei etwa 8000 Euro pro Jahr.

Dafür sind die Fahrten für die Gäste erschwinglich. Als Preisbeispiel nannte der Verkehrsplaner 0,80 Euro für eine Fahrt innerhalb der Innenstadt und 1,50 Euro für die Tour in einen Ortsteil.

„Zentral ist die Frage, ob es gelingt, genug Ehrenamtler zu finden, die sich als Fahrer und für den Vorstand zur Verfügung stellen“, erläuterte Pachan im Ausschuss. Damit ein Jülicher Bürgerbussystem montags bis freitags von etwa 7 und bis gegen 19 Uhr funktioniere, seien etwa 35 bis 40 Freiwillige mit Führerschein vonnöten. Die hohe Zahl erklärt der Experte mit der dadurch geringeren Einsatzhäufigkeit: Die Fahrer(-innen) müssten dann zwei- bis dreimal monatlich für etwa vier Stunden ans Steuer, das sei leistbar und keine zu hohe Beanspruchung. Finden sich weniger Kandidaten, müssten die öfter ran.

Da als Träger des Öffentlichen Personen Nahverkehrs ein konzessioniertes Unternehmen wie die Dürener Kreisbahn als Partner gewonnen werden muss, könnten hier auch die Bürgerbus-„Steuerleute“ geschult werden.

Der Planer hatte auch zwei grobe Linien-Vorschläge im Gepäck.

Der eine gewährleistet eine bessere Anbindung der Ortsteile an die Kernstadt, der andere eine bessere Feinerschließung der City selbst (mit Nordviertel und den Einrichtungen im Süden). „Das sind aber nichts als Vorüberlegungen. Sinnvoll wäre es, beide Lösungen zu verbinden“, so Pachan, der auch riet, alle seniorenrelevanten Einrichtungen anzubinden.

Ausschussvorsitzender Erich Gussen (CDU) sprach vielen Politikern aus der Seele: „Das ist auf jeden Fall interessant, aber es sind auch Hürden zu nehmen.“ Neben dem Landeszuschuss sollten weitere Sponsoren ins Boot. Und eine Defizit-Übernahme müsse natürlich mit dem Haushaltssicherungskonzept in Einklang zu bringen sein.

Vor einer endgültigen Meinungsbildung wird der Bürgerbus-Vorschlag den Jülicher Ortsvorstehern vorgestellt.

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