Literaturmatinee mit Gurdrun Kaschluhn: Lyrik gegen das Novembergrau

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Annemiek Krieger hieß die Zuhörer zur Matinee willkommen und Marlene Mommertz, Gudrun Kaschluhn sowie Marianne Lohmer (v. links) stellt den Lyriker Robert Gernhardt vor. Foto: Kròl

Linnich. „Jetzt wissen Sie, warum ich Lyrik so mag“, gestand Gudrun Kaschluhn ihren Zuhörerinnen und einigen wenigen Zuhörern zum Abschluss der Literaturmatinee in der katholischen Bücherei St. Martinus Linnich. In Zusammenarbeit mit dem Literaturkurs der VHS Jülicher Land fand diese Veranstaltung statt, die dem Lyriker Robert Gernhardt gewidmet war.

Man kennt ihn oder man kennt ihn nicht, man mag ihn oder nicht, eindeutig sind die Meinungen zu diesem 2006 verstorbenen Autor. Vielseitig ist sein Lebenswerk wie kaum ein anderes. Neben seiner Tätigkeit als Dichter war er ein hervorragender Maler und Zeichner. Er schrieb außerdem Romane, Kurzgeschichten, ein Theaterstück, und Drehbücher. Er arbeitete für die Zeitschrift „Pardon“ und war Mitbegründer von „Titanic“. Er war Herausgeber. Literaturhistoriker und sogar ein erfolgreicher Kinderbuchautor.

Geschichten und Gedichte

Ausgiebig stellte Gudrun Kaschluhn, die diesen Schriftsteller schon seit je her verehrt, seine Arbeit vor. Im Wechsel mit Marianne Lohmer und Marlene Mommertz lasen sie Passagen aus seinen Geschichten oder trugen die Gedichte vor. „Denken wir uns das Leben – Angeblich schreibt es die besten Geschichten“, so hatte der Autor eines seiner Bücher betitelt, und dies stand auch als Überschrift über diese Matinee.

Und tatsächlich. Gernhardt ist das Kunststück gelungen, den Alltag in die Lyrik zu transportieren, und so entstanden Gedichte wie „Als er sich im stillen Örtchen befand“ ein Gedicht Zyklus „Herz in Not“, und eine ganze Menge mehr. Mit spitzer Feder karikierte er seine Umwelt, doch niemals boshaft, häufig kritisch und stets mit einer gehörigen Portion Mutterwitz und Humor gewürzt.

Zum Lachen und Nachdenken

„Alle die heute nicht hier sind, sind selber schuld“, fanden dann auch die Zuhörer bei dieser Lesung. „Ich mache ja sonst einen großen Bogen um die Lyrik, aber das wird sich nun ändern“, gestand Annemiek Krieger, Leiterin der Bücherei, und meinte weiter, „Sie haben uns heute eine Menge zu lachen und auch zum Nachdenken gegeben.“ Deshalb, so fand sie auch, passe Gernhardt auch zum Volkstrauertag, der an diesem Sonntag begangen wurde. Er half aber auch, das triste Grau draußen ein wenig zu vergessen. „Für diese Jahreszeit empfehle ich immer gerne Ringelnatz, Morgenstern oder Kästner. Vergessen Sie aber auch die modernen Dichter nicht“, ermunterte die ehemalige Buchhändlerin ihre Zuhörer zur Lyrik.

Robert Gernhardt wurde am 13. Dezember 1937 in Tallin geboren, kam 1946 nach Göttingen und ab 1956 studierte er Malerei an der stattlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, an der Akademie in Berlin und Germanistik an der FU Berlin. 2006 verstarb er in Frankfurt am Main. Zahlreiche Preise wurden ihm für seine Arbeit verliehen, darunter auch den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Kr.

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