Literarischer Spaziergang durch die Jülicher Nacht

Von: ptj
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Wissenschaft und Verantwortung: Dieses Thema interpretieren die Zitadellschüler (v.l.) Einstein (Philipp Neumann), Möbius (Peter Jahn) und Newton (Jan Veit) mit einer Szene aus Dürrenmatts „Die Physiker”.

Jülich. Eine ideenreiche „Literarische Promenade” war die Jülicher Umsetzung der landesweiten „Nacht der Bibliotheken”. Veranstalter war der drei Jahre junge „Arbeitskreis Jülicher Bibliotheken”.

Dieser hatte mit dem sprichwörtlichen Spaziergang zu drei verschiedenen Veranstaltungsorten, wo ein kurzes wie kurzweiliges Programm auf die Interessierten wartete, ein alternatives Angebot ersonnen.

Ausgangspunkt war die Schlosskapelle, in der Zitadellen-Schüler das Thema „Wissenschaft und Verantwortung” umsetzten: Schülerinnen der 9a verlasen historische Schlagzeilen oder „Träume der Wissenschaft”, die zur Auseinandersetzung mit verantwortlichem Handeln anregten.

Lebendiges Beispiel war die viel beklatschte Szenen-Darstellung des gedanklichen Höhepunkts aus der bösen Satire von Friedrich Dürrenmatt „Die Physiker”: Beim Abendessen in der Nervenheilanstalt sitzen die drei Physiker Möbius (Peter Jahn), Newton (Jan Veit) und Einstein (Philipp Neumann) zusammen. Möbius glaubt, die „Weltformel” entdeckt zu haben und hat sich ins Irrenhaus einliefern lassen, weil er meint: „In der Öffentlichkeit sind unsere Gedanken Sprengstoff”.

Newton als Begründer der „Entsprechungslehre” und Einstein als Entdecker des „Eisler-Effekts” fühlen sich in der Pflicht, ihre Errungenschaften der Menschheit zu übergeben, schieben die Verantwortung dafür allerdings auf Partei oder Allgemeinheit. Es gelingt Möbius jedoch, seine Wissenschaftler-Kollegen zu überzeugen, lebenslang mit ihm in der Anstalt zu bleiben.

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad machten sich die literarisch Interessierten im Anschluss auf den Weg zur Christuskirche, wo sie erneut eine „Welturaufführung” erwartete: Schüler der GHS Jülich und das Mandolinenorchester Koslar unter Leitung von Birgit Tobien fanden sich zum eindrucksvollen Gesamtwerk „Texte machen Töne” zusammen. Das Orchester spielte die „Ouvertüre Burlesque” von Telemann, deren Titel sich auf die Figuren der „Commedia dell Arte” beziehen.

Zunächst stellten die Schüler diese italienische Volkskomödie mit festem Dramaturgiegerüst und Raum zur Improvisation vor. Als Intermezzo der gelungenen musikalischen Interpretation folgte eine ansprechende Darstellung der Figuren in historischen Kostümen: Angeführt vom prahlenden Offizier „Scaramuccia”, gaben Hanswurst „Arlecchino”, die charmante Dienerin „Columbina” und der traurige „Pedrolino” als Vorläufer des französischen Pierrots ihr Stelldichein.

Auf zwei grazile Tänzerinnen in Samtkleidern folgte die Darstellung des charmanten, aber herzlosen „Mezzetino”: im rot-weiß gestreiften und schwarz-weißen Kostüm. Hier waren türkische Einflüsse aus 1683 spürbar, als die Türken vor Wien standen. Begeisterter Applaus belohnte Musikanten und Darsteller.

Passender Schlussakkord

Örtlich passender Abschluss der „Nacht der Bibliotheken” war die Stadtbücherei: Dort fand in Anlehnung an die gleichnamige Bonner Ausstellung die Lesung „Renaissance am Rhein” statt.

Während Guido von Büren, Vorsitzender des Geschichtsvereins, die historischen Hintergründe über Hermann Weinsberg lieferte, einen „unbedeutenden Ratsherrn und Weinhändler aus dem 16. Jahrhundert”, wurde dieser von Dr. Christoph Fischer (Museum Zitadelle) ansprechend verkörpert: Das Schreiben als Leidenschaft Weinsbergs machte ihn nämlich nicht nur unsterblich, sondern bietet wichtige Einblicke in das Leben eines Bürgers aus dieser Zeit.

Als Kölner „Burggräve” beköstigte Weinsberg nicht nur Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg, sondern beschrieb auch den „wunderköstlichen Bau” der Zitadelle und die „Jülicher Fehde”. Ein geschichtlicher Austausch bei einem Glas Wein mit Häppchen setzte den Schlusspunkt einer gelungenen „Literarischen Promenade”.
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