Aachen - Liebe, Panik, Eifersucht und ein Gewaltausbruch

Liebe, Panik, Eifersucht und ein Gewaltausbruch

Von: Janou Müller-Beuermann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ein 25 Jahre alter Mann aus Jülich hat am Montag vor dem Landgericht Aachen gestanden, im Januar seine Freundin getötet zu haben.

Erst habe er ihr eine Sektflasche gegen den Kopf geschlagen. Dann habe er sie gewürgt, bis sie tot war. Sie habe ihn nach einvernehmlichem Geschlechtsverkehr in seiner Wohnung unvermittelt angeschrien und beleidigt, sagte er. „Es war eine komische Situation: Ich kannte sie so nicht. Sie ist völlig durchgedreht. Und dann ist es halt passiert.”

In wesentlichen Details weicht damit seine Darstellung des Geschehens von der der Anklage ab. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Arbeitslosen Vergewaltigung und Mord vor: Es habe eine Art Nebenbuhler gegeben, mit dem sich die junge Frau noch in der Tatnacht habe treffen wollen. Das habe dem Angeklagten nicht gepasst. Er habe die 20-Jährige nach zunächst einvernehmlichem Sex brutal vergewaltigt, so die Anklage. Bei der Obduktion fanden sich massive Verletzungen, die diese Vermutung nahelegen. Als die Frau Anstalten gemacht habe, zu dem neuen Bekannten zu gehen, habe der Angeklagte sie hinterrücks mit der Flasche niedergeschlagen und die Bewusstlose bis zum Eintritt des Todes gewürgt.

„Sie war eine hübsche junge Frau und einzigartig für mich”, sagte der Angeklagte über Christina. „Wir waren auf einer Wellenlänge. Jeder wusste, was der andere dachte.” Zwei Jahre lang seien sie allerbeste Freunde gewesen, ganz ohne Sex. „Enger geworden” sei die Beziehung um Weihnachten 2010. Aber erst am 6. Januar 2011 seien sie das erste Mal miteinander intim geworden.

„Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe. Sie fand das süß. Und ich hatte das Gefühl, sie wollte mit mir schlafen.” Weil sie jedoch über Schmerzen klagte, habe er aufgehört. „Alles lief ganz normal ab.” Bis sie mit Tränen in den Augen „voll anfing rumzuschreien”. Dann sei alles ganz schnell gegangen. Aber sie habe in jedem Fall noch die Flasche in seiner Hand gesehen. „Warum ich das getan habe? Die Frage stelle ich mir jeden Tag. Ich weiß es nicht”, sagte der großgewachsene Blonde monoton. „Ich war nicht ich selbst.”

Nach der Tat sei er planlos und verwirrt in seinem Leihwagen durch Jülich gefahren. Er habe einen Selbstmord erwogen und dies auch in einem 45 Minuten langen Notruf bei der Polizei angekündigt. Er erwähnte er offen seine Wut darüber, dass Christina zu dem anderen gehen wollte, den sie „hinter seinem Rücken” kennengelernt habe. Vor Gericht spielte er den Aspekt Eifersucht eher herunter. War dies das Motiv?

Die Schwurgerichtskammer will den Fall bis Ende der Woche abgeschlossen haben, heute geht der Prozess weiter. Das Urteil ist für Freitag vorgesehen.
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