Lichterzug erinnert an die Novemberpogrome von 1938

Von: Adi Zantis
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Während des Gedenkens an die November-Pogrome von 1938 erinnerten Schüler der Aldenhovener Realschule mit Klassenlehrerin Gabriele Felder (r.) auch an die ehemalige Langweiler Synagoge. Foto: Zantis

Aldenhoven. Ein sichtbares Zeichen für das Gedenken an die jüdischen Opfer der Nazi-Diktatur war der Lichterzug durch die Straßen von Aldenhoven.

Es war, so der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer, „eine doppelte Botschaft, die für uns immer eine Mahnung bleibt!” In der evangelischen Kirche sprach er „von einem Gedenken”, in dem „die Erinnerung an das schreckliche Geschehen als letzter Wille bedeutsam ist”. „Wir sind zutiefst dankbar, dass es Nichtjuden sind, das Andenken lebendig erhalten!”

Für den evangelischen Pfarrer Charles Cervigne ist das Memento der Rückbesinnung, das Zusammenfinden von Jugendlichen, Konfirmanden und Schülern wie auch die Mitgestaltung durch die Geschichtswerkstatt, dem Bündnis gegen Rechts und den Vertretern der katholischen und evangelischen Gemeinde „ein besonderes Zeichen der Solidarität”.

„Es ist nicht vorbei”, so warnte Cervigne. Er verwies auf die eindrucksvolle Ausstellung „Opfer rechter Gewalt” und machte deutlich: „Es gibt eine Verbindung zwischen damals und heute!”

Synagoge in Langweiler

Im Rückblick auf die ehemalige Synagoge in Langweiler erinnerten Aldenhovener Realschüler unter Anleitung der Klassenlehrerin Gabriele Felder mit einer lebendig aufgearbeiteten Dokumentation an dieses Zentrum jüdischen Lebens in der Region. Dazu gehörten die Ausgestaltung der jüdischen Gottesdienste, die jüdischen Festtage, die Betstuben in den einzelnen Orten wie auch die religiösen Bräuche in der jüdischen Gemeinde.

Doch auch die Langweiler Synagoge wurde ein Opfer des Nazi-Terrors. Zwar gelang es, das Gebäude vor der drohenden Brandschändung zu schützen, jedoch war die Zerstörung verheerend. 168 jüdische Gemeindemitglieder mussten vor dem Pöbel fliehen. Die Langweiler Synagoge konnte zwar den Krieg noch überdauern, musste aber mit dem ganzen Ort schließlich 1968 dem Braunkohletagebau weichen.

Eindrucksvoll wurde in der Gedenkfeier durch die Konfirmandengruppe mit dem „Anspiel” das Leben der 1926 in Aldenhoven geborenen Jüdin Edith Kesselmann vorgestellt: Ihre unbeschwerte Kindheit, ihre erlebnisreiche Schul- und Jugendzeit wie auch die allmählich aufkeimende Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung mit der Einflussnahme durch die Nazis und dem umgreifenden Antisemitismus bis zur Flucht ins Ausland.

„Wir erschrecken über das, was geschehen ist!”, so verdeutlichte es eine Jugendgruppe der Martinus-Gemeinde. „Haben Christen die Ursachen und Anfänge, ja sogar die Schuld verdrängt?” In den vielen Gemeinsamkeiten mit den Juden, wie z. B. die Zehn Gebote, die Heilige Schrift oder das Alte Testament sahen die Jungendlichen „Ein Zeichen für einen neuen Himmel!”

Der jüdische Friedhof, das ehemalige Gebetshaus und die Stele im Römerpark als Aldenhovener Gedenkstätten waren Ziel des Lichterzuges: Stilles Gedenken am Friedhof, das Verlesen des Erinnerungstextes durch Bürgermeister Tertel am Gebetshaus und das ergreifende Totengebet (Kaddisch) durch Rabbiner Bohrer im Römerpark. Bei der musikalischen Mitgestaltung engagierten sich Organist Michael Mohr (Kirche) und der Solo-Trompeter Klaus Luft besonders.
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