Jülich - Lesung: Die Tücken rund um das Leben berufstätiger Mütter

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Lesung: Die Tücken rund um das Leben berufstätiger Mütter

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Nives Mestrovic (r.) bezog die Gleichstellungstellungsbeauftragte der Stadt Jülich, Mandy Geithner, kurzerhand mit ein und im Wechsel lasen die beiden einen Schriftwechsel. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Der Internationale Frauentag kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Erstmalig 1911 begangen, stand ursprünglich der Kampf für das Wahlrecht im Vordergrund. Obwohl die Gleichberichtigung der Frauen heute auf einem guten Weg ist, ist die Gleichstellung, über 100 Jahre später, immer noch ein hochaktuelles Thema. Derzeit stellt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Frauen vor große Herausforderungen.

Die Gleichstellungsstelle der Stadt Jülich nahm den Weltfrauentag zum Anlass und veranstaltete in Kooperation mit dem Förderverein Stadtbücherei Jülich eine Lesung zum Thema in der Stadtbücherei. Der Roman „Muttertier @n Rabenmutter“ von Sonja Liebsch und Nives Mestrovic schildert die Problematik des beruflichen Wiedereinstiegs. Dabei gelingt es den Autorinnen mit viel Humor und Witz die Tücken rund um das Leben berufstätiger Mütter anschaulich zu verdeutlichen.

Auftakt mit Sekt

Die Veranstaltung startete fern von lila Latzhosen und Kampfparolen mit einem Sektempfang und ging zu einer fröhlichen Lesung über. Nives Mestrovic, Jahrgang 1971, schilderte zunächst die Entstehungsgeschichte des Buches: Zwei Freundinnen trafen nach Jahren zufällig beim Surfen im Internet aufeinander.

Sie schrieben sich E-Mails und erkannten viele Gemeinsamkeiten in ihrem Leben: Kinder, Stress und keine Aussicht auf ein geregeltes Einkommen. Dabei fragten sie sich, warum es so kompliziert sei wieder in den Beruf einzusteigen? Mestrovic legte schließlich mit ihrer Freundin ein Buch vor, in dem der Rahmen echt, aber die Geschichten dahinter ausgedacht sind.

In der Lesung in Jülich ging es um Supermamas in den Krabbelgruppen oder Pseudowissenschaftlerinnen im Büro. Kindergartenmütter definierten sich über die Leistung ihres Kindes oder die Ausübung eines Ehrenamtes. Doch trotz großem Engagement blieb die Anerkennung aus, denn: Was nichts koste, tauge auch nichts, lautete die einschlägige Erfahrung.

Bei schulpflichtigen Kindern stelle sich das Problem der Nachmittagsbetreuung, und wenn im Halbjahreszeugnis die Hausaufgaben des Kinds bemängelt werden, ist „natürlich“ die Rabenmutter schuld. Selbst wenn berufstätige Mütter einem täglichen Plan nachgingen, dürfe für den reibungslosen Ablauf nichts dazwischen kommen. Unvorhersehbare Zwischenfälle wie Brech-Durchfall des Kindes, Erschöpfung der Mutter oder Terminverschiebungen in der Kita lösten chaotische Zustände aus und stelle Mütter in Deutschland vor die Entscheidung: Entweder Rabenmutter oder Muttertier sein.

Lokalkolorit

Mestrovic las die Texte mit viel Temperament und Lokalkolorit. Die Autorin stammt aus Mönchengladbach, dort spielt auch das Leben einer der Protagonistinnen. Kurzerhand bezog Mestrovic die Gleichstellungsbeauftragte Mandy Geithner in die Lesung mit ein und im Wechsel trugen die beiden einen Schriftwechsel vor.

Den Abschluss machte eine Kolumne mit dem Titel „Einfach mal raus kommen“. Dieser Satz falle häufig, wenn Mütter den Wiedereinstieg ins Berufsleben suchten. Rhetorisch fragte Mestrovic in die Runde, wer denn die „Arme“ hindere aus dem Haus zu gehen? Und woher dieser bescheuerte Satz eigentlich komme? Um dann mit den Worten zu schließen: „Wir wollen Geld verdienen mit einer Tätigkeit, die uns Spaß macht. Deshalb hören wir doch mit dem Spruch auf und machen uns nicht kleiner als wir sind.“

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