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Lesermeinung: Die „4. Kleine Nacht der Wissenschaft”

Von: spl
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Photovoltaik-Fans und -Experte
Photovoltaik-Fans und -Experten im Kulturbahnhof (v. l.): Uwe Rau, Judith Lennartz, Moderator Volker Uerlings, FZJ-Vorstand Harald Bolt, Sven Bergfeld und Stefan Haas. Foto: Sarah Plahm

Jülich. An alles hatte Louis Palmer gedacht - nur genug T-Shirts fehlten ihm bei seiner Weltreise, die er 2007 in Luzern startete. „Ich habe einfach gedacht, ich werde bald eh nach Hause kommen, weil die Kiste nicht mehr fährt”, erinnert sich der schweizer Lehrer.

Der Pädagoge war mit einem eigens konstruierten Solar-Auto unterwegs. Seine Sorge sollte sich allerdings als unberechtigt erweisen, Palmer schaffte 53.000 Kilometer in 18 Monaten - angetrieben nur von der Sonne. Welche Rolle die Photovoltaik-Technologie in der Energiewende spielen wird, darum ging es in der 4. Kleinen Nacht der Wissenschaft des Forschungszentrums Jülich und unserer Zeitung.

Zahlreiche Interessierte hatten trotz strömenden Regens den Weg in den Kulturbahnhof gefunden, um nicht nur den Film „Solartaxi” zu schauen, der Palmers ambitioniertes Vorhaben zeigte, sondern auch, um die anschließende Talk-Runde zu verfolgen, in der - moderiert von Redakteur Volker Uerlings - Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft die Frage diskutierten, was die Solarenergie zu einer zukunftsweisenden Technologie machen wird.

Dass es dazu nicht nur gute Ideen und Forschung zu Hauf braucht, sondern auch eine gehörige Portion Durchhaltevermögen, zeigte Louis Palmers Weltreise. Schon als Kind hatte er davon geträumt, mit einem Solar-Taxi um die Welt zu reisen. 2007 war es mit Hilfe von Studenten, die aus Palmers Vorstellung ein echtes Auto konstruierten, Wirklichkeit geworden. Er wollte der Welt zeigen, dass sich auch mit einer umweltfreundlichen Energie weite Strecken zurücklegen lassen. Überall auf der Welt bestaunte man sein Auto.

Allenthalben sind indes noch zahlreiche Forschungsvorhaben notwendig, um die Photovoltaiksysteme weiter voranzubringen. Das betonte Harald Bolt vom Vorstand des Forschungszentrums Jülich. „Wirklich weiter kommen wir, wenn wir vernünftige Speichertechnologien haben”, sagte Bolt. Denn Energie wird auch gebraucht, wenn die Sonne nicht scheint. Damit unter anderem stationäre Speichersysteme verbessert werden können, forschen derzeit etwa 1000 Mitarbeiter im FZJ an den Themen Energie und Klima.

Dabei wird zum Beispiel auch ergründet, wie das Licht der Sonne optimal in die Solarzelle gelangen kann. In diesem Zusammenhang stellten Stefan Bergefeld von der Firma 4Jet Technologies, die 2011 mit dem Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Aufsteiger” ausgezeichnet wurde, und Wissenschaftler Stefan Haas die Kooperation aus Forschung und Wirtschaft als „Win-Win-Situation” vor. Die Alsdorfer Firma entwickelt Lasersysteme. Die sind erforderlich, um die Eigenschaften der Solarzellen zu optimieren, etwa bei der Herstellung von Dünnschichtsolarzellen. Die bringen zum Beispiel Materialersparnis bei der Produktion wie eine leichtere Anbringung an und auf Gebäuden mit sich.

„Der Preis pro Fläche ist die entscheidende Maßzahl”, betonte in diesem Zusammenhang Uwe Rau, Leiter des Instituts für Energie- und Klimaforschung. So seien Solarmodule inzwischen bereits um einen Faktor 3 günstiger geworden. Dennoch zeigten sich Zuschauer in der Diskussionsrunde gegen Ende besorgt über die erheblichen Kosten bei der Investition in eine Solaranlage. Der Abend zeigte aber auch, dass es bei einem Mix aus erneuerbaren Energien, die nicht ständig Strom liefern, in Zukunft wichtig sein wird, dass sich das Verbraucherbewusstsein ändert.

Nicht alles im Haushalt muss zum Beispiel zu den Spitzen der Netzauslastung erledigt werden. Wer allerdings ein energieautarkes Haus besitzt, ist zumindest nicht aufs öffentliche Netz angewiesen. Dass das funktioniert, beweist das erfolgreiche Projekt von Studenten der RWTH Aachen, die mit Unterstützung des Forschungszentrums ein „Solar-Haus” gebaut haben, das beim Wettbewerb Solar Decathlon Europe 2012 in Spanien mit dem fünften Platz ausgezeichnet wurde.

So erklärte Architektin Judith Lennartz, dass dabei Energieverluste und damit auch Umwandlungsprozesse vermieden werden mussten. Die Toilette im Solar-Haus funktioniert zum Beispiel mit Wasser, das bereits zum Händewaschen verwendet wurde, der Fußboden ist aus Holzträgern des alten Tivoli hergestellt. Das Haus wird demnächst auf dem Gelände des Forschungszentrums aufgebaut, wie bei der „Kleinen Nacht der Wissenschaft” zu erfahren war.

Damit Forschung, Ideen und Ideale allerdings langfristig erfolgreich sind, gilt es wohl auch, die zukünftigen Generationen für das Thema Energie und Umwelt zu sensibilisieren.
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