„Leben auf Pump”: Schuldenturm muss nicht die Endstation sein

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Wenn die Schulden außer Kontrolle geraten, hilft die Jülicher Schuldnerberatung der Diakonie. Ein Ausweg kann dann die Verbraucherinsolvenz sein. Foto: Keystone

Jülich. Ein „Leben auf Pump” ist so einfach - zunächst. Reicht aber dann das Einkommen auf Dauer nicht aus, um Miete, Raten, Rechnungen sowie und die Alltagsausausgaben etwa für Essen und Trinken zu bestreiten, ist der Schuldenturm die Endstation.

Doch es gibt einen Ausweg aus diesem Teufelskreis, ausgelöst durch Arbeitslosigkeit, Krankheit, Ehescheidung oder andere familiäre Probleme. Eine finale finanzielle Lösung zu finden, dabei hilft die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks des Evangelischen Kirchenkreises Jülich. Wenn private Bürger oder kleine Gewerbetreibende chronisch zahlungsunfähig sind, erklären sie sich wie Unternehmen offiziell für pleite - per Verbraucherinsolvenz.

Dass der Gesetzgeber vor gut zehn Jahren diese Möglichkeit mit der Insolvenzordnung (InsO) geschaffen, das sieht Stefanie Richter von der Schuldnerberatung in der Schirmerstraße 1a „überwiegend positiv”. Denn es bestehe damit eine wirkliche Chance, die erdrückende Schuldenlast in gut sechs Jahren los zu sein.

Stefanie Richter ist mit ihren zwei Kolleginnen Britta Pieta und Ursula Hensen zuständig für Jülich, Aldenhoven, Linnich, Titz, Inden und Niederzier.

Dass dieser Weg aus den Schuldenturm begehbar ist, hat auch eine lokale Umfrage der Jülicher Schuldnerberatung ergeben - bei Bankern und Bürgermeistern, bei Sozialarbeitern und Sportstudiobetreibern, bei Pfarrern und natürlich bei Privat-Pleitiers.

Deren Biografien sind, so Doris Vogel, Leiterin des Sozialamtes der Stadt Jülich, „zwar unterschiedlich, doch irgendwie auch wieder nicht”.

So meint ein kleiner Unternehmer, der, assistiert von der Diakonie, im nächsten Jahr die Restschuldbefreiung erhält, dass sein Leben „wieder in vernünftige Bahnen” gerät. Ein Vorruheständler steht dem Insolvenzverfahren zwar „unbedingt positiv” gegenüber, kritisiert aber als Betroffener die bürokratische Verfahrensweise und den damit verbundenen Stress bis hin zu Depressionen.

Auch Heide Lang, Betreuerin des Diakonie-Vereins Jülich, meint, dass Verfahren sei für einfachere Leute „komplziert, aufwändig und schwer zu verstehen”.

„Absolut ablehnend” äußert sich der befragte Sportstudiobetreiber. Es könne nicht sein, dass ein 22-Jähriger mit 15.000 Euro Schulden in die Privatinsolvenz gehe und danach nicht mehr für seine alten Verbindlichkeiten geradestehen müsste.

„Ich werde fast monatlich durch dieses Gesetz vom Staat enteignet, wenn meine Kunden nicht mehr zahlen können”, klagt er in der Umfrage. Die Zahlungsmoral der Bürger werde durch die InsO „untergraben”, befürchtet der Fitness-Trainer. Auch ein Banker bilanziert, dass bei manchen Kunden die „Verschuldungsbereitschaft” gestiegen sei.

Ein Steuerberater berichtet, dass er als Gläubiger mehrmals auf seinen Forderungen sitzen geblieben sei. Sein Fazit: „Ich habe gearbeitet und keine Entlohnung hierfür erhalten.” Teilweise sei sogar eine regelrechte „Dreistigkeit” bei seinen Klienten festzustellen.
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