Leben auf Kosten anderer: Wie sich unser Konsumverhalten auswirkt

Von: ptj
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Für ihn ist Kochen eine polit
Für ihn ist Kochen eine politische Angelegenheit: Der niederländische Vegan-Koch Wam Kat begeistert mit seiner vorzüglichen Suppe und ist ein gesuchter Gesprächspartner. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Bemerkenswert, was eine Person erreichen kann, wenn sie ihr Ziel hartnäckig verfolgt”, lobte Werner Wieczorek, Mitorganisator der Aktionswochen „Konsum um jeden Preis?” die Initiatorin Dr. Tanja Grüdl.

Diese war vom Dokumentarfilm „Hunger und Wut” vor drei Jahren dermaßen beeindruckt, dass sie die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens „am liebsten auf dem Marktplatz zeigen wollte”. Ein Podium fand sich drei Jahre später auf der Hauptbühne im Brückenkopfpark mit drei namhaften Referenten. Kurzfristig abgesagt hatte Barbara Küppers vom Referat Kinderarbeit und Sozialstandards bei Terre des Hommes. Professor Dr. Christoph Buchal, langjährig am Forschungszentrum beschäftigt, nannte einige wichtige Fakten, die er „nicht moralisch bewerten” wollte, untermauert von drei Grundthesen: Energie wird immer teurer. Energiesparen ist sinnvoll, und das globale Energieproblem ist absolut ungelöst”.

„Immer richtig” befand er Investitionen auf dem Energiesektor. „Welch großes Geschenk haben wir gehabt mit dem lange so preiswerte Öl”, war seine Sichtweise des Problems steigender Energiepreise, denn: „Man kann Energiediskussion nicht gefühlsmäßig führen”. Als Riesenproblem bezeichnete er den steigenden Strombedarf der Welt, denn „Strom ist durch nichts zu ersetzen”. Der geborene Jülicher Alexis Passadakis aus dem globalisierungskritischen Netzwerk „attac” informierte über die Hintergründe sich zuspitzender Krisentendenzen der Bereiche Finanzen, Energie/Klima und Demokratie. Die „imperiale Lebensweise” als Form des Konsums ziehe „ständig wie ein Staubsauger Ressourcen an”. Seit den 70er Jahren basiere die „finanzmarktgetriebene Globalisierung” auf billiger Arbeit, die wiederum eine faire Herstellung ausschließe.

Als Ansatzpunkt gegen die „Unzulänglichkeit des Alltagsverstandes” sieht er eine „Umverteilung von unten. Wir sind an einem historischen Zeitpunkt angelangt: Eine Bewegung ist unterwegs, neue Antworten zu finden”, zeigte sich der Referent besonders erfreut über die Aktionswochen. „Ein diffuses Bild”, weil es „nicht anders geht bei diesem Land” zeichnete Anselm Meyer-Antz, Brasilienreferent bei Misereor.

„Unser zu gutes Leben ist kein gutes Leben für den Regenwald und für Brasilien”, betonte er. Die Brasilianer „sind so arm, weil sie so reich sind”, sehr viel Land, Bodenschätze, Biodiversität und Tropenwald besitzen, den die Indianer 9000 Jahre erhalten hätten. Diesem Sekundärwald „nähern sich die Nachfahren der Europäer in der falschen Weise”. Warum der Agrosprit kein Biosprit ist, und dass er zu einer immensen Preissteigerung in Brasilien und damit wieder zu größerer Armut führe, wurde genauso thematisiert wie das Nacheifern der Brasilianer „unser zu gutes Leben führen zu wollen”.

Wachsendes Interesse

Hoffnung bestehe allerdings in der „grünen” Bewegung für einen schonenderen Umgang mit dem Regenwald sowie alles, „was seit dem Widerstand gegen die Atomkraft an Nachdenklichkeit entstanden ist”. Die Bands „SpellOtones” und „Rockdorf” umrahmten themenbezogen und wohlklingend die Referate. Bemerkenswert war außerdem sowohl das breit gefächerte Informations- und Aktionsangebot um das große Zelt herum als auch das wachsende Interesse der Bevölkerung an diesem Thema.

Die Besucher stellten Fragen im Anschluss an die Referate und suchten das Gespräch an Infoständen zum Schutz von Natur und Menschenrechten. Gleich neben dem Angebotsstand biologisch produzierter Waren der Metzgerei Classen hatte der vegane niederländische Koch Wam Kat sein Kochzelt aufgeschlagen und einen riesigen Kochtopf mit einer vorzüglich schmeckenden Suppe gefüllt, die mit Brotbeilage serviert wurde.

Die vielen biologisch angebauten Gemüsezutaten von der Steckrübe über verschiedene Selleriearten bis zur Kartoffel sollten wegen ihrer unattraktiven Form oder Länge eigentlich weggeworfen werden. Wam Kat, der noch nie in seinem Leben Fleisch gegessen hat, resümiert: „Vor 35 Jahren galt ich als krank. Heute werde ich gefragt: Ist es wirklich vegan?”

Als großzügige finanzielle Unterstützer der Aktionswochen zeichnet sich das Kleiderlädchen der SPD, die Sparkasse Düren, der Jülicher Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Förderverein der Stadtbücherei aus. Nicht zuletzt sorgte das Kleiderlädchen mit einer Modenschau auf der Bühne für Aufsehen: Acht Models in den Konfektionsgrößen 36 bis 48 wandelten mit je fünf kompletten Outfits über den Steg und wurden reichlich beklatscht.
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