Düsseldorf/Jülich - Landtag: „Störfälle in Jülich lückenlos aufklären“

Landtag: „Störfälle in Jülich lückenlos aufklären“

Von: Johannes Nitschmann
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Atomreaktor Jülich Slider
Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit des Jülicher Versuchsreaktors (AVR) war eine Expertenkommission auf massive Fehler gestoßen. Foto: Archiv

Düsseldorf/Jülich. Die rot-grünen Regierungsfraktionen im Düsseldorfer Landtag drängen auf eine lückenlose Aufklärung offenkundig vertuschter Stör- und Zwischenfälle bei dem zwischenzeitlich stillgelegten Atomreaktor im Forschungszentrum (FZ) Jülich.

Der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Reiner Priggen, kündigte gegenüber unserer Zeitung an, dass sich der Wirtschaftsausschuss des Landesparlaments auf Antrag von SPD und Grünen bereits am kommenden Mittwoch mit den Ergebnissen einer Expertenkommission zu den Unregelmäßigkeiten befassen werde.

Diese Kommission hatte die Vergangenheit des Jülicher Versuchsreaktors (AVR) wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Experten waren auf zahlreiche Fehler beim Betrieb des so genannten Kugelhaufenreaktors gestoßen. So seien Zwischenfälle gar nicht oder aber in einer zu niedrigen Sicherheitsstufe an die Aufsichtsbehörde gemeldet worden.

SPD und Grüne wollen jetzt von dem in Nordrhein-Westfalen als Atomaufsicht fungierenden Wirtschaftsministerium wissen, wie die Erkenntnisse der Expertenkommission bewertet werden und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. „Die Rolle der Atomaufsicht muss in diesem Fall aufgeklärt werden“, verlangte Priggen. Die Grünen würden beantragen, dass die von ihnen getragene Landesregierung einen Bericht zu den Ergebnissen der Expertenkommission vorlegt.

Zudem wollen die Grünen bei der Entsorgung des Jülicher Forschungsreaktors eine „Rückbau-Begleitgruppe“ mit Beteiligten der „regionalen Zivilgesellschaft“ einsetzen. Dazu müssten Kommunalpolitiker ebenso gehören wie kritische Wissenschaftler, erklärte Priggen.

Priggen warf dem FZ Jülich vor, dass es sich über die Probleme mit dem Versuchsreaktor jahrzehntelang „in Schweigen gehüllt“ habe. Es sei „nicht zu akzeptieren“, wenn Stör- und Zwischenfälle in der Atomanlage nur durch hartnäckige parlamentarische Anfragen „ans Tageslicht“ kämen. Dies schade dem Ansehen des FZ Jülich ebenso wie der mit ihr kooperierenden Aachener Hochschule RWTH. „Es wird weiter an Reaktoren gearbeitet“

Der Chemiker Rainer Moormann wirft dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) vor, weiter an der Entwicklung von Hochtemperaturreaktoren zu arbeiten, obwohl die Technik gefährlich und teuer sei. Gegenüber unserer Zeitung verweist Moormann auf den Jülicher AVR-Reaktor, dessen Rückbau schon über eine halbe Milliarde Euro gekostet habe. Das FZJ widerspricht. Es sei seit Jahren nicht mehr an der Entwicklung von Reaktortechnologie beteiligt.

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