Regensburg/Jülich - Landesausstellung zeigt Mittelalter auch von seiner modernen Seite

Landesausstellung zeigt Mittelalter auch von seiner modernen Seite

Von: Jochen Jonas
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Wappen mit Löwe: Glasfenster aus Kloster Seligenthal. Das Kloster bei Landshut wurde von Ludmilla, der Urgroßmutter Ludwigs des Bayern, gestiftet und diente als Grablege der Wittelsbacher. Die Glasscheibe mit dem Pfälzer Löwen im Wappen entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts und befindet sich heute im Bayerischen Nationalmuseum in München. Der Pfälzer Löwe und die weiß-blauen Rauten sind die Wappen der Familie der Wittelsbacher. Quelle: © Bayerisches Nationalmuseum

Regensburg/Jülich. In eine politisch, religiös und privat spannende Zeit für das Jülicher Land führt eine bayerische Landesausstellung in Regensburg, die dem deutschen Kaiser Ludwig IV. oder Ludwig dem Bayern gewidmet ist und nur noch bis zum 2. November zu sehen ist.

Kaiser Ludwig der Bayer war der Schwager des Jülicher Grafen Wilhelm V., der in Jülich besser bekannt ist als Herzog Wilhelm I. Das aber greift voraus, denn als Wilhelm von Jülich 1356 Herzog wurde, war Ludwig bereits neun Jahre tot und die Herzogswürde erhielt der Jülicher Graf von Karl IV., in den letzten Jahren der Gegenspieler von Ludwig dem Bayern.

Der junge Jülicher Graf Wilhelm (geboren 1299) und der junge bayerische Herrscher (sein Geburtsdatum ist nicht bekannt, wird aber auf etwa die Mitte der 1280er Jahre datiert) waren keine Altersgenossen, aber sicherlich beide aus dem selben politischen Holz geschnitzt. Das macht die Ausstellung in der Regensburger Minoritenkirche (Landesmuseum) mehr als deutlich, auch wenn – jedenfalls aus Jülicher Sicht – längst noch nicht alle Fragen beantwortet werden.

Drei Frauen (und deren Männer) bringen Europa im 14. Jahrhundert voran: das sind die drei Töchter des Grafen vom Hennegau (Gebiet um Mons, südwestlich von Brüssel an der französisch-belgischen Grenze): Margarethe wurde die Frau des deutschen Kaisers, Philippa die Frau des englischen Königs und Johanna 1324 die Frau des Jülicher Grafen. Dessen Bruder Walram war wiederum Erzbischof von Köln und damit einer der Kurfürsten, die den deutschen König aussuchten. Die Kurfürsten wiederum standen gegen den Papst, denn sie wollten sich das Recht der Wahl des deutschen Königs nicht nehmen lassen. Das setzten sie während der Regentschaft Ludwigs auch durch.

Das oft als „finster“ verschrieene Mittelalter zeigt sich da – aus heutiger Sicht – als durchaus modern. Der Kampf um Macht und Glaube, die Gleichberechtigung der Frauen, England gegen Frankreich, England gegen Schottland, alles Themen, die einem sehr bekannt vorkommen. Und natürlich das liebe Geld. Auch da war Ludwig der Bayer sehr erfinderisch.

Der Kampf Ludwig des Bayern gegen den damals in Avignon residierenden Papst hat durchaus Parallelen zur Jetzt-Zeit: die Franziskaner wollten die Kirche reformieren und die Prachtentfaltung zurückdrängen: der Grund, warum der heutige Papst den Namen Franziskus trägt. Am Ende ist Deutschand verwaltungsmäßig modernisiert, geeint und auf dem Weg zur Säkularisierung. Ludwig und damit auch der Jülicher Markgraf (1336) hatten ihren Anteil daran. Der Jülicher Graf half dem englischen König (wieder eine Parallele) im Kampf gegen die Schotten und wurde Earl of Cambridge (1340), der englische König wurde Reichsvikar und alle trafen sich 1338 zum Reichstag in Koblenz. Der Kampf gegen Frankreich war wesentlich dadurch bestimmt, dass der französische König sich mit dem Papst verbündet hatte.

Die gelungene Ausstellung führt den Betrachter buchstäblich von den niedrigen Anfängen zu den höchsten Höhen: der Boden der Minoritenkirche wurde mit einem ansteigenden Podest belegt und symbolisiert so den Aufstieg des Herrschers, der eine 34-jährige Regentschaft hinter sich gebracht hatte, als er 1347 tot vom Pferd fiel.

Und diese Entwicklung war dem jungen Herzogssohn nicht in die Wiege gelegt. Als Zweitgeborener sollte ihm eigentlich die Regentschaft im geteilten Bayern verwehrt bleiben. Aber der Wittelsbacher setzte sich gegen seinen älteren Bruder durch. Immer wieder schaffte er es, auch mit Hilfe guter Berater, die oft aus dem Franziskaner-Orden kamen, Leute für sich einzunehmen.

Aber er scheute auch nicht den kriegerischen Konflikt. 1313 gewann er bei Gammelsdorf die Schlacht gegen seinen habsburgischen Vetter und errang so die Vormacht in Bayern, was ihm 1314 die allerdings nicht unbestrittene Wahl zum deutschen König eintrug.

Ludwig hatte ein Gespür für Menschen und Entwicklungen. In seiner Regentschaft wurde auch mit unkonventionellen Mittel – durch den Vertrag von München wurde für eine kurze Zeit eine Doppelregentschaft in

Deutschland eingeführt – regiert. Deutschland wurde auch im 14. Jahrhundert „vom Sattel aus“ regiert, sprich die Hauptstadt und die Verwaltung waren dort, wo sich der Regent gerade aufhielt. Das änderte sich auch bei Ludwig nicht, aber er führte zum Beispiel ein Urkundsregister (Regesten) ein, das helfen sollte, die Übersicht zu behalten.

Vor allem aber zeigt das Beispiel Ludwig des Bayern: Politik ist oft besonders dann erfolgreich, wenn der Siegreiche nach dem Sieg dem Unterlegenen die Hand reicht und ihm aufhilft. Das vermittelt die sehenswerte Ausstellung in Regensburg anschaulich, Der Besuch lohnt sich.

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