Kunstverein Jülich startet Colloquium-Reihe

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Beatrix von Bock erklärt eine Topflappen-Installation mit der Aufschrift „Liebe geht durch den Magen“ und „Hunger auch“. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Was bewegt Künstler, Kunst zu machen? Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, veranstaltet der Kunstverein Jülich Colloquien im Hexenturm und stellt Künstlerinnen vor. Den Anfang machte Beatrix von Bock. „Geplant sind jährlich zwei Veranstaltungen in der Adventszeit“, erklärte Vorsitzende Kirsten Müller-Lehnen, bevor Ideengeber und zweiter Vorsitzender Dieter Laue die Moderation übernahm.

Beatrix von Bock ist freischaffende Künstlerin und arbeitet im Bereich der konzeptuellen Kunst und Drucktechniken. Sie studierte an der Hochschule für bildende Kunst in Maastricht und war in zahlreichen Ausstellungen im Raum Aachen, Belgien und den Niederlanden vertreten. Im Hexenturm präsentierte und erläuterte sie diverse Ausstellungsobjekte.

„Mich nerven viele Dinge in der Welt und ich versuche, das in Kunst umzusetzen“, erzählte von Bock und zeigte eine Installation mit Topflappen. Gehäkelt, genäht und bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, erregen sie Aufmerksamkeit über den ästhetischen Aspekt. „Das sind alles wunderbare Unikate, schwärmte Laue, „die haben alle einen Witz.“

In der Original-Installation reihten sich rund 150 Topflappen aneinander und übereinander. Gut zu lesen ist der quer verlaufende Spruch: „Liebe geht durch den Magen“. Auf dem Boden dagegen zwei Exemplare mit den Worten: „Hunger auch.“ Eine politische Botschaft, die in der Kunst angesiedelt ist“, sagte Müller-Lehnen.

Ein anderes Objekt ist eine Leiste mit weißen Frottee-Handtüchern, darüber vergilbte Namensschildchen. Sie erinnern an Interieur im Kindergarten. Die Künstlerin schilderte, dass in der weltweiten Waffenproduktion pro Jahr 200 Schuss Munition pro Mensch hergestellt werden. „Ich habe 200 Läppchen ausgestellt, um zu demonstrieren, dass die Munition für jemand gedacht ist“.

In einer weiteren Arbeit produzierte sie T-Shirts mit Datum im Aufdruck und trug jeden Tag ein T-Shirt mit aktuellem Tagesdatum. Im Anschluss verkaufte die Künstlerin, die einmal getragenen Kleidungsstücke in der Kunstakademie und machte auf „Vergänglichkeit“ aufmerksam. Der Tag mit dem Datum war vorbei und nicht zu wiederholen.

Im Bereich Drucktechniken arbeitet von Bock mit Materialien aus Müll und erzeugt verblüffende Ergebnissen. Auf die Frage von Laue, wie sie zur Kunst gekommen sei, antwortet sie: „Ich habe als Kind nie viel gemalt, aber schon immer gerne Installationen zusammengestellt.“ Eine Künstlerin habe sie zum Zeichnen motiviert. Das klappte so gut, dass sie verschiedene Kurse besuchte und schließlich in Maastricht studierte. Sehr viel Selbstbewusstsein sei notwendig, um auch dann weiter zu machen, wenn eine Zeit lang kein Bild verkauft wird, erzählt sie.

Am morgigen Sonntag stellt der Kunstverein Jülich Marion Gravatsch vor.

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