Kneipengericht: Ein Schaukelpferd und 50 Liter Bier

Von: ptj
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Die karnevalistische Gerichtsv
Die karnevalistische Gerichtsverhandlung ist in vollem Gange. Heinrich Ningelgen (r.) muss sich verteidigen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Eine Gerichtsverhandlung mit Vertretern dreier Gesellschaften im „Franziskaner”? Wann hat es jemals so etwas in Jülich gegeben? „Alaaf un jod Preck zesamme”, begrüßte Ulk-Präsident Jörg Bücher die ehrenwerte Gesellschaft.

Mit offiziell anmutenden Akten der Anwaltskanzlei „Zeughaus links der Rur” in Händen hatte er gegen einen großen „Fauxpas” von Herrn Lazarus Strohmanus zu befinden.

Strohinfektion

Dieser war aufgrund seiner persönlichen Verhältnisse - „Er hat ausschließlich Stroh und Holzwolle im Kopf” - nicht in der Lage zu erscheinen. Seine schwerwiegende „Strohinfektion” hatte Dr. med. Linus (Wiederholt) aus Ald-en-Hoven medizinisch bescheinigt.

Die im „vornhinein geringe Lebenserwartung aufgrund seiner stark historisch genetisch bedingten Veranlagung” war bereits öffentlich durch die Nottaufe im KuBa Jülich belegt worden.

Zur Anhörung waren an seiner Stelle Heinrich Ningelgen, Präsident der „Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus ohne Fahne”, Vize Achim Berwix, Geschäftsführer Josef Esser und Kassierer Dieter Esser erschienen.

Als „kompetenter Dolmetscher, der Jülicher Mundart in Ulk-Hochdeutsch” übersetzten sollte, war der Broicher „Stopp dä Mutz”-Präsident Peter Hintzen geladen. Die Schöffen führte Rurblümchen-Präsident Frank Kutsch an.

Die zu verhandelnde Freveltat war nach der Proklamation des Kinderdreigestirns am 14. Januar im Kuba geschehen. „Keiner hatte mehr ein Auge auf die Standarte, und die Lazarusbrüder hatten sich peu à peu aus dem Staub gemacht.”

Die Begründung des Angeklagten Ningelgen schien hingegen „an seinen Barthaaren herbeigezogen zu sein”. Bücher sprach von „grob fahrlässigem Handeln” und dem „Tatbestand der Fahnenflucht”.

Ferdi Wagemann von der KG Ulk kümmerte sich währenddessen um die „Sicherungsverwahrung” der Standarte, die für eine Gesellschaft ein „hochwichtiges Relikt” sei. Der untadelige Lebenswandel der Angeklagten wurde augenzwinkernd betrachtet, und für alle wurde „Führungsaufsicht” beantragt.

Schallendes Gelächter aller Anwesenden störte die nicht ganz ernst zu nehmende Gerichtsverhandlung von Anfang an. Der Mundartübersetzer Hintzen wiegelte den Vorwurf ab, die Gesellschaft hätte sich aufgrund ihrer guten Lateinkenntnisse in den Vatikan absetzen wollen.

Ningelgen verteidigte sich, er sei „kurz vor der Demenz” und hätte noch nie „enne en e Gespräch verwickelt, was tiefsinnig gewesen” sei. Erneute Lachsalven. Sein Gütevorschlag lautete, entweder er hielte auf der nächsten Ulk-Sitzung einen 45-minütigen Vortrag oder er zahle mit einem „Pittermännche”.

Die Schöffen zogen sich zur Beratung in die Toilette zurück und forderten daraufhin „eine höhere Bierstrafe” von 50 Litern Gaffelkölsch und Ningelgen auf einem „Schöckelpeed”, das Berwix und Esser beim Kengerzoch 2013 die Kölnstraße „hoch und runter” ziehen sollten.

„Histerischer Präsident”

Ningelgens rechte Hand „Hein Noon, Fachanwalt für Prinzenrolle” riet dazu, Widerspruch einzulegen, aber der „histerische Präsident” nahm das Urteil „zähneknirschend an”.

Aus den Händen des „Sicherheitsverwahrers” Ferdi Wagemann nahm er die Standarte wieder in Empfang. Seine Gesellschaft darf nun wieder stolz den Nachsatz „mit Fahne” tragen.
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