Jülich - Kirchenfusion: Zentrale Lösung bietet Chancen

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Kirchenfusion: Zentrale Lösung bietet Chancen

Von: Dorothée Schenk
Letzte Aktualisierung:
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„Drei in eins” oder „15 in 1”? Die Jülicher Gemeindevertreter wollen sich auf eine Form der Kirchenfusion bis Mitte des Jahres einigen. Das Bild zeigt die drei Innenstadt-Kirchen. Fotomontage: Schenk

Jülich. Die Uhr tickt. Noch zwei Jahre, dann muss die Entscheidung der Pfarrgemeinden gefallen sein: Kommt die „große oder kleine Fusion”? Während bereits Anfang 2010 bistumsweit die Fusionen umgesetzt sein mussten, hatte Bischof Mussinghoff den Katholiken in Jülich Aufschub gewährt, um aus den 13 Gemeinden mit 15 Kirchen eine Einheit zu schaffen.

Wohin „die Reise” geht, ist allerdings noch nicht abzusehen. Eine Projektgruppe, besetzt mit je zwei Vertretern pro „Kirchturm” sowie begleitet durch das Beraterteam Roland Weber und Christiane Parlings vom Bistum Aachen, beschäftigt sich seit Ende letzten Jahres mit dem Thema „Fusion”. Sie sollen entscheiden, ob die drei Innenstadtpfarren - Propstei, St. Rochus und St. Franz Sales - unter ein Dach gehen und die Dorfgemeinden dem Kirchengemeindeverband angegliedert werden, oder alle Gemeinden zu einer Großpfarre fusionieren.

Weit auseinander, so wurde im jüngsten GdG-Rat referiert, lagen beim ersten Treffen die Standpunkte. Bis Jahresmitte 2011 sollen allerdings Ergebnisse vorgelegt werden. Zwingend nötig, wie Regionaldekan Hans Otto von Danwitz, beim Informationsabend zum Thema erklärte. Denn nur die Festlegung auf eine „Marschrichtung” werde Bewerber für das seit Jahresbeginn verwaiste Amt des Propstes interessieren.

Wie viel vor allem emotionaler Zündstoff im Thema „Fusion” steckt, war beim Informationsabend Ende letzten Jahres deutlich hörbar. Bernd Wolters, Fachmann aus dem Bistumsbüro, der bereits 44 Fusionen begleitet hat, stellte die Fragen in den Raum: „Wo ist Kirche in Jülich in 10 bis 15 Jahren?” und „Was können wir uns noch leisten - auch in Jülich?”

Für diese Überlegungen scheint die Runde der Pfarr-Vertreter aber noch gar nicht bereit. Vor allem die zehn Dorf-Pfarren sehen ihre Existenz bedroht. Da ist einerseits die Sorge um das Vermögen der Heimatpfarre. Das geht bei einer Fusion - bis auf Stiftungen, die an den Ort gebunden sind - in einen großen Topf. Dieses Thema nahm einen großen Raum am Abend ein. Andererseits war die Angst hörbar, von den „großen” Stadtkirchen dominiert zu werden und ein Diaspora-Dasein auf dem Lande zu führen.

Gemeindereferentin Beate Ortwein sprach deutliche Worte: „Wir sind Katholiken, eine Weltkirche und schaffen es nicht, über den eigenen Kirchturm hinauszudenken.” Es wurden auch Stimmen laut, die in der Fusion eine Chance sehen. Durch den Wegfall von Verantwortung - etwa für die Liegenschaften - würden Kapazitäten für andere Aktivitäten frei, brächten sich vielleicht Menschen ein, die die Last der Verantwortung scheuten. Pfarrer Keutmann sprach sich dafür aus, sich nicht in Verteidigungsgräben zurück zu ziehen, sondern Konzepte zu entwickeln. Die Augen vor dem demografischen Wandel zu verschließen, sei falsch. Jugendliche etwa seien nicht mehr so verortet. „Wir haben mehr Chancen in einer zentralen Lösung”, ist Keutmann überzeugt.


Fakten zur bevorstehenden Fusion in der GdG Heilig Geist Jülich

Stellen müsse man sich den Fakten über einem Rückgang an Gläubigen, an Priestern und dem zur Verfügung stehenden Geld, hatte Regionaldekan Hans Otto von Danwitz als Denkanstoß gegeben. Bis 2017 lautet die Personalprognose: 2,2 Priesterstellen und 3,7 Stellen für Gemeindereferenten in der GdG Heilig Geist, unabhängig davon, ob die große und kleine Fusion kommt.

Zudem entfallen, wie aus Aachen angekündigt, 30 Prozent der Mittel für Kirchenimmobilien.

Fakt ist im Februar 2011, dass in Jülich Pfarrer Paul Cülter und Gemeindereferentin Beate Ortwein die seelsorgerische Arbeit in der Kernstadt tragen. Weiterhin wirkt Pfarrer Konrad Keutmann in St. Rochus und ist darüber hinaus für Stetternich, Welldorf-Güsten und Mersch zuständig. Die Wegegemeinschaft Süd mit Koslar, Broich, Kirchberg, Altenburg, Selgersdorf und Krauthausen betreuen Pfarrer Dr. Peter Jöcken und Gemeindereferent Ralf Cober.

Nach dem Ausscheiden von Propst Heinrich Bongard zum Jahreswechsel liegt die Administration der Propsteigemeinde sowie der Pfarrgemeinden Barmen und St. Franz Sales in den Händen von Regionaldekan Hans Otto von Danwitz.

Die Oblaten des Hl. Franz von Sales aus Haus Overbach sind laut Pfarrbrief bereit, regelmäßig in der Seelsorge mitzuhelfen, insbesondere - aber nicht nur - in Barmen. Zur weiteren Unterstützung stoßen bei Bedarf, etwa als Krankheits- oder Urlaubsvertretung, auch Priester aus Düren dazu.

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