Kirchberger KG: Alaaf und Adieu

Von: Daniela Martinak
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Die Mädchen der Showtanzgruppe, wie hier Nathalie und Rebecca, helfen fleißig mit, sind allerdings leider noch zu jung für die Vorstandsarbeit. Foto: Daniela Martinak
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Präsident Rolf Wittkamp und Vorstandsmitglied Ralph Pallaß sind zuversichtlich. Foto: Daniela Martinak

Kirchberg. Rolf Wittkamp, der Präsident der KG Blau-Weiß Kirchberg, blickt in zahlreiche ernste und bedrückte Gesichter. Ein eher ungewöhnliches Bild für einen solchen Anlass. Schließlich feiert die Gesellschaft gerade ihren traditionellen Biwak in der Bürgerhalle und hat sämtliche befreundete Vereine, Narren und Jecke aus dem Dorf und dem Umland dazu eingeladen.

Zu erwähnen ist allerdings, dass es voraussichtlich der letzte Biwak – überhaupt die letzte karnevalistische Veranstaltung – des Vereins ist. Vorstandsmitglied Ralph Pallaß bringt das Problem auf den Punkt: „Es mangelt an Nachwuchs. Niemand möchte in unsere Fußstapfen treten.“ Bei den insgesamt 100 Mitgliedern liegt der Altersdurchschnitt bei 50 Jahren. Leider sei aus diesem Grund nicht nur der Vorstand „veraltet“, sondern das treffe auch auf die Ideen in der KG zu.

Bereits bei der Begrüßung erklärt das Vereinsoberhaupt den Gästen in Kirchberg: „Genießt mit uns diesen Tag in diesen schönen alten Gemäuern und mit zahlreichen Aktiven und Freunden und einem tollen Programm, wer weiß, ob wir uns so noch einmal wiedersehen.“ Befreundete Gesellschaften aus Frenz, Bourheim, Mersch, Titz, Inden/Altdorf, Stetternich, Jülich, Barmen und Koslar sind der Einladung gefolgt, freuen sich sichtlich, ihre Tänze oder Tollitäten zu präsentieren, aber noch eins haben sie gemeinsam: Sie alle finden die richtigen Worte, die genaue Portion Trost.

Denn Nachwuchsprobleme sind wohl inzwischen überall vorhanden. „Davon kann sich kein Verein freisprechen“, sagt auch die 2. Vorsitzende der KG Blau-Weiß, Petra Neyer, und glaubt die Ursache dafür gefunden zu haben: „Man muss die Jugend viel früher schon mit ins Boot holen.“ Zwar gebe es ein paar aus den eigenen Reihen, die für den Posten eines Vorstandsmitgliedes in Frage kommen würden, allerdings haben die potenziellen Kandidaten sich noch nicht dazu geäußert, ob sie dem Verein aus der Patsche holen und ihre Freizeit für den traditionellen Brauch opfern möchten.

Diejenigen, die schon geraume Zeit vor ihrem Auftritt hinter den Kulissen und an der Cafeteria mithelfen wie die Showtanzgruppe und die Garde, sind leider noch zu jung, um solch eine Funktion zu übernehmen. Pallaß: „Es sagt ja auch niemand, dass wir ganz aufhören möchten, aber einige von uns fühlen sich dann doch zu alt, um weiterzumachen. Wir würden die junge Generation ja auch unterstützen, ihnen freie Hand lassen, aber ihnen unsere Erfahrungswerte ans Herz legen.“

Im Frühjahr fällt die Entscheidung. Zwei Drittel der Mitglieder müssen zustimmen, damit der Verein laut Satzung aufgelöst werden darf. Der Mitgliederbeschluss entscheidet also. Aber hat es denn wirklich gar keinen Sinn mehr? Und was passiert mit den Kindern und Jugendlichen, die bislang für den im Jahr 1987 gegründeten Verein auf der Bühne standen?

„In dieser Konstellation hat es wirklich keinen Sinn mehr, uns tut es auch enorm weh, die Aktiven eventuell an andere Vereine verweisen zu müssen, nur einen Ausweg kennen wir noch“, deutet Pallaß an. Eine Interessengemeinschaft wäre vielleicht eine Lösung. Ein Verbund aller Ortsvereine, der es ermöglichen würde, weiter Karneval in Kirchberg feiern zu können.

„Das wäre ein Wunschgedanke von uns, wir sind zuversichtlich. Dann hätten wir noch eine Chance, wenn sich kein Nachwuchs für die Vereinsarbeit findet“, sind sich die Vorstandsmitglieder um Rolf Wittkamp einig. Dabei müssten lediglich die Köpfe ausgetauscht werden – mehr sei es doch gar nicht. Die Anhänger und Freunde der KG Blau-Weiß kommen am Veilchendienstag beim traditionellen Umzug noch einmal auf ihre Kosten. Dann ziehen die Kirchberger vielleicht das letzte Mal als Verein durch die Straßen.

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