Keine Botschaft. Allein das Schauen zählt.

Von: Thomas Thelen
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„Der Betrachter soll sich seine eigenen Gedanken machen”: Die Malerin Ingeborg Hanrath-Speidel spricht mit Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens (r.) und Kulturamtsleiter Wolfgang Ohler über ihre Kunst - hier vor dem Gemälde mit dem Titel „In Memoriam”. Foto: Sigi Malinowski

Siersdorf. Irgendwann ist es an der Zeit. Für jeden, der künstlerisch wirkt. Dann muss die Kunst raus, muss sich einen Weg bahnen. Aus dem Privaten in die Öffentlichkeit. Aus dem heimischen Atelier in die Ausstellungshalle. Aus der Sicherheit in die Ungewissheit.

Wo stehe ich mit meiner Kunst? Irgendwann will das jeder Künstler wissen. Es wäre ja auch zu schade, wenn Kunst nur im Verborgenen wirken würde.

Im ITS in Baesweiler

Mit ihrer Ausstellung „Traum und Wirklichkeit” rückt auch die aus Siersdorf stammende Malerin Ingeborg Hanrath-Speidel (55) in den Blick einer breiten Öffentlichkeit. Nicht, dass es ihre erste Ausstellung wäre. Aber der Rahmen, das wird sogar ihr erst bei der Vernissage richtig bewusst, ist ein anderer: Größer ist alles, aufwändiger, allein die Vorbereitung. An der hat sich Baesweilers Kulturamtsleiter Wolfgang Ohler beteiligt, ihm dankt Hanrath-Speidel besonders. Wie auch den Jazz-Musikern der Anja Pies-Kombo mit dem Kontrabassisten Joe Ritterbeck, die für einen entspannten musikalischen Ton sorgen.

28 ihrer Acrylgemälde auf Leinwand sind im Internationalen Technologie- und Service-Center (ITS) Baesweiler zu sehen. Die Palette der unterschiedlichen Stilformen ist beachtlich: Vom Stillleben über impressionistische Serien bis hin zu expressionistischen Werken mit den Elementen Farbe, Dynamik, Gefühl - dem Besucher wird einiges abverlangt. Da ist es nur gut, dass die Gemälde auf den drei Ebenen ausreichend Platz voreinander haben. Das beruhigt die Sache für den Betrachter.

„Ich bin einfach glücklich, dass sich mir diese Möglichkeit bietet”, sagt die Malerin sichtlich erfreut, ja fast gerührt, über den großen Zuspruch bei der Eröffnung. Bürgermeister Willi Linkens gibt die Blumen gerne zurück: „Für uns ist es eine Ehre, dass Sie Ihre großartige Kunst hier ausstellen”, sagt Linkens, der auf eines der Gemälde, ein farbenprächtiges Exemplar, ein Auge geworfen hat. „Ich kann mir gut vorstellen, dass meiner Frau das Bild bei uns zu Hause sehr gut gefallen würde.” Späterer Kauf nicht ausgeschlossen...

Peter Pappert, Redakteur dieser Zeitung, der bei der Vernissage in das Werk der Malerin einführt, wagt einige vorsichtige Interpretationen. „Das ist Venedig”, habe er beim ersten Betrachten eines Bildes der Serie „Grenzenlos” gedacht. Die Malerin hatte womöglich alles im Kopf, als sie das Bild malte - aber gewiss nicht Venedig. Irritieren Hanrath-Speidel derartige Interpretationsversuche? „Jeder kann und soll in meinen Bildern sehen, was er möchte, ich will da gar nichts vorgeben, das ist nicht meine Art. Deshalb kann es auch gar keine Missverständnisse geben”, erklärt die Malerin.

Oder um es mit den Worten Papperts zu sagen: „Sie beantwortet gerne Fragen, will aber letztlich nur, dass man sich umschaut. Sie will schon gar nichts von sich aus loswerden - keine Botschaften, keine Interpretationen. Bloß nicht den Betrachter irgendwie beeinflussen!”

Irgendwann ist es soweit. Dann muss die Kunst raus, muss sich einen Weg bahnen. Es gibt da ein abstraktes Bild in der Ausstellung, das für diesen Gedanken stehen könnte. Das Bild trägt den Titel „Aufbruch”, strahlt in blau-roten Tönen und hängt gleich unten im ITS-Foyer. Zu haben ist die Leihgabe nicht mehr. Weder für den Bürgermeister noch für sonstwen. Aber zu betrachten allemal. Noch bis zum 20. November.
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